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Theater
Viel Theater um einen Lampenschirm

Wemmetsweiler. Mit „Der Lampenschirm“ hat sich der Theaterverein Wemmetsweiler an kein alltägliches Stück gewagt. Das Publikum fand Gefallen. Von Andreas Engel

Wer sich im Vorfeld der Aufführung die Mühe gemacht haben sollte, über den Titel des Stückes von Curt Goetz (1888 bis 1960) „Der Lampenschirm“ etwas inhaltlich zu erfahren, der wurde enttäuscht. Der Titel soll bewusst willkürlich wirken, denn das Stück ist ein „Nicht-Stück“, worauf auch der Untertitel anspielt: „Kein Stück in drei Akten“. Soll es ja geben, dass die Überschrift zum Thema führt, das ist bei Curt Goetz aber ganz anders. Der Regisseur des Theatervereins Wemmetsweiler, Gerd Kessler, rückt den Autor, dessen Stücke zu den meist gespielten im deutschsprachigen Raum gehören, in die Nähe des absurden Theaters. Kessler ist von Autor und Stück so begeistert, dass er im Programmheft reimt: „Das große Thema sucht man hier vergebens. Sogar auf Handlung möchte man verzichten. Man weiß nichts mehr vom großen Sinn des Lebens. Tradiertes will vor allem man vernichten.“ „Der Lampenschirm“ braucht nicht einmal ein Bühnenbild, es entsteht erst im Verlauf des Stückes Möbelstück für Möbelstück, die die Schauspieler herein tragen. Der Protagonist, der Lebemann Hans Karl, brillant gespielt von Emil Mura, gibt vor, das Stück, in dem er mitspielt, gerade zu schreiben, und versucht eifrig, es nicht zu schreiben, das heißt, keine Handlung zu produzieren. Dadurch erscheint das Stück größtenteils als theateraffines Geblödel. Der warmherzige und kluge Humor des Ensembles, die präzise Darstellung und Umsetzung der absurden Aufgabe, absurdes Theater zu zeigen, gelang vorzüglich. Wie schrieb Goetz einst selbst: „ ... eine Heirat, die keine wurde, eine Verlobung, die auseinander ging, ein Intendant, der keiner war und dann mal wieder einer war, ein Bettler, der nicht bettelt, und ein Komiker, der nicht lacht – wie ich daraus kein Stück machen soll, ist mir schleierhaft.“


Der Wemmetsweiler Theaterverein hat daraus ein Stück gemacht, das durchaus mehr Publikum verdient gehabt hätte. Aber Goetz provoziert alles Mögliche, nicht aber Schenkel klopfendes Gejohle. Trotzdem zeigte sich Kessler nach drei Aufführungen im Kuppelsaal sehr zufrieden. Zumal der Verein nun endlich auch neue Proberäume gefunden hat. In einem Klassenraum der Heinrichschule Wemmetsweiler kann jetzt gearbeitet werden. „Ich habe mich für den Proberaum stark gemacht“, sagte Bürgermeister Patrick Weydmann, der den „Lampenschirm“ nicht versäumen wollte. Der Theaterverein Wemmetsweiler sei für die ganze Gemeinde ein großer Gewinn.