Insektenprojekt Bürgerinitiative Neunkirchen

Neues Zuhause : Bezugsfertiges Zuhause für Wildbienen

Neunkircher Bürgerschaft feierte Insektenprojekt und -hotels. Bald soll eine Bank zum Verweilen einladen.

„Es muss sich erst noch rumsprechen“, meinte Kräuterexpertin Elisabeth Schmitt, den aktuellen Bezugsstand des Insektenhotels begutachtend. Immerhin: Ein paar Löcher in den Holzscheiten sind, nach vollzogener Eiablage, schon kunstvoll verdeckelt. Zur Einweihung des großen hölzernen Brutkastens und des gesamten Projektes hatte die Bürgerinitiative Stadtmitte geladen.

Ob es am gewachsenen Problembewusstsein bezüglich des Insektensterbens oder dem angekündigten Bienenstich lag: Jedenfalls fand sich eine ansehnliche Gruppe gegenüber dem Verkehrskreisel Eisweiher zum Feiern ein. Mitinitiator Helmut Lembach stellte zunächst das Insektenprojekt vor. Dieses startete 2019 im Rahmen der „Neunkircher Wohlfühloasen“, einem Garten/Balkonwettbewerb im zweijährigen Turnus. In den Zwischenjahren begrünen die Ehrenamtlichen der Bürgerinitiative und des Vereins Aktive Bürger Beete und Blumenkästen, stellen Sitzbänke auf und tun auch sonst so einiges, um mit gutem Beispiel für ein ansehnlicheres, „lebens- und liebenswertes Neunkirchen“ voranzugehen, so Lembach. Treu unterstützt werden sie dabei schon seit zehn Jahren von der Sparkasse Neunkirchen. Auch diesmal gab es 2500 Euro Zuschuss, den Geschäftsstellenleiter Christian Mildenberger in Form eines symbolischen Schecks mitbrachte.

Zwei Wildblumenwiesen hatten die Ehrenamtler mit Unterstützung des Stadteilmanagements angelegt und mit großen, von der Neuen Arbeit Saar gebauten Insektenhotels bestückt (wir berichteten). Ein weiteres Insektenhotel wird demnächst im Grünen Klassenzimmer der Bachschule aufgestellt. Kinder und Bienen? Was bei etlichen Zeitgenossen die Alarmglocken läuten lässt – vielen war auch hier im Wagwiesental die Nähe zum Spielplatz suspekt – ist völlig harmlos. Nisten doch nur Wildarten in den „Hotels“. Diese stechen, wenn überhaupt, dann nur in höchster Not und vor allem ohne nennenswerten Erfolg: Ihre Stachel sind zu weich und dringen nicht durch die menschliche Haut, weiß Lembach.

Verköstigt werden Wildbienen, Schmetterlinge & Co. nebenan auf der immer noch bunten Wildblumenwiese: ein Mekka für Insekten mit mehr als zwei Dutzend Arten, darunter Mohn-, Ringel- und Kornblumen, Jungfer im Grünen, Kosmeen, Pippau und etliche Kräuter wie Dill, Borretsch, Spitzwegerich, Johanniskraut oder Kamille, bestimmt von Anna Katharina Raman. „In den letzten Jahren sind 80 Prozent der Insekten verschwunden“, und mit ihnen viele Vogelarten, mahnte die Biologin. Wer erinnert sich nicht an die verpönten Kohlweißlinge und die Scharen lärmende Spatzen seiner Kindheit? Ihr Verschwinden ist symptomatisch für einen erschreckenden Artenrückgang.

Dem Bürgermeister Jörg Aumann und seine Frau Doris im eigenen Garten mit dem Anpflanzen heimischer Gewächse entgegensteuern. Aumann sprach sich vehement gegen gekieste „Gärten des Grauens“ aus und wünscht sich mehr Initiativen wie diese hier.

Wie es weiter geht? Im Herbst muss laut Helmut Lembach noch mal nachgesät werden. Für eine Gestaltung der Rückseiten der beiden großen „Hotels“ (das zweite steht an der Ecke Ring-/Parallelstraße), konnte man die Kunst AG der Ganztagsgemeinschaftsschule gewinnen. Und zum Verweilen lädt hier bald eine Bank ein, die mit dem AQA Beschäftigungsprojekt des Landkreises realisiert wird.

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