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Widerstand in Orscholz gegen Projekte an der Cloef

Orscholz : Widerstand gegen Cloef-Projekte formiert sich

In Orscholz will sich ein Verein gründen, der die Ansiedlung eines Glamping-Hotels und eines kostenpflichtigen Abenteuer-Spielplatzes zu verhindern sucht.

In Orscholz formiert sich der Widerstand gegen die Pläne, im Umfeld der Cloef ein Glamping-Resort und einen kostenpflichtigen Spielplatz zu erschließen. Wie unsere Zeitung erfuhr, soll sich ein eingetragener Verein gründen, der gegen die Projekte vorgeht. „Einen Ausverkauf an der Cloef“ nennen die Gegner das, was für den Cloefort auf der Agenda steht. Ein Naturhotel mit angeschlossenem Glamping ist dort geplant. Und die Erlebnis-Akademie aus dem bayerischen Bad Kötzting, Betreiberin des Baumwipfelpfades,  schickt sich an, den in die Jahre gekommenen Waldspielplatz in einen Abenteuerspielplatz mit Lernstationen zu verwandeln – Pläne, die einigen Orscholzern ganz und gar nicht gefallen. Um diese Projekte zu verhindern, planen die Mitstreiter um den ehemaligen SPD-Ortsvorsteher Hermann Kiefer jetzt, einen Verein zu gründen. Das hat Margit Lion, die mit Andreas Boos vor wenigen Tagen zu einer Versammlung eingeladen hatte, jetzt unserer Zeitung mitgeteilt. An der Versammlung waren nach ihren Angaben rund 35 Teilnehmer zugegen, darunter neben den Initiatoren auch Kommunalpolitiker der Linkspartei.

Andreas Boos war laut dieser Mitteilung an dem Abend zum Beauftragten bestimmt worden, um die Gründung des Vereins einzuleiten. Als rechtsfähiger Verein habe man zu gegebener Zeit die Möglichkeit zu klagen, lautet die Begründung, sich nicht für eine Bürgerinitiative zu entscheiden. Das geht aus dem Protokoll der Sitzung hervor, das der SZ vorliegt. Als Datum für eine Vereinsgründung haben die Kritiker der Pläne den Mittwoch, 24. Oktober, 19 Uhr, im Gemeindesaal anvisiert. „Wir wollen die Projekte Glamping und Abenteuerspielplatz auf jeden Fall verhindern und die Gemeinde dazu bringen, sich um das Wohl der Bürger zu kümmern. Denn hier entscheiden die Volksvertreter nicht mehr im Sinne des Volkes, sondern nur zum Vorteil des Tourismus oder irgendwelcher Firmen“, ist in dem Sitzungsprotokoll zu lesen.

Einig waren sich die Teilnehmer des Treffens, dass der Baumwipfelpfad Tausende Touristen an die Cloef lockt. Dennoch stellten sie den Bau eines Hotels in dieser Größenordnung in Frage. Ihr Argument: Auch mit einem Abenteuerspielplatz bleiben die Gäste nach ihrer Ansicht nicht lange genug im Ort, handele es sich doch meist um Tagestouristen. Übernachtungsgäste, die nach Veranstaltungen im Cloef-Atrium ein Quartier suchen, sollen dies im nahe gelegenen Landhotel finden, das ausgebaut werden soll, lautet der Ratschlag der Versammlung. „Dieses Gebäude gliedert sich besser in das Landschafts- und Ortsbild ein.“ Befürchtet wird, dass für das geplante Hotel der Varadeser Park geopfert werden könnte. „Hier sind Spazier- und Wanderwege, welche gerade von den Patienten der Kurklinik oft genutzt werden. Dies wäre dann unwiederbringlich vorbei“, hält das Protokoll weiter fest. Auf Nachfrage seien den Kritikern von Seiten der Mettlacher Verwaltung keine Pläne vorgelegt worden. Der Aussage, dass der Varadeser Park durch den Bau des Hotels und des Glamping-Resorts betroffen sei und dass Spazierwege eingezäunt werden, hatte Bürgermeister Daniel Kiefer in einer Pressekonferenz widersprochen (wir berichteten). Ein klares Nein sagen die Gegner auch zu der Errichtung der Luxus-Hütten für das Glamping-Resort, die sich an das Hotel anschließen sollen. Ihr Argument: Zu viel Wald müsste an dieser Stelle abgeholzt werden. Auch bezweifeln sie, dass wegen des felsigen Untergrundes eine Zuleitung für Strom, Wasser und Abwasser an jede Hütte möglich ist. Und noch eines führen sie ins Feld: Risiken eines Waldbrandes durch illegale Grillfeten vor den Hütten.

Ein absolutes „No-Go“ nennen sie den Plan der Erlebnis-Akademie, einen kostenfreien sowie einen kostenpflichtigen Spielplatz am Blumenfels zu errichten. Neben dem teuren Eintritt für den Baumwipfelpfad würden Familien mit Kindern nochmals kräftig zur Kasse gebeten werden. Könnten Familien das Geld nicht aufbringen, müssten die Kinder mit dem kleineren und womöglich weniger attraktiven Spielplatz vorlieb nehmen. Das komme nach Ansicht der Versammlungsteilnehmer einer Zwei-Klassen-Gesellschaft gleich.

 „Bereits beim Bau des Baumwipfelpades sind die Orscholzer nicht eingebunden worden“, sagte Margit Lion gegenüber der SZ. Die negativen Folgen des Ansturms auf den Aussichtsturm: wildes Parken auf den Gehwegen und zugeparkte Einfahrten – die Folge einer bislang unvollständigen Infrastruktur an Parkplätzen, wie im Protokollder Sitzung zu lesen ist. Zudem wurden Lärmbelästigung und Luftverschmutzung durch Abgase beklagt. Einige Orscholzer, so hält es das Papier fest, fürchten gar den Wertverlust ihrer Immobilien – im Bereich um die Cloefstraße, das Cloef-Atrium und das Landhotel.