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Gegner der Planungen an der Cloef formieren sich

Verein gegründet : Widerstand in Orscholz hat jetzt einen Namen

Der Verein „Saarschleife – Cloef – Schutz für Mensch und Natur“ setzt sich gegen Glamping, Hotel und Abenteuerspielplatz zur Wehr.

„Um die Möglichkeit zu haben, klagen zu können.“ Damit begründete am Dienstagabend der ehemalige Ortsvorsteher von Orscholz, Hermann Kiefer, die Gründung des Vereins „Saarschleife – Cloef – Schutz für Mensch und Natur“. Von Kiefer, Margit Lion und Andreas Boos initiiert, haben nun rund 20 Personen im Dietzenhaus die Grundlage geschaffen, künftig mehr Druck auf die Verantwortlichen auszuüben.

Sie lehnen drei Bauvorhaben ab, die rund um die Cloef geplant sind. Dazu gehören ein Hotel mit der luxuriöseren Campingvariante Glamping, ein kostenpflichtiger Abenteuerspielplatz und der Rückbau des alten Cloef-Parkplatzes. Hotel und Glamping sollen von der Cloefstraße aus zwischen Atrium und Rehaklinik entstehen. Dafür ist die Glamping GmbH verantwortlich, das gleiche Unternehmen, das Glamour-Camping an den Saarland-Thermen und im Biosphärenreservat Bliesgau gebaut hat. Zur Cloef hin ist der Abenteuerspielplatz in der Planung. Federführend ist die Erlebnis-Akademie (EAK) aus dem bayerischen Bad Kötzting, die in unmittelbarer Nähe den Baumwipfelpfad betreibt.

Dafür müssten etliche Hektar Wald gefällt werden. Alleine der Spielplatz soll drei Hektar umfassen, die keilförmig in einem Landschaftsschutzgebiet liegen. Das Hotel um die zweieinhalb Hektar, legten die Initiatoren bei der Gründungsveranstaltung am Dienstag dar. „Die Gemeinde hat es bis heute nicht geschafft, einen Gesamtüberblick zu zeigen“, kritisierte Kiefer vor der Vereinsgründung.

Was im Nachrichtenblatt erscheine, sei nur bruchstückhaft. Diese „Verschleierungs- und Vernebelungstaktik“ setze sich fort. Dazu gehörten seiner Meinung nach auch wichtige Informationen, die bislang nicht auf der Internetseite des Umweltministeriums veröffentlicht wurden. Schon im Laufe des Dienstags habe es Baumfällungen gegeben, berichtete Eric Jacob. „Ausgerechnet dort, wo der Spielplatz hinkommt. Das ist ja noch Landschaftsschutzgebiet.“ Er habe das beim Spaziergehen entdeckt.

„Das bisschen schönste Umwelt, das wir haben, verkommt zu einem Rummelplatz“, bedauerte auch Anna-Luise Rinneberg. Es gehe zwar auch um Parkplätze und Belastung der Anwohner, aber für sie sei „das Entscheidende, dass Unwiederbringliches verloren geht“.

Was derzeit als mögliche Parkflächen angegeben werde, sei nicht nachvollziehbar, erläuterte Margit Lion. Darin enthalten seien Flächen von Supermärkten, die nicht für Touristen verfügbar sind. „Das hat auch Haftungsgründe“, sagte Lion, „falls dort mal etwas passiert.“ Deshalb planten die Marktbetreiber bereits Schranken und Absperrbänder. Andere Parkflächen würden am Wochenende genutzt bei Fußballspielen oder die Woche über von Pendlern nach Luxemburg.

Das Verkehrschaos sei programmiert, verdeutlichten Anwesende. Auch ein Parkleitsystem werde das nicht groß ändern. Niemand wisse, was dieses Projekt für Orscholz und die Gemeinde bringe, sagte Kiefer. Aber es werde viel Geld investiert. Rund 180 000 Euro für eine neue Toilettenanlage. Den neuen Parkplatz an der Cloefstraße und die Umstrukturierung des Atrium-Parkplatzes schätzte er auf 1,6 Millionen Euro. „Aber der Gemeinde bleibt dann vielleicht nur die Pacht“, befürchtete der ehemalige Ortsvorsteher von Orscholz.

Dagegen sei die Aktie der Erlebnis Akademie von fünf auf 25 Euro gestiegen, sagte Joachim Badelt von den Freien Bürgern Mettlach (FBM). „Von diesem Geld bleibt in der Gemeinde nicht viel hängen. Wir haben es hier mit einer Gemengelage zu tun“, erklärte Badelt. Für den Bebauungsplan sei der Gemeinderat zuständig, bei den Details säßen Bürgermeister und Saarschleife-Touristik zusammen. Letztere habe im Jahr ein Defizit von 600 000 Euro. „Es passiert hier fast alles hinter den Kulissen“, sagte Badelt. Selbst der Gemeinderat habe keinen Einblick. Trotzdem wären etwa 90 Prozent des Gemeinderates für das Projekt und 100 Prozent des Orscholzer Ortsrates. Schon gegen den Bebauungsplan lägen 323 Einwendungen vor, merkte Kiefer dazu an. Ziehe man Kinder und Jugendliche ab, wären das um die zehn Prozent der Orscholzer. Jetzt gehe es der Gemeinde darum, die Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen. Dazu verteile der Verein wieder Flugblätter, um die Folgen für Orscholz darzustellen. Derzeit liege diese Planung noch im Rathaus aus, dagegen seien Einwände von Bürgerinnen und Bürgern möglich.

Einstimmig gewählt wurde der siebenköpfige Vereinsvorstand mit dem ersten Vorsitzenden Andreas Boos, Stellvertreter Christof Schuster, Schriftführerin Margit Lion, Kassenwartin Ruth Heisel sowie den Beisitzern Steffi Schmitt-Jacob, Cornelius Welter und Hermann Kiefer. Die Beiträge wurden festgelegt auf fünf Euro monatlich für Erwachsene, 7,50 Euro für Familien, Schüler und Studenten zwei Euro sowie Rentner vier Euro.

Weitere Treffen sollen am Sonntag, 25. November, zehn Uhr, und am Samstag, 1. Dezember, 14 Uhr, am Cloef-Atrium folgen. Dann soll die Situation vor Ort nochmals unter die Lupe genommen werden.