Internationale Kochgruppe Neunkirchen feierte ihr Zehnjähriges im Robinsondorf

Jubiläum gefeiert : Liebe zum Kochen und zu den Menschen

Die internationale Kochgruppe feierte ihr Zehnjähriges im Robinsondorf in Furpach. Kochbuch zum Geburtstag.

„Kochen ist Liebe.“ Punkt. Liebe wiederum „ geht durch den Magen“. Und, drittens: „Meistens bekochen Frauen ihre Lieben.“ Deshalb, vermutete Bürgerinitiativen-Vorsitzende Eva Scheider in ihrem Grußwort, muss es „eine wirkliche Passion“ für die Damen der Internationalen Kochgruppe sein, gemeinsam mit- und füreinander zu kochen.

Zehn Jahre währt diese Passion nun schon. Um das erste runde Jubiläum gebührend zu begehen, hatte man zur Grillparty ins Robinsondorf geladen. Leider reichte es wettertechnisch nicht ganz zum „lauen Sommerabendfest“, wie Mitinitiatorin Uli Heckmann bedauerte. Wobei es die Musikgruppe Femmes Mystiques in ihren orientalisch angehauchten Gewändern spielend vermochte, die rund 100 Gäste auch indoor zu begeistern. Besonders in Erinnerung bleiben wird ihr von Trommelklängen begleiteter Vogeltanz, ein Augen- und Ohrenschmaus. Richtig geschlemmt wurde an diesem Abend natürlich auch – bei internationalen Salatspezialitäten und Fleisch vom Grill. Doch vorher galt es, Glückwünsche entgegen zu nehmen. Einer der ersten Gratulanten war Bürgermeister Jörg Aumann: „Wie arm wäre unsere Speisekarte ohne Einflüsse internationaler Art“, merkte er an. Bei der Frauen-Koch-Gruppe sind es unter anderem kurdische, vietnamesische, türkische und afrikanische. Im gemeinsamen Kochen und Genießen sieht Aumann zudem ein „hervorragendes Mittel der Integration“. Angefangen hat alles beim Viertelfest, informierte Frauenbeauftragte Annette Pirrong. Dort boten Frauen der Moscheegemeinde am Stand der Bürgerinitiative Stadtmitte (BiNS) „köstliche Kleinigkeiten aus der türkischen Küche“ an. Zwangsläufig kam man ins Gespräch, viele Festbesucherinnen zeigten sich an den Rezepten brennend interessiert und Voilà – ein Kochkurs war geboren.

Das „Wo“ klärte sich schnell: Schließlich stand im KOMM das notwendige Equipment zur Verfügung. Zusammen mit Döndü Altay und Katrin Glößner organisierte Uli Heckmann den ersten Kochkurs, der vom Start weg 30 Mitstreiterinnen fand. „Unverwechselbares Kennzeichen der Kochgruppe sind bis heute die Kochschürzen mit den Pfingstrosen“, so Annette Pirrong. Nach und nach fand die „Familienküche aus der ganzen Welt“ Einzug in der Gemeinschaftsküche – „und nebenbei auch die kulturellen Verschiedenheiten, religiösen Eigenheiten“ und die teilweise recht strengen Vorschriften zur Speisenzubereitung. Ein Höhepunkt in den zehn Jahren dürften die Filmaufnahmen mit Eberhard Schilling für den Saarländischen Rundfunk gewesen sein. „Das Kamerateam stand überall im Weg“, erinnert sich die Frauenbeauftragte lächelnd.

Viele Jahre blieb man dem KOMM in der Kleiststraße treu, war aber auch glücklich, als man in die Räumlichkeiten der Katholischen Familienbildungsstätte (FBS) wechseln konnte. Dort mussten nicht immer mühsam Tische und Stühle hin- und hergeräumt werden. Immer wieder beteiligte man sich an Festen und Veranstaltungen. Anlässlich der Filmvorführung „Deutsch aus Liebe“ stellten 40 Frauen ihre Hochzeitskleider aus aller Welt zur Verfügung, womit das Kommunikationszentrum geschmückt wurde. 2015 wurde die Arbeit der Kochgruppe vom Sozialministerium mit dem Fortbildungspreis in Höhe von 1500 Euro geehrt. Tagesfahrten nach Paris, Bonn oder Köln standen jeweils für alle Frauen des Viertels offen. Ebenfalls Tradition hat die jährliche Schulung, bei der Ernährungsberaterin Heike Dillinger Tipps zum gesunden Kochen gibt. Wem all das Lust macht, mal reinzuschnuppern, ist „herzlich eingeladen, jeden zweiten Dienstag im Monat in die FBS zu kommen“. Oder aber wenigstens ein paar der Gerichte nach zu kochen. Denn wie es sich gehört, wurden die besten Rezepte zu einem Geburtstags-Kochbuch zusammengetragen. In diesem spiegeln sich die Nationalitäten und Kulturen der Frauen wider. Diese Vielfalt, in Kombination mit ihrer Liebe zum Kochen, macht für Eva Schneider jene „spannende Mischung aus, die vielleicht auch das Gewürz und den Teig bilden, der euch, liebe Köchinnen, schon so lange zusammenhält“ – genug Potenzial für mindestens zehn weitere leckere Jahre.

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