Lange Nacht der Industrie in Betrieben im Büschfeld und Lockweiler

Hinter den Kulissen der Industrie im Kreis Merzig-Wadern : Betriebe gewähren Einblicke in die Produktion

Anlässlich der Langen Nacht der Industrie haben auch Thyssenkrupp und Saargummi ihre Pforten für Besucher geöffnet.

Die Lange Nacht der Industrie, zum achten Mal gemeinsam ausgerichtet von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland und dem Verband der Metall- und Elektroindustrie, ist ein bundesweit einzigartiges, preisgekröntes Veranstaltungskonzept. Dabei gewähren Unternehmen potenziellen Mitarbeitern, Schülern, Studierenden und anderen Besuchern einen Blick hinter die Werkstore. Ziel ist es, die Industriebetriebe und die Menschen in einer Region in Kontakt zu bringen sowie die Bedeutung der Industrie als Innovations- und Jobmotor des Saarlandes in den Fokus zu rücken.

Bei Führungen durch einzelne Betriebe erhielten die Besucher Einblicke in die Arbeitsprozesse, stellten Fragen und machten sich ein persönliches Bild von möglichen zukünftigen Arbeitgebern oder Ausbildungsbetrieben. Auch im Grünen Kreis beteiligten sich mehrere Betriebe an der Langen Nacht der Industrie.

Neben Nedschroef in Beckingen (die SZ berichtete) öffneten auch die Hochwaldbetriebe Thyssenkrupp System Engineering und Saargummi Büschfeld ihre Tore. „Als einer der größten Arbeitgeber der Region ist es uns ein Anliegen, interessierten Besuchern im Rahmen der Langen Nacht der Industrie zu zeigen, was wir tun. Unsere Kernkompetenzen am Standort Lockweiler liegen in den Geschäftsfeldern Werkzeugbau, Rohbau und Prototypenbau“, erklärte Betriebsratsmitglied Heinz-Josef Lauer von Thyssenkrupp System Engineering den rund 80 Besuchern. „Für unsere Kunden in der Automobilindustrie sind wir ein Systempartner für alle wesentlichen Komponenten der Prozessketten Karosserie und Antriebsstrang. Unser Leistungsspektrum beinhaltet außerdem Automatisierungslösungen für elektrische Speicher- und Antriebssysteme sowie Lösungen für innovative Leichtbaukonzepte“, erläuterte Lauer weiter. „Unsere Mitarbeiter zeichnen sich durch Kreativität, Leistungsbereitschaft und Teamgeist aus.“

Im Rahmen der Ausbildung betreut Thyssenkrupp am Standort Lockweiler 56 Auszubildende, schwerpunktmäßig in den Berufen Industrie- und Werkzeugmechaniker, sowie 25 duale Studenten der Bachelor-Studiengänge Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und Elektrotechnik. Dieses Jahr lernten die Besucher das „Innovation Center“ am Standort kennen, wo neue Technologien erforscht und erprobt werden. Die Ausbildungswerkstatt sowie die Bereiche Anlagen- und Werkzeugbau waren ebenfalls Bestandteil der Führungen. Hier wurde gezeigt, wie Presswerkzeuge arbeiten und eine Anlage zur Fertigung einer Rohkarosse entwickelt wird. Begleitet wurden die Führungen durch die Ausbilder Wilhelm Fischer und Gerhard Thomas sowie von den jeweiligen Fachbereichen.

Lukas Schwarz (15), der in zwei Jahren die Gemeinschaftsschule in Lebach mit Mittlerer Reife abschließen möchte, war mit Mutter Melanie vor Ort und informierte sich über die Ausbildungsberufe im Automobilbereich. „Eine Lehre als Kfz-Mechatroniker wäre schon reizvoll“, weiß er, wo seine Reise nach der Schule hingehen könnte. Von Technik keine Ahnung hat Lehrerin Alexandra Müller aus Herrstein bei Idar-Oberstein, wie sie selbst sagt. Dennoch interessiere sie sich für den Blick hinter die Kulissen, um einfach mal die Arbeitsvorgänge solcher Betriebe näher kennenzulernen, ergänzt sie – denn wann habe man schon mal diese Gelegenheit.

Bereits zum siebten Mal durften die Besucher der Langen Nacht der Industrie einen Blick hinter die Kulissen des international agierenden Dichtungsherstellers Saargummi in Büschfeld werfen. Neben der Besichtigung der Produktion für Dachbahnen und der neuen Rollerhead-Anlage erhielten die insgesamt rund 80 Besucher auch die Gelegenheit, mehr über die Herstellung von Dichtungen für das aktuelle Jeep-Modell zu erfahren. Dass das Entstehen von Dichtsystemen für die Automobilindustrie im Grunde dem Prozess vom Plätzchenbacken gleicht, lernte das interessierte Publikum ebenfalls. Der Bereich „Industrial Engineering“ vermittelte hingegen anschaulich, wie eine Dichtung anhand modernster CAD-Daten überhaupt erst entwickelt wird.

Auch die Geschäftsführung am Standort Büschfeld, vertreten durch Dr. Roland Dittmann, ließ es sich nicht nehmen, bei der Langen Nacht der Industrie vor Ort zu sein und die Gäste persönlich zu begrüßen. Dittmann vermittelte einen Überblick über die Struktur der Saargummi Group, stellte das Produktportfolio vor und erzählte vor allem Interessantes zum Gründungsort der Saargummi im nördlichen Saarland. Das Unternehmen, gegründet 1947, zählt hier zu den größten Arbeitgebern der Region und ist führend, wenn es um die Entwicklung von Innovationen geht. Ausgestattet mit einem analytischen und physikalischen Labor, einer eigenen Mischerei sowie einem TechCenter entstehen hier nachhaltige und maßgeschneiderte Lösungen aus Kautschuk. Am Standort sind neben der Produktion auch der international tätige Vertrieb sowie zentrale Verwaltungsfunktionen wie der Ausbildungsbereich angesiedelt.

Das Unternehmen legt nach eigenem Bekunden ein besonderes Augenmerk auf die fundierte Ausbildung von jungen Menschen. Und das seit nunmehr bereits 50 Jahren. Die Tatsache, dass in den letzten Jahren insgesamt 21 Auszubildende von Saargummi von der IHK Saarland als Landesbeste ausgezeichnet wurden und die Firma damit gleichzeitig eine Würdigung als „bester Ausbildungsbetrieb“ erhielt, spricht für den Erfolg dieses Bereiches.

Impressionen von der Langen Nacht der Industrie bei Saargummi in Büschfeld Foto: Dirk Guldner/Industrie- und Handelskammer Saar. Foto: Industrie- und Handelskammer Saar/Dirk Guldner

Auch die Lange Nacht der Industrie wird in jedem Jahr von einem begeisterten Ausbildungsteam organisiert. An diesem Abend unterstützten die Auszubildenden unter anderem tatkräftig als „Scouts“ und begleiteten die Besuchergruppen zu den einzelnen Stationen. Diese zeigten sich sehr interessiert und lobten die gute Organisation der Veranstaltung bei Saargummi. Christian Schaum, 32 Jahre, Student der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) im Wirtschaftsingenieurwesen und Mitarbeiter einer Firma im südlichen Saarland wollte seinen Angaben zu Folge, seinen Horizont in diesem Metier erweitern. „Von daher habe ich nach einem Besuch der Fordwerke auch die beiden Hochwaldfirmen inspiziert“, teilte er mit. Anne Fries (28) ist technisch weniger interessiert, wollte aber Kontakte knüpfen. „Ich habe meine Bewerbung für eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich in der Tasche und werde diese heute noch abgeben“, sagte die derzeitige Umschülerin.

Mehr von Saarbrücker Zeitung