Theaterverein Wemmtsweiler kommt mit neuem Stück: Ein Stück ohne Stück wird zum Lustspiel

Theaterverein Wemmtsweiler kommt mit neuem Stück : Ein Stück ohne Stück wird zum Lustspiel

Mit „Der Lampenschirm“ zeigt der Theaterverein Wemmetsweiler ein „Anti-Theater“, das voller Überraschungen steckt.

„Junger Künstler sucht 20 000 Mark. Sicherheiten nicht vorhanden. Angebote unter H.K. Blödsinn bis Mittwoch an die Redaktion dieses Blattes. Später einlaufende Angebote können nicht mehr berücksichtigt werden.“ Mit der Formulierung und dem Aufgeben dieser höchst kuriosen Anzeige beginnt das neue Lustspiel, das der Theaterverein Wemmetsweiler am Sonntag, 3. Dezember,. auf die Rathausbühne bringt. Und höchst ungewöhnlich geht es auf der Bühne weiter, verspricht eine Pressemitteilung. Zwei Freunde, junge, erfolglose Schauspieler, wollen ein Theaterstück schreiben, das aber kein Stück im üblichen Sinne werden soll. Sie wollen, wie sie immer wieder betonen, eben kein Stück schreiben, sie haben auch keine Idee, sie wollen keine Handlung erfinden, sie verzichten auf ein Bühnenbild und all die üblichen theatralischen Mittel.

Dieser Prozess läuft vor den Augen der Zuschauer ab, die ständig zwischen der realen und der fiktiven Welt des Theaters hin-und hergerissen werden.

In diesem Anti-Theater, das schon Elemente des absurden Theaters aufweist, ergeben sich wie zufällig eine Vielzahl grotesk-komischer Szenen: Nach der irrsinnigen Annonce erhält der junge H.K. Blödsinn (Emil Mura) sogar weit mehr Geld, als in der Annonce gewünscht, am Schluss addiert er die Ereignisse „…dazu eine Heirat, die keine wurde, eine Verlobung, die auseinanderging, ein Intendant, der mich engagierte und das Engagement wieder zurücknahm, ein Bettler, der nicht betteln, und ein Komiker, der nicht lachen kann…wie ich daraus kein Stück machen soll, das ist mir schleierhaft.“

Curt Goetz, der Meister der deutschen Boulevardkomödie, hat dieses Stück bereits 1911 in seinen Anfängen als junger Schauspieler verfasst. Als einer der ersten stellt er darin das traditionelle Theater in Frage und spielt gleichzeitig auf vielfältige und amüsante Weise mit den Mitteln dieses Theaters. Spielleiter Gerd Kessler, der seit Jahren immer wieder Goetz-Stücke auf die Amateurbühne gebracht hat, sieht in diesem Un-Stück die Möglichkeit, die Grenzen des gängigen Theaters zu überschreiten und auch seine Mitspieler dazu zu animieren, ihren Ideen und ihrer Spiellaune freien Lauf zu lassen.