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(K)ein Mörder vor Gericht

 Versuchen, sich in den verworrenen Verhältnissen zurechtzufinden: der Verteidiger, Agda, Agdas Zofe und Peer Bille (Philipp Heinz, Lisa Jochum, Hannelore Seiffert und Emil Mura; von links, ganz links eine Puppe). Foto: Anika Meyer
Versuchen, sich in den verworrenen Verhältnissen zurechtzufinden: der Verteidiger, Agda, Agdas Zofe und Peer Bille (Philipp Heinz, Lisa Jochum, Hannelore Seiffert und Emil Mura; von links, ganz links eine Puppe). Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Wemmetsweiler. Mördersuche im Wemmetsweiler Rathaus: Der Theaterverein Wemmetsweiler präsentierte das Stück „Hokuspokus“ von Curt Goetz. Die Hauptrollen besetzte die junge Generation des Vereins. Anika Meyer

"Können Sie denn beweisen, dass Sie der Mörder sind?" - "Das wäre eigentlich Ihre Aufgabe, Herr Staatsanwalt!" Es war schon kurios, was da auf der Bühne im Rathaus Wemmetsweiler vor sich ging. Verkehrte Welt, kunstvolle, aber wacklige Lügenkonstrukte und vor allem urkomische Versuche der Akteure, sich darin zurechtzufinden.

Peer Bille, gespielt von Emil Mura, besteht vor Gericht darauf, den Künstler Kjerulf umgebracht zu haben. Dabei hat er es gar nicht getan. Er will seine Frau Agda (Lisa Jochum) entlasten, die dieses Verbrechens angeklagt ist. Sie hat jedoch ebenfalls nicht gemordet. In Wahrheit hat niemand gemordet, doch das wissen nur die beiden. Gerichtspräsident (Gerd Kessler), Staatsanwalt (Achim Fuchs) und Verteidiger (Philipp Heinz) werden an der Nase herumgeführt, mit ihnen des Gerichtspräsidenten Freund (Georg Holzapfel), Agdas Zofe (Hannelore Seiffert) und der Gerichtsdiener (Martin König). Sehr zum Vergnügen des Publikums, das zu diesem Zeitpunkt die Hintergründe auch noch nicht vollständig kennt.

Der Theaterverein Wemmetsweiler glänzt mal wieder, die junge Generation in den Hauptrollen. Der Saal ist ganz gut besetzt, doch man hätte sich mehr Zuschauer gewünscht und auch verdient gehabt. Das Vorurteil, weil der Verein auf anspruchsvollere Stücke setze, gäbe es nichts zu lachen, halte sich leider hartnäckig, stellte der Vorsitzende und Regisseur Gerd Kessler fest. Gezeigt wurde "Hokuspokus" von Curt Goetz. "Die Komödie ist unheimlich amüsant und auch genial konstruiert mit diesen ständigen Brüchen."

Lockerleicht ging einem das in der Tat zu Gemüte. Kern der ganzen Affäre: Peer Bille ist Kjerulf, Peer Bille ist das angebliche Mordopfer. Neben seinem Leben als Zirkuskünstler hatte er nämlich seit einiger Zeit eine zweite Identität als ernsthafter Maler angenommen. Als man den Maler tot glaubt, hat Peer es mit der Aufklärung nicht allzu eilig. Denn: Seine Bilder, die zuvor von der Kunstwelt gering geschätzt wurden, steigen nun schlagartig im Wert. So ist das eben. Einer von mehreren amüsierten Blicken auf die Marotten der Gesellschaft.

Am Ende standen jedoch ein glücklicher Peer Bille, der wieder "Hokuspokus", ein einfacher Zirkuskünstler sein darf, eine freigesprochene und ebenso glückliche Agda und ein Gericht, dem, da kein Toter, nichts weiter bleibt, als sich auf Agdas Party zu amüsieren. Und ein zufriedenes Publikum: "Sehr witzig! Obwohl ich normal gar kein Theatergänger bin. Und die Schauspieler sind echt gut", sagte Jörg Gebhard. Mirko Zimmermann sah es ähnlich: "Das Stück ist sehr dialogbehaftet. Große Leistung, das so durchzuziehen."