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Frohe Weihnachten – und das im Januar

Frohe Weihnachten – und das im Januar

Der Alltag hat die meisten wieder, da gibt's bei etlichen Familien in der Region noch mal Weihnachtsgeschenke. Die orthodoxen Christen müssen sich wegen des Julianischen Kalenders ein wenig mit dem Feiern gedulden. Dafür ist es jetzt umso schöner.

Die Vorfreude auf Weihnachten in der alten Heimat ist Irina Schminke aus Rilchingen-Hanweiler förmlich ins Gesicht geschrieben. Rund 20 Jahre ist es her, dass die gebürtige Ukrainerin Weihnachten und Silvester in ihrer Heimat feierte. "Ich war schon mal an Weihnachten oder an Silvester in der Ukraine, aber beides zusammen feierte ich dort schon viele Jahre nicht mehr", sagt Irina Schminke. Heiligabend , Weihnachten , Silvester ? Jetzt? Ja, denn orthodoxe Christinnen und Christen wie Irina Schminke haben am 6. Januar Heiligabend und am 7. und 8. Januar die Weihnachtsfeiertage . "Wir richten uns nach dem Julianischen Kalender, und Katholiken und Protestanten feiern nach dem Gregorianischen Kalender. Konkret heißt das, dass wir alle Feiertage 13 Tage später feiern. Der Glaube ist derselbe", erklärt die 42-Jährige. Irinas Mann Mario bleibt in diesem Jahr in Hanweiler und fliegt nicht mit in die Ukraine. "Ich habe keinen Urlaub bekommen. In Deutschland sind ja keine Feiertage. Aber ich freue mich für meine Frau, dass sie wieder ihre Eltern besuchen und mit ihnen feiern kann", sagt der 56-Jährige. Die 13-Tage-Differenz sind allerdings nicht die einzigen Unterschiede. "Bei uns kommt kein Weihnachtsmann. Bei uns kommt Väterchen Frost am 31. Dezember - nach Gregorianischem Kalender - kurz vor Mitternacht und bringt die Geschenke", sagt Irina Schminke. Also bekommen die Orthodoxen kurz vor Mitternacht die Geschenke und gehen gleich danach auf die Straße, um Knaller und Raketen zu zünden? Falsch.

Irina muss lachen. "Nein, Silvester ist bei uns am 13. Januar, eben 13 Tage später. Das wird übrigens auch etwas anders gefeiert. Am Neujahrstag ist in allen Häusern Tag der offenen Tür. Freude kommen und werfen Getreide in die Wohnung. Abends liegt zentimeterhoch Getreide in den Häusern. Das macht man, damit man im neuen Jahr eine gute Ernte bekommt", sagt die 42 Jahre alte Mitarbeiterin einer Rechtsanwaltskanzlei. Am orthodoxen Heiligabend feierten die Schminkes traditionell locker. "Fisch und natürlich Kutja, das ist bei uns in der Ukraine ein Muss. Das ist gekochtes Getreide mit Honig und einem Kompott aus Trockenfrüchten. An den beiden Weihnachtsfeiertagen sieht das Ganze dann üppiger aus", sagt Irina Schminke.

Auch die Svistors feierten am Freitag Heiligabend . Dimitirij Svistor ist ein russischer Priester, der in die Burbacher orthodoxe Kirche, Lindenhofstraße 1, einlädt. "Zeit zum Feiern mit meiner Familie habe ich erst an den Weihnachtsfeiertagen", sagt der 39-jährige Priester. Er ist verheiratet. "Wir dürfen vor der Priesterweihe heiraten, danach nicht mehr." Dimitirij Svistor schätzt, dass es im Saarland etwa 40 000 Orthodoxe gibt. In der Ukraine oder Russland machen sie zwei Drittel der Bevölkerung aus. Auch in Rumänien, Ungarn oder Griechenland gibt es deutlich mehr Orthodoxe als in Mitteleuropa. Wer den Gottesdienst der Orthodoxen miterleben möchte, darf dies am Samstagabend in Burbach gerne tun. "Frauen müssen in der Kirche eine Kopfbedeckung tragen. Ein Schal oder ein Tuch über dem Kopf reicht da schon aus. Und wir bekreuzigen uns am Ende von rechts nach links, damit wir am Herzen aufhören", sagt Irina Schminke.

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 Bei Irina und Mario Schminke aus Rilchingen-Hanweiler war am Freitag Heiligabend.
Bei Irina und Mario Schminke aus Rilchingen-Hanweiler war am Freitag Heiligabend.

Am Rande Die GGS Neunkirchen (Haspelstraße) hat seit Jahren eine Partnerschule in Tscherkessk/Russland. Jedes Jahr besuchen sich die Schulen gegenseitig, eine Freundschaft ist entstanden. Im Schuljahr 2015 hat die GGS Neunkirchen den saarländischen Toleranzpreis für diese Partnerschaft erhalten. Am gestrigen Freitag veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Russland eine russische Weihnachtsfeier. Schüler russischer Herkunft brachten ihren Mitschülern die russischen Weihnachtstraditionen näher. red