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| 18:36 Uhr

Grubenwasseranstieg in Merchweiler
Viele Fragen bleiben offen

Die Informationsveranstaltung zum geplanten Grubenwasseranstieg am Montag (08.01.2018) in der Allenfeldhalle in Merchweiler.
Die Informationsveranstaltung zum geplanten Grubenwasseranstieg am Montag (08.01.2018) in der Allenfeldhalle in Merchweiler. FOTO: BeckerBredel
Merchweiler. Die Info-Veranstaltung zum Grubenwasseranstieg in Merchweiler lieferte ungeheuer viele, teils verwirrende Fakten. Die Landesregierung soll jetzt reagieren. Von Solveig Lenz-Engel

Wer nicht zufällig auch Professor und Hydrogeologe  ist, hatte durchaus Mühe,  dem Fachvortrag von Jürgen Wagner zu folgen. Wagner hat im Auftrag des saarländischen Oberbergamtes ein Gutachten  erstellt (die SZ berichtete), das sich mit den möglichen Auswirkungen  des von der RAG beantragten Erhöhung des Grubenwasserspiegels (siehe Text unten) befasst.  Bei  der Info-Veranstaltung zu der die Gemeinden Illingen, Eppelborn, Merchweiler, Schiffweiler  am Montagabend in die Allenfeldhalle nach Merchweiler eingeladen hatten, präsentierte Wagner, der in Neunkirchen die Grundwasser- und Geoforschung GmbH betreibt, die Ergebnisse im  Detail. Ließ sich allerdings nicht darauf festnageln,  wie  er die RAG-Pläne letztlich in Hinblick auf die Interessen derer, die um ihre Häuser und die Grundwasserqualität bangen, beurteilt. Ja, es könne Veränderungen am Grundwasserspiegel geben, aber die könnten auch durch „Nassjahre“ verursacht werden. Nein, Vernässungen an Fundamenten seien nicht zu befürchten. PCB sei mit höchster Wahrscheinlichkeit kein Thema. Erschütterungen/Hebungen  seien möglich, aber weitaus schwächer als zu Zeiten des Kohleabbaus, weil flächiger und gleichmäßiger ausgebildet. „Es ist ein Monitoring (eine Überwachung)  erforderlich“, sagte  Prof. Wagner, machte aber keine Aussagen dazu, wie und wo das geschehen solle. Klar  aber seine Ansage, dass  in der von der RAG projektierten zweiten Phase des Grubenwasseranstiegs mit Einleitung des Wassers in die Saar alles ganz anders aussehen könnte. Was er aber wissenschaftlich nicht untersucht hat.

Auch die übrige Podiumsbesetzung (die Eppelborner Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset, die Kollegen  Dr. Armin König aus Illingen, Markus Fuchs aus Schiffweiler, Lutz Maurer aus Quierschied, „Hausherr“  Patrick Weydmann und Eugen Roth als Vorsitzender des Landtagsauschusses für Grubensicherheit und Nachbergbau) staunte mit dem Publikum über die kühnen Rechen- und Denkmodelle  im Fachvortrag. Armin König war da griffiger unterwegs: Er  qualifizierte das Grubenflutungs-Pläne der RAG  als das „bedeutendste raumwirksame Vorhaben der letzten 50 Jahre“.  Dass es bislang keine Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben habe, sei ein schwerer Verfahrensfehler, so der Verwaltungsfachmann König.  Die möglichen Eingriffe in private Eigentumsrechte und auch die planerische Hoheit der kommunaler Körperschaften seien nicht hinzunahmen. Für König redet der RAG-Chef Bernd Tönjes „Quatsch“. Dank des Steinkohlefinanzierungsgesetzes verfüge die RAG-Stiftung über sieben Milliarden Euro, womit locker noch 200 Jahren die Pumpen am Laufen gehalten werden könnten.

Was die Bürger hierzulande auch umtreibt, ist die Tatsache, dass die RAG an der Ruhr ihrer Ewigkeitsaufgabe des Pumpens nachkommen will,  sich dieser Verpflichtung  an der Saar aber offensichtlich entziehen will. Was ja wohl auch ein Fall für die   Landesregierung ist, wie auch Eugen Roth  („das Landesparlament wird kritisch am Ball bleiben“) sagte.  Das Oberbergamt müsse jetzt alle Einwendungen (siehe Text unten) prüfen. Er verdeutlichte, dass es das Ziel seines Ausschusses  sei „Gefährdungen von Mensch und Umwelt zwingend auszuschließen“.  Recht und Gesetz müssten gewahrt bleiben. Morgen sind die Bürgermeister der 30 Gemeinden, die von einer Flutung betroffen sein könnten, und der Saarländische Städte- und Gemeindetag zu einer Sitzung seines Ausschusses eingeladen. Auch andere Interessenvertreter würden im Entscheidungsprozess „Pumpen oder Nichtpumpen, was ist besser?“ gehört.

Prof. Jürgen Wagner hatte zu Beginn seines Vortrages die Frage aufgeworfen, ob es „natürlich“ sei, das Gestein künstlich trocken zu halten. Was die ganze Problematik der Ausbeutung des Bodens durch den Bergbau auf den Punkt bringt. Erst wurden die Riesenlöcher gerissen, Unternehmen und Personal verdienten daran, dann kamen die teilweise massiven Bergschäden und nun die Ratlosigkeit, wie es „in Ewigkeit“  mit dem Wasser und den untertage hinterlassenen Stoffen  weiter gehen soll. 400 Seiten hat Wagner dazu verfasst, 1000 Literaturstellen ausgewertet, davon 200 in bereits zum Thema Grubenflutungen erstellen Gutachten, und den Stein der Weisen hat wohl auch er  noch nicht gefunden.

Das Gros der Besucher verließ die Info-Veranstaltung  mit dem Gefühl, dass noch ganz viele Fragen offen sind und sich die Landespolitik im Sinne  der Bürger jetzt intensiv mit dem Thema zu befassen hat.