1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Mettlach

Tierschützer kritisieren Angel-AG

Tierschützer kritisieren Angel-AG

Seit zehn Jahren besteht an der Gemeinschaftsschule Mettlach-Orscholz die Möglichkeit, im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft den Angelschein zu erwerben. Die Tierschützer von PETA fordern den Stopp der AG.

Naturschutz, Gewässerkunde, der Gebrauch von Angelausrüstungen und vieles mehr: Seit über zehn Jahren drücken Schüler an der Gesamt- und Gemeinschaftsschule Mettlach-Orscholz die Schulbank, um in einer Arbeitsgemeinschaft den Angelschein zu erwerben. Gegen diese AG läuft die Tierrechtsorganisation PETA jetzt Sturm. "Das Töten von empfindungsfähigen Tieren darf kein Lernangebot sein", sagt Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. "Die Schule hat einen Lehrauftrag und sollte Kinder und Jugendliche für andere Lebewesen sensibilisieren - im Angelunterricht hingegen wird den Schülern ihr natürliches Mitgefühl abtrainiert."

Für PETA ist es ein Unding, friedliche Tiere mit einem Köder anzulocken und ihnen einen Haken durch den Mund bohren. Fische sind laut der Tierrechtsorganisation neugierige und freundliche Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten und einem komplexen Sozialleben. Die Tiere kommunizierten auf vielfältige Weise und würden Freundschaften schließen. Zudem beweisen laut PETA internationale Studien, dass Fische Schmerzen spüren. So komme auch das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Ergebnis, dass "Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten".

Auf die Ermahnung von PETA, dass Töten von Lebewesen kein Lernangebot sein darf, hat Georg Dillschneider, Schulleiter der Gesamt- und Gemeinschaftsschule, nach seinen Worten noch nicht geantwortet. "Nicht das Quälen oder Töten von Tieren steht in der Arbeitsgemeinschaft im Mittelpunkt, sondern Natur- und Umweltschutz. Die zehn bis 15 Schüler lernen neben Gewässerkunde die Zuordnung der Fische , ihre Laichgewohnheiten und Laichzeiten sowie ihre bevorzugten Aufenthaltsplätze." Auch der Respekt vor der Natur und den Tieren ist laut Dillschneider ein Thema. Natürlich lernten die Schüler auch Techniken, wie Fische schonend abgehakt werden. "In der Regel findet der Unterricht in der Schule statt", sagt der Schulleiter. "Wir haben kein Gewässer in unserer Nähe." Anders als bei der Fischerei auf der Hochsee, bei der die Tiere auf den Schiffen oft einen langsamen und grausamen Tod durch Ersticken erlitten, sei dies beim Angeln anders. Das Tier müsse nicht lange leiden, sondern werde mit einem gezielten Schlag auf den Kopf getötet. Überhaupt hält seiner Meinung nach die Forderung von PETA mit der Realität nicht stand. "Wir sind angehalten, in unserer Mensa neben einem Fleischgericht jeden Tag in der Mensa ein vegetarisches Gericht anzubieten. Einmal in der Woche muss - wegen einer ausgewogenen Ernährung - auch Fisch auf dem Speiseplan stehen. Im vergangenen Jahr war sogar zweimal Pflicht."

Die Schule nur auf die Angel-AG zu reduzieren, ist nach Ansicht von Dillschneider der falsche Ansatz. "Wir bieten jede Menge Arbeitsgemeinschaften für unsere Schüler an - vom Chorgesang bis zur Gitarren-AG, vom Werken bis hin zu verschiedenen Sportarten oder Tanz und Theater. Die Angel-AG ist eine unter vielen und mittlerweile Modellprojekt, das von anderen Schulen übernommen worden ist." Die Aktion 3. Welt Saar mit Sitz in Losheim hat die Tierrechtsorganisation PETA wegen ihres Widerstandes gegen eine Angel-Arbeitsgemeinschaft an der Gemeinschaftsschule Mettlach-Orscholz scharf kritisiert. PETA hatte gefordert, dass die Schule künftig auf die Angel-AG verzichten solle. In der AG werde den Schülern ihr natürliches Mitgefühl abtrainiert und statt dessen beigebracht, Tiere anzulocken und zu töten. Die Kritik ist für die Aktion 3. Welt Saar unhaltbar: "PETA hat nicht das moralische Recht, diese Kritik zu äußern. Wer in der Vergangenheit öfter das Töten von Tieren und das Essen von Fleisch mit dem Holocaust gleichgesetzt hat, sollte zwei Tage vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar besser den Mund halten", kommentiert Christian Hirsch vom Vorstand der Aktion 3. Welt Saar die Vorwürfe. Hirsch weiter: "PETA geht es weniger um das Tierwohl als um das Propagieren eines dogmatischen Veganismus, der die Grenze zwischen Tieren und Menschen ignoriert. Ich respektiere es, wenn sich jemand privat entscheidet, vegan zu leben." Nur solle man daraus nicht wie PETA eine gesamtgesellschaftliche Ideologie machen und allen seine Auffassung aufzuzwingen versuchen. "Viele Veganer beachten dies im Gegensatz zu PETA", sagt Hirsch.

Aus Sicht der Aktion 3. Welt Saar gibt es an der Angel-AG nichts auszusetzen: "Das Angebot an der Gemeinschaftsschule ist aus bildungspädagogischer Sicht sinnvoll, und ich wünsche mir, dass es auch an weiteren Schulen eingeführt wird. Schulen sollen in ihren Lehrplänen Offenheit und Neugier, aber keine eindimensionale Weltsicht vermitteln", erklärt Christian Hirsch abschließend.