Inklusiver Mensabetrieb an der ERS Merchweiler

Inklusion : Inklusion fängt beim Schulessen an

Ängste waren unbegründet: Neues Modell mit WZB-Beschäftigten funktioniert reibungslos.

Sie klang reichlich unspektakulär, diese Einladung der Max von der Grün-Schule zur „Eröffnung des Mensa- und Kioskbetriebs“. Trotzdem fanden sich Freitagmittag neben dem Landrat gleich vier Vertreter des Ministeriums, Lokalpolitiker und etliche andere Gäste in die Erweiterte Realschule in der Allenfeldstraße ein. Es sei schon ungewöhnlich, beides, also Mensa und Kiosk, zu betreiben, stellte Schulleiter Frank Prianon in seiner Begrüßung fest. Noch ungewöhnlicher ist es allerdings, dies als Inklusionsprojekt an einer Schule zu verwirklichen. „Damit sind wir Vorreiter im Saarland.“

Beschult werden hier, an der Pilotschule Inklusion, schon seit 2014 Mädchen und Jungen mit Behinderung. Aktuell sind es rund 40. Dass schulische Inklusion aber noch viel mehr vermag, beweist man ab diesem Schuljahr. Seit August betreibt das Schulteam gemeinsam mit dem Werkstattzentrum für behinderte Menschen der Lebenshilfe (WZB) nun auch den Mensa- und Kioskbetrieb. Sechs Mitarbeiter des WZB sind vor Ort involviert, davon vier bei der Ausgabe der Speisen, die weiterhin in den Küchen der WZB in Spiesen-Elversberg zubereitet werden. „Unsere Schüler erleben hautnah, dass es normal ist, mit Menschen mit Behinderung den Tag zusammen zu bestreiten“, betonte Prianon. „Sowohl morgens schon beim Ankommen als auch beim Mittagessen werden sie von WZB-Mitarbeitern versorgt.“ Befürchtungen, dass es Akzeptanzprobleme bei den „Hallodris“ unter den Schülern geben könne, erwiesen sich als gegenstandslos. „Nichts davon ist der Fall.“ Keine „unschönen Vorfälle“, keine Pöbeleien, resümierte der Schulleiter ein gutes Stück erleichtert. „Bei uns kommt niemand unter die Räder.“

An der Umsetzung des ambitionierten Projektes waren viele Stellen beteiligt, schulintern genauso wie beim Landkreis. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, findet Prianon. Zur Wahl stehen vier Mittagessen-Angebote. Verbindlich bestellen kann man von Zuhause per online-Wahlsystem. Bezahlt wird bargeldlos, was ein aufladbarer Chip ermöglicht – auch am Kiosk. Der hält von 7.45 bis 12 Uhr ein vielfältiges Snack-Angebot bereit. Neu ist zudem das Salatbüffet, das man auch am Standort Wemmetsweiler vorhalte.

„Eine durch und durch richtig gute Sache“, lobte Landrat Sören Meng das Projekt. Es sei wichtig, „neue Wege“ zu gehen in Sachen Schulverpflegung, die die Kreisverwaltung in Zukunft ohnehin stärker in den Fokus rücken will. „Jetzt müssten wir nur noch hinbekommen, dass sie umsonst angeboten wird“ – „es ist so viel Geld im System“, das sollten uns unsere Kinder wert sein“. Es gehe nicht an, dass sich Eltern überlegen müssten: Können wir uns heute das Essen für die Kinder leisten oder nicht. Als „sehr reizvoll“ würdigte Landrat Meng abschließend die Idee des Schulleiters, den Kiosk für die Gemeindebevölkerung zu öffnen. „Das wäre eine super Sache.“

Nach einem weiteren musikalischen Glanzpunkt der von Matthias Kiefer geleiteten Schulband, dem „Team Spirit“, gratulierte schlussendlich  WZB-Geschäftsführer Thomas Latz. Er hofft auf Nachahmer der Idee, die ja zuerst im ZIP-Bistro in Neunkirchen in Nähe des Rathauses realisiert worden war. Die Arbeit in der Schul-Mensa und im Kioskbetrieb gehöre zu einer 24-monatigen Berufsfindungsphase, die die behinderten Menschen durchlaufen.

Was das Essen in der Schule anbelangt, bereite man für die Schüler kindgerechte Mahlzeiten in hoher Qualität zu. Trotzdem kommt es immer wieder zu Kritik, so Latz. Aber „Pizza, Pommes, Pasta“ sind eben nur bedingt geeignet, Kinder abwechslungsreich und gesund zu ernähren. Angenommen wird das Angebot trotzdem hervorragend: So gehen laut Frank Prianon täglich 185 Essen über die Theke – bei 200 Schülern.

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