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Die Literaturtage Erlesen unter Pandemie-Bedingungen in Wadern

Erlesen in Wadern : Autoren und Publikum zufrieden mit Lesungen

Spricht man Beatrice Schmitt von der Bücherhütte Wadern auf „Erlesen – Literaturtage im Saarland“ an, strahlt sie und schaut gleichzeitig völlig erschöpft. „Es war großartig und eine echte Punktlandung“, sagt sie und fügt nach kurzem Überlegen hinzu „und hat auch so viele Nerven gekostet, ich merke es immer noch, selbst zwei Wochen danach bin ich noch völlig damit beschäftigt und etwas ausgepowert“.

Zusammen mit acht weiteren „Buchmenschen“ arbeitete sie im Orgateam des saarländischen Literaturfestivals.

Im vergangenen Jahr zerschoss Corona in letzter Minute das komplette Festival mit über 40 geplanten Veranstaltungen. 2019, im Jahr davor, hatte sich „Erlesen“ gemausert, war mit etlichen ausverkauften Veranstaltungen durchgestartet. Der Vorverkauf für 2020 sei bestens angelaufen, gefolgt von der schweren Entscheidung, die Veranstaltung abzusagen. „Das war zu einem Zeitpunkt, als noch keinem klar war, was diese Pandemie mit sich bringen und was sie sonst noch alles scheitern lassen würde, extrem schwer.“

Zwei Monate habe man sich wieder aufgerafft und sich einmal persönlich draußen und viele Male virtuell getroffen, um die Weichen für 2021 zu stellen. Dem Optimismus sei die Verlegung der Literaturtage vom Frühjahr in den Juni gefolgt, um sicherer planen zu können. Dann habe man auf dreistufig gewechselt: Live-Veranstaltungen mit Publikum seien eine Möglichkeit. Falls Einschränkungen zu beachten seien, würden sogenannte hybride Veranstaltungen, also live mit Publikum, gleichzeitigem Filmen sowie Online-Ausstrahlung übers Internet, angeboten – „und im schlimmsten Falle sogar nur Streaming“.

Bei möglichen Reiseverboten habe man überlegt, das Ganze ins Wohnzimmer der Autoren zu verlegen – ein kompliziertes und teures Unternehmen. Der Förderantrag für den Neustart Kultur sei genehmigt worden, was zumindest die finanzielle Planungssicherheit garantiert habe – Ausfallhonorare zur Absicherung der gebuchten Autoren eingeschlossen. „Trotzdem gab es Ende Mai, Anfang Juni noch ein paar schlaflose Nächte, bis zuletzt war es bei einigen Lesungen nicht sicher, ob und wie viel Publikum man in die Veranstaltungsräume lassen durfte“, erzählt sie. Manches blieb nach Schmitts Worten eine reine Streaming-Geschichte, wie Ewald Arenz, der nach Saarbrücken kam, und Horst Eckert, der nach Lebach eingeladen war. „Bei uns im Kreis Merzig-Wadern durfte Esther Kuhn im Refugium St. Gangolf für Kinder lesen, das war toll für die Kolleginnen der Buchhandlung Roten Zora und das Refugium als Veranstalter.“ Auch die Veranstaltungen im Waderner Kino seien perfekt gewesen: „Wir empfingen an drei Abenden Iris Wolff, Isabel Bogdan und Frank P. Meyer, zur riesigen Freude unseres Publikums und der Protagonistinnen.“

Bogdan sei mit ihrem Roman „Laufen“ für 2020 vorgesehen gesehen, „da fanden wir es richtig, sie auch 2021 einzuladen“. Sie habe sich riesig gefreut und erneut zugesagt. Iris Wolff nennt die Buchhändlerin aus Wadern „ihre Herbst-Entdeckung“. Bei der Lektüre der fünf Shortlist-Titel für das Lieblingsbuch unabhängiger Buchhandlungen sei sie fasziniert von Sprache und Inhalt ihres neuen Romans „Die Unschärfe der Welt“ gewesen, sodass sie sie zu dem Literaturfestival eingeladen habe. Für Frank P. Meyer habe man eine gute Location gefunden, die der Conte-Verlag verzweifelt gesucht habe.

 Autor Frank P. Meyer trat im Waderner Kino auf.
Autor Frank P. Meyer trat im Waderner Kino auf. Foto: Deborah Rosar

Als Resonanz aus dem Publikum nennt sie „tolle Rückmeldungen, großes Interesse, auch der Medien“. Die Live-Streams seien gut angenommen worden. Alle Veranstaltungen im Kreis seien in kurzer Zeit ausverkauft, gewesen – unter Pandemie-Bedingungen, mit Abstand und mit tagesaktuellen Tests. In Wadern habe Iris Wolff, in diesem Jahr schon mit fünf Literatur-Preisen bedacht, ihren ersten Auftritt seit Herbst hinter sich gebracht. Isabel Bogdan sprach auf der Kino-Bühne davon, über ein Jahr nicht vor echtem Publikum gelesen zu haben. Auch Frank P. Meyer habe es toll gefunden, endlich wieder in Gesichter statt in einen Bildschirm mit Kamera zu schauen.