Projekt "Klasse! Wir singen": Moderator Jan Brögger berichtet

Moderator Jan Brögger über „Klasse! Wir singen“ : Wie man die Saarlandhalle zum Singen bringt

Im April nächsten Jahres warten Tausende Kinder in der Saarlandhalle auf seinen Einsatz: Dann wird aus dem Neunkircher Kirchenmusiker Jan Brögger der Moderator von „Klasse! Wir singen“.

Schnell nochmal durchatmen, dann legt Jan Brögger los. Doch statt zu dirigieren muss der Neunkircher Kantor an diesem verregneten Vormittag päsentieren. Auch wenn Brögger gewohnt ist vor Publikum zu stehen, eine gewisse Nervosität ist ihm anzusehen.

Dabei stellt Brögger an diesem Tag nur die Neuauflage des Musikprojektes „Klasse! Wir singen“ im Rahmen der Programmvorschau des Saarbrücker Congress Centrums vor. Mit der Gästezahl im Raum dürfte Brögger auch gut umgehen können. Knappe 30 Zuhörer sind schließlich kein Vergleich zu Tausenden singenden und sich dabei bewegenden Kindern. Als er mit seinem Vortrag dann loslegt, wirkt er mit jedem Satz wieder etwas entspannter. So ist es auch auf der großen Bühne, wie er im Anschluss berichtet: „Man wird von Takt zu Takt lockerer.“

Dass Brögger das nötige Taktgefühl für solche Situationen mitbringt, konnte der 46-Jährige schon früh in seinem Leben unter Beweis stellen. Der ursprünglich im Sauerland aufgewachsene und nach eigenen Aussagen „gefühlte Rheinländer“ studierte neben Musikpädagogik und Chorleitung auch Kirchenmusik. Die Musik war schon von Kind an eine „persönliche Leidenschaft“ für ihn gewesen, wie er berichtet. Zur Kirchenmusik hatte ihn dann sein Musiklehrer gebracht. „Meiner spielte zufällig Orgel. Das habe ich toll gefunden. Als ich ihm dann erklärte, dass ich ebenfalls Orgel spielen, aber auch studieren wolle, sagte er mir, dass ich Kirchenmusik studieren müsse“, erinnert sich Brögger.

Und das tat er sogar recht erfolgreich. Sein Examen in Gregorianik machte er mit Auszeichnung. 2001 gewann er beim Wettbewerb für junge Kirchenmusiker der Pfarrei St. Anna und erhielt zusätzlich den Preis der Stadt Düren. Ein Jahr lang unterrichtete er Chorleitung an der Universität in Osnabrück.

Anfang 2005 dann der Bruch. Brögger verschlägt es hauptberuflich als Kantor ins Saarland nach Neunkirchen – in sein persönliches „Terra incognita“, wie er heute sagt. Die Unsicherheit überwog dabei zunächst. „Ich muss ehrlich sagen, ich wollte hier erst nicht hin. Was man so über Neunkirchen und auch über das Saarland hört, ist nicht immer nur einladend, um es nett zu formulieren“, erzählt er. Doch es dauerte nicht lange, bis der Sauerländer seine Meinung änderte. Wie bei seiner Studienwahl spielte auch hier eine Orgel wieder eine entscheidende Rolle: „Ich habe mir Neunkirchen in so einer Art Probebesichtigung angeschaut. Dort gab es dann diese schöne große Kirche mit einer Orgel. Zudem viele junge Menschen und einen guten Pfarrer. Da habe ich mir gesagt, okay, das ist eine gute Ausgangsposition, ich probiere es mal“, schildert Brögger.

Innerhalb weniger Jahre nach seinem Dienstantritt als Kantor von St. Marien ist eine vielseitige kirchenmusikalische Landschaft in Neunkirchen entstanden. Neben mehreren Chorgruppen begründete Brögger verschiedene Konzertreihen mit, etwa die Neunkircher Kirchenmusiktage.

2014 ging es für Brögger dann weg von der Orgel und rauf auf die große Bühne. Knapp 2500 Kinder dirigierte er damals beim Singprojekt „Klasse! Wir singen“ in der Saarlandhalle. „Wenn da Tausende Kinder das erste Mal nach zehn Wochen unabhängigem Üben zusammenkommen und in einem Moment alle dasselbe machen, dann begeistert das“, schildert Brögger seine Eindrücke von damals. „Man kann die Halle rocken und man kann die Halle runterkochen, auf ein ganz meditatives Niveau. Wenn man als Moderator seine innere Rampensau-Qualität sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung kanalisiert, kann das gelingen. Das ist dann ein tolles Gefühl.“ Im kommenden Jahr geht es für Brögger erneut mit „Klasse! Wir singen“ in die Saarlandhalle. Neben bekannten traditionellen Liedern wird es laut Brögger auch neuere Stücke geben, darunter auch zwei französischsprachige Kinderlieder. Bis dahin muss der Kirchenmusiker aber noch was lernen. „Ich kann dummerweise kein Französisch“, sagt Brögger an. Die anfängliche Nervosität wirkt bei ihm mittlerweile wie verflogen.

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