Ideen lassen Behinderungen kleiner werden

Ideen lassen Behinderungen kleiner werden

Seit 1996 arbeitet das „Forum für Menschen mit Handicap“ im Landkreis Merzig-Wadern an einer besseren Lebensqualität für Behinderte.

1996 schlossen sich im Landkreis Merzig-Wadern Menschen mit Handicap, Selbsthilfegruppen, verschiedene Vereine und Organisationen zu einem "Forum für Menschen mit Handicap" zusammen. Heute zählt dieses Forum 40 Mitglieder, die sich regelmäßig treffen und gleichberechtigt zusammenarbeiten. Sie entwickeln Ideen, um das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern und setzen sich für ein harmonisches Zusammenleben aller Menschen ein.

Nach einer gut besuchten Infobörse in der Stadthalle Merzig gab es am Abend einen Festakt, den Rainer Dietrich mit dem Polizeiorchester des Saarlandes musikalisch gestaltete. Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich begrüßte die Gäste und lobte die 40 Kompetenzpartner des Forums als Menschen, die die von ihnen entwickelten Ideen auch tatkräftig und eigenhändig umsetzen. Besondere Anerkennung gebühre Geschäftsführerin Andrea Bachmann.

Unter ihrer Federführung entstanden Veranstaltungen wie die "Come together after Work"-Party und das große Spiel- und Sportfest in der Laurentiushöhe in Schwemlingen, das sich bei Menschen mit und ohne Handicap großer Beliebtheit erfreut.

Im Saarland leben rund 11600 Menschen mit einem Handicap. Etwas mehr als zehn Prozent von ihnen sind schwerbehindert. Angesichts dieser Zahlen könne die Bedeutung des Forums gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Schirmherrin Monika Bachmann, die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, sprach von der Verpflichtung, allen Menschen, egal ob mit oder ohne Handicap, einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft einzuräumen. Es sei wichtig, den Wert jedes Einzelnen zu erkennen, dazu leiste das Forum einen unverzichtbaren Beitrag.

Georg Gitzinger, Sportreporter des SR, sprach mit dem querschnittgelähmten Stefan Strobel, der bei den Paralympics, der Olympiade für Menschen mit Handicap, eine Silbermedaille errungen hatte. Strobel sitzt seit seinem 14. Lebensjahr im Rollstuhl. Seine Verletzung, die er sich bei einem Sturz im Schwimmbad zugezogen hatte, lag im oberen Brustwirbelbereich (C4), und die Prognose für ein selbst bestimmtes Leben war damals nicht besonders gut.

Als der Arzt vorsichtig erklärte, es gebe einige Menschen mit dieser Diagnose, denen es gelungen sei, ein eigenständiges Leben zu führen, beschloss Strobel: "Dann gehöre ich dazu!" Er trainierte, studierte und ist heute neben seiner sportlichen Karriere Gymnasiallehrer für Mathematik und Informatik in Saarbrücken.

"Ein solches Beispiel macht Mut", lobte ein Schicksalsgenosse, der dem staunenden Publikum das ReWalk-Exoskelett vorführte, mit dessen Hilfe ein Querschnittgelähmter aufstehen, gehen und Treppen steigen kann (siehe eigener Bericht). Die Zuschauer applaudierten, als der Mann sich aus dem Rollstuhl erhob und anfing auf der Bühne herumzulaufen.

Thomas Binder kann gehen – dank eines Exoskeletts.

"Ich habe heute viel gelernt", sagte eine Besucherin, als die Veranstaltung zu Ende war. Vor allem bewundere sie die Geisteshaltung dieser Menschen: "Anstatt dem Vergangenen nachzutrauern, richten sie ihr Augenmerk auf die Möglichkeiten, die ihnen geblieben sind und machen mit unglaublichem Mut das Beste daraus. Hut ab!"