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Kommunen im Landkreis Neunkirchen zur Zulassung von E-Rollern

SZ-Umfrage im Landkreis Neunkirchen : Jetzt sollen die kleinen Flitzer durchstarten

Chance und Herausforderung. Dazu noch viel Ungewisses. Das ist das Ergebnis einer Umfrage in unseren Kreiskommunen zur Zulassung von E-Scootern im öffentlichen Verkehrsraum.

Amtlich wird es erst, wenn die Verordnung zu „Elektrokleinstfahrzeugen“ (eKFV) im Bundesgesetzblatt erscheint. Aber das ist zeitnah. Die Bundesregierung hatte im April den Weg für kleine Tretroller mit Elektromotor (E-Scooter) im öffentlichen Verkehrsraum freigemacht. Der Bundesrat setzte Mitte Mai noch Änderungen durch (die SZ berichtete). Jetzt muss nochmal das Kabinett zustimmen. Dann können die E-Flitzer im Sommer starten (siehe „Info“). Wir haben in den Rathäusern unserer Kreiskommunen nachgefragt, wie sie den Nutzern und die Wirkung einer Zulassung von Mini-Elektrofahrzeugen bewerten und welchen Handlungsbedarf sie sehen.

Neunkirchen: „Mobilität muss vor dem Hintergrund Klimaschutz grundsätzlich neu gedacht werden“, heißt es in der Stellungnahme von Oberbürgermeister Jürgen Fried. Dazu zähle auch die Option E-Scooter, die insbesondere als eine Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu sehen sei. Inwieweit diese Entwicklung in Neunkirchen voranschreite, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht abgeschätzt werden. „Die E-Scooter sollen künftig Radwege und Straßen nutzen. Dies wird die Stadtverwaltung im Rahmen des beabsichtigten Radverkehrskonzepts, das noch in diesem Jahr angegangen werden soll, berücksichtigen.“ Konzeptionell werde „ein Maßnahmenkatalog“ ausgearbeitet, der die Stadt auf die Anforderungen vorbereite.

Eppelborn: „Grundsätzlich ist die Straßenzulassung von Elektrorollern sehr zu begrüßen“, findet Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset. Dies könne zu einer Verringerung des Pkw-Aufkommens führen, da erfahrungsgemäß derzeit innerorts noch viele kurze Wege unnötigerweise mit dem Pkw zurückgelegt würden. Auch Elektroroller könnten eine sinnvolle und umweltschonende Alternative darstellen – weniger Abgase, weniger Verkehrslärm. Sie sehe aber auch ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für Rollerfahrer, die sich mit ihrem Gefährt auf der Straße fortbewegten: „Die teilweise sehr stark belasteten Hauptverkehrsstraßen in der Gemeinde Eppelborn sind zu schmal, um separate Fahrstreifen für Fahrrad- und Rollerfahrer auszuweisen, so dass diese im normalen Verkehrsgeschehen ‚mitschwimmen’ müssen.“

Illingen: „Ich weiß einfach nicht, welche Auswirkungen E-Roller in Illingen haben werden. Vor allem weiß ich nicht, ob sie hier genutzt werden. Auf den Gehwegen ist es jetzt schon eng“, stellt Bürgermeister Armin König fest. Wenn E-Roller auf Straßen fahren dürfen, müsse die Unfallgefahr gebannt sein: „Illingen hat einige sehr stark befahrene Straßen, auch in der Hauptstraße ist oft viel Verkehr. Außerdem haben wir dort Naturstein-Bänder im Asphalt – manchmal mit hervorstehenden Steinen. Da wird uns die Verkehrssicherungspflicht noch mehr als bisher beschäftigen.“ Wenn aber durch E-Tretroller weniger Leute Autos nutzten, um mal kurz ins Dorf zu fahren, sei das positiv: weniger Abgase, weniger Autoverkehr, weniger belegter Parkraum. „An neuen Fahrradwegen werden wir nicht vorbeikommen. Das ist auch eine große Chance.“

Merchweiler: „Zwar sind mehr Möglichkeiten der Elektromobilität gerade für Innerortslagen grundsätzlich begrüßenswert, doch stellen sich auch Fragen“, merkt Bürgermeister Patrick Weydmann an. Bei Gehwegbreiten von überwiegend 1,5 Metern in der Gemeinde Merchweiler sei es undenkbar, hier Elektrofahrzeuge zuzulassen. „Da die Gemeinde Merchweiler allerdings bis auf die qualifizierten Straßen (Landstraßen durch den Ort, die Red.) konsequent auf Tempo 30 und verkehrsberuhigte Zonen setzt, ist der Einsatz von E-Bikes, Pedelecs, Elektrorollern, E-Scootern oder auch Segways für solche Straßen durchaus vorstellbar und sogar wünschenswert, soweit die Aspekte der Verkehrssicherheit berücksichtigt sind.“ Hier könnten solche Fahrzeuge einen wichtigen Beitrag zum Umbau der individuellen Mobilität leisten und zur Vermeidung von Geräusch- und Schadstoffemissionen in den Orten beitragen.

Ottweiler: „Die Stadtverwaltung sieht die Elektromobilität als zunehmenden Trend im öffentlichen Bereich“, wertet Bürgermeister Holger Schäfer. Und schon vor einiger Zeit habe die Stadt mit anderen dafür gesorgt, dass E-Zapfsäulen für Pkw am Ottweiler Bahnhof geschaffen werden. Ladestationen für Pedelecs sollen in der Stadt an verschiedenen Orten eingerichtet werden. E-Scooter könnten dann sinnvoll sein, wenn sie im Kurzbereich Fahrten mit dem Auto vermeiden. So richtig umweltfreundlich werde der Einsatz dann, wenn die Akkus mit erneuerbaren Strom geladen würden. „Eine Nutzung in der Innenstadt/Altstadt im verkehrsberuhigten Bereich ist in Ordnung. Eine Nutzung auf stark befahrenen Straßen wie die B 41 könnte problematisch sein.“ Weniger relevant sei die Anbindung der Stadtteile an die Kernstadt, „weil die Entfernungen zu groß sind“.

Schiffweiler: „Elektroroller sind praktisch, umweltfreundlich und schnell“, sagt Bürgermeister Markus Fuchs. Sie stellten eine Ergänzung dar zu den derzeitigen Verkehrsmitteln, egal ob E-Bike, Fahrrad oder Auto. Genutzt würden die Elektroflitzer bisher fast ausschließlich in größeren Städten im Ausland: „Wie sich die Nutzung in einer Gemeinde wie Schiffweiler entwickelt, ist daher noch nicht genau abzusehen. Hier könnte ich mir vorstellen, dass Pendler und Schüler E-Scooter für die Fahrt zum Bahnhof in Schiffweiler oder Landsweiler-Reden nutzen. Elektroroller könnten in unserer Gemeinde auch für Touristen interessant sein. Wieso nicht den Erlebnisort Reden mit einem E-Scooter erkunden?“ Handlungsbedarf sehe er für Kommunen, als dass sie sich an die Entwicklung von Elektromobilität anpassen und die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen müssten. „Je nach Nutzung muss man hier über breitere Radwege und Ladestationen nachdenken.“

Spiesen-Elversberg: „Ich bin etwas zwiegespalten“, gibt Bürgermeister Reiner Pirrung zu. „Auf der einen Seite finde ich E-Mobilität insgesamt gut, alleine schon wegen des Weniger an Lärm. Auf der anderen Seite sehe ich die Gefahren, die mit den Elektrorollern auf uns als Gemeinde zukommen. Eine gefahrlose Benutzung – für alle Beteiligten – erscheint mir momentan noch nicht gegeben. Radwege sind nicht flächendeckend vorhanden, Trottoirs sollen außen vor bleiben und auf der Straße wäre der E-Scooter wohl der allerschwächste Verkehrsteilnehmer.“ Gerade in Spiesen-Elversberg mit der dichtesten Besiedlung des Saarlandes und der „Hügellandschaft“ böten sich E-Bikes und E-Scooter an, um innerörtlichen Verkehr umweltfreundlich zu absolvieren. „Und vielleicht schaffen wir es ja – und darin sehe ich eine Zukunftsaufgabe meiner Gemeinde – die Verkehrsteilnehmer insgesamt für diese Fahrzeugart zu sensibilisieren.“