MUT hinterlässt doch Spuren

In der Siedlung hat gut jeder Zweite einen Migrationshintergrund. Die MUT-Macher setzten auf Integration und Gemeinschaft. Etwa mit dem Aufbau einer interkulturellen Gruppe, niederschwelligen Sprachkursen, einem offenen Treff, Freizeit- und Ferienangeboten sowie Veranstaltungen. Eine Bilanz.

Wie kann das, was wir angeschoben haben, weiterlaufen? Diese Frage steht nicht selten am Ende einer Sozialarbeit in Projektform, wenn die Fördermittel versiegen, aus einem Modell- kein Regelangebot werden kann. Schauen wir auf MUT ("Miteinander und tolerant"), ein Projekt zum besseren Miteinander von jungen Migranten und einheimischen Jugendlichen im Wellesweiler Wohngebiet Winterfloß, getragen vom Caritasverband Schaumberg-Blies, verbunden mit dem Gemeinwesenprojekt Floßfahrt, unterstützt von Fördermitteln des Bundes (siehe "Hintergrund").

"Wir haben angefangen, als in der Siedlung Hochalarm herrschte", erinnert Thomas Hans, Fachdienstleiter Allgemeine Soziale Dienste beim Caritasverband Schaumberg-Blies, im Gespräch mit unserer Zeitung: Es gab Probleme mit Jugendlichen in der Siedlung. Eine Anzeige der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft Neunkirchen lag vor. Ein Gefühl der Angst herrschte im Quartier. "Wir haben das in den Griff gekriegt", sagt Hans im Rückblick weiter. Was hat MUT initiiert? Ziele waren unter anderen Vorurteile durch das Erleben von Gemeinschaft abbauen, neue Freizeitangebote im Stadtteil schaffen und auch eine gemeinsame Identität für die Siedlung entwickeln. "Das ist uns ganz gut gelungen", bilanziert Hans zusammen mit dem Mut-Mann Thomas Mörsdorf und Floßfahrt-Frau Sylvia Mann jetzt nach Ende der Förder-Jahre. Sie haben es versucht etwa mit dem Aufbau einer interkulturellen Gruppe, niederschwelligen Sprachkursen, einem offenen Treff, Freizeit- und Ferienangeboten sowie Veranstaltungen.

"Unser Projekt war von Anfang an so geplant, dass es nach dem Ende der Förderphase selbst laufen sollte", berichten unsere Redaktionsgäste. Die mit dem Projekt älter werdenden Jugendlichen sollten selbstverantwortlich in die Rolle hineinwachsen, für die Jüngeren Freizeitangebote zu gestalten. Aber nicht alles ist planbar, erlebten die MUT-Verantwortlichen. "Flüchtlinge sind hinzugekommen. Da hat den Entwicklungsprozess verlangsamt", sagt Thomas Mörsdorf, der nach dem Aus für MUT wieder zurück zum Caritas-Projekt Sprungbrett gewechselt ist. Zu den Russlanddeutschen stießen jetzt im Quartier etwa neu Eritreer. Das habe und nach ganz gut funktioniert. "Die Eritreer lernen zuerst mal deutschen Jugend-Slang", schmunzelt Mörsdorf. Aber die Integration der Flüchtlinge erfordere eben mehr Zeit, als das auf drei Jahre angelegte Projekt vorsah. "Wir haben uns um ein Nachfolgeprojekt bemüht", sagt Hans. Bislang vergebens. Und bis jetzt sei auch andersweitig keine konkrete Weiterfinanzierung zu Stande gekommen. "Wir haben schon was hinterlassen", sind Hans und Mörsdorf überzeugt. Mit dem Projekt Floßfahrt, das weiterläuft (die Stadt hat auch für 2017 eine Unterstützung mit 30 000 Euro zugesagt), versucht die Caritas "im Laufenden einiges aufzufangen", wie Sylvia Mann es formuliert. Sie haben auch Kontakt zu JunOst (Verband der russischsprachigen Jugend) aufgenommen. Diese Organisation so mit kleineren Maßnahmen die Lücke an Angeboten für die Jugendlichen vor Ort bestmöglich überbrücken. Der offene Treff jedoch ist im Moment zu.

Meinung:

Begegnung baut Ängste ab

Von SZ-Redakteurin Claudia Emmerich

Durch das Jugendprojekt MUT und das Gemeinwesenprojekt Floßfahrt sind sich die Menschen im Winterfloß wohl ein Stückchen nähergekommen - Alteingesessene und Zugezogene, Deutsche und Migranten , Alte und Junge. Wer etwa gemeinsam was auf die Beine stellt und zusammen feiert, nimmt den Mitmenschen anders wahr. Dann sind eben nicht mehr "alle Jugendlichen" problematisch, "alle Ausländer", "alle Flüchtlinge ". Die Saarbrücker Zeitung besuchte schon mal vor Ort Weihnachtsmarkt oder Herbstfest - interkulturell.

Auch ohne MUT soll die Floßfahrt weitergehen. Und was hier greift, könnte auch andernorts helfen: durch Begegnung Ängste abbauen und Vertrauen wachsen lassen.

Zum Thema:

Hintergrund MUT richtete sich an Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 27 Jahren ohne und mit Migrationshintergrund . Floßfahrt richtet sich an alle Bewohner der Winterfloßsiedlung in Wellesweiler , rund 1200 Menschen. Rund jeder Zweite hat einen Migrationshintergrund . Das Programm bietet den Menschen Beratung und schafft kulturelle Angebote im Quartier. cle