Exoskelett war der große Renner

Exoskelett war der große Renner

„Forum für Menschen mit Handicap“ ließ Besucher der Infobörse mit Neuheiten staunen.

Zum achten Mal veranstaltete das "Forum für Menschen mit Handicap" eine Informationsbörse in der Merziger Stadthalle. Fachvorträge widmeten sich den wichtigsten Themen, die für Menschen mit Handicap und deren Familien relevant sind. Vereine und Interessengruppen stellten sich ebenso vor wie etliche Firmen, die Produkte präsentierten, die Menschen mit Handicap den Alltag erleichtern und ihren gesundheitlichen Allgemeinzustand verbessern können.

Besonderes Interesse weckte dabei das "ReWalk Personal System", ein Exoskelett, das es Menschen mit einer Querschnittlähmung ermöglicht zu stehen, zu laufen und sogar Treppen zu steigen. "Das Gerät gibt mir eine andere Position und stellt eine hervorragende Ergänzung zum Rollstuhl dar", erklärte ein Maschinenbaustudent aus Heidelberg, der seit einem Motorradunfall vor eineinhalb Jahren querschnittgelähmt ist und eines von bundesweit 16 von Kostenträgern finanzierten ReWalk-Systemen sein Eigen nennt.

Das "Außenskelett wird mit Ledergurten an Beinen und Unterleib festgeschnallt, während der Benutzer auf einem Stuhl sitzt. Per Knopfdruck kann er nun aufstehen, gehen, die Richtung wechseln, steigen und sich wieder hinsetzen. Diese Mobilität bringt nicht nur das erhebende Gefühl, wieder auf den Beinen zu stehen und sich eigenständig fortbewegen zu können, sondern sie hat auch gesundheitliche Verbesserungen zur Folge. Aufrechte Haltung und Bewegung bringen den Kreislauf in Schwung, beeinflussen Stoffwechsel und Verdauung.

"Bei einem Mann verdoppelte sich schon nach relativ kurzer Zeit das Blasenvolumen", berichtete Sven Flöß, der das ReWalk-System in Deutschland vermarktet. Damit reduziert sich der Gebrauch des Katheters, was wiederum hilft, Reizungen und Infektionen bedeutend zu verringern.

Wie reagieren die Krankenkassen auf diese recht kostenintensive Neuerung? Da das ReWalk-Exoskelett individuell angepasst werden muss und auch etliche Trainingseinheiten dazu gehören, kostet es insgesamt rund 100 000 Euro. "Das ist eine hohe Summe", räumt Flöß ein, "aber wenn durch jahrelanges Sitzen im Rollstuhl zahlreiche Folgeerkrankungen auftreten, kommt auch ein ganz netter Betrag zusammen."

Die Krankenkassen begründen eine Ablehnung gerne damit, dass das ReWalk parallel zum Rollstuhl benutzt wird, diesen jedoch nicht völlig ersetzt. Mittlerweile gab es aber einen erfolgreichen Rechtsstreit mit einem Kostenträger, der zu Gunsten des Klägers ausging. Das Sozialgericht Speyer entschied, dass das ReWalk-System einen unmittelbaren Behinderungsausgleich darstellt, während ein Rollstuhl nur zu einem mittelbaren Ausgleich führt.

Weltweit sind zur Zeit 160 ReWalk Exoskelette im Einsatz. 50 davon wurden durch Kostenträger finanziert.