Schlammlawine von Rissenthal: Christ: Wollen effektivere Entwässerung prüfen

Schlammlawine von Rissenthal : Christ: Wollen effektivere Entwässerung prüfen

Von Christian Beckinger

„Es war eine bewegte Nacht“, erklärte Losheims Bürgermeister Lothar Christ am Freitagnachmittag gegenüber der SZ. Neben dem Brand in einem als Flüchtlingsunterkunft genutzten Wohnhaus in Niederlosheim hielten die Einsatzkräfte insbesondere die massiven Überschwemmungen in Rissenthal in Atem. Am Freitagvormittag machte sich der Rathaus­chef selbst vor Ort ein Bild vom Ausmaß der Schäden.

Und er kündigte an, dass die Gemeinde sich Gedanken darüber machen werde, wie solche verheerenden Überschwemmungen in dem Ort künftig vermieden werden können. Denn, das hatten übereinstimmend mehrere Anwohner am Freitag gegenüber der SZ erklärt: Dass Rissenthal bei starken Niederschlägen überschwemmt wird, ist dort kein Einzelfall, sondern kommt regelmäßig vor. Nach Angaben von Feuerwehr-Löschbezirksführer Matthias Becker habe es zwischen den Jahren 2000 und 2012 allein 37 Einsätze wegen Wasserschäden gegeben, und seither auch bereits wieder 13.

Wobei das Problem vielschichtig sei, wie Christ betonte. Zum einen sei die topographische Lage ein Faktor, Rissenthal befinde sich am Fuße eines Talkessels, in den gleich von mehreren Seiten Wasser hinabläuft. Von besonderer Bedeutung sei die unmittelbare Nachbarschaft zur Wahlener Platte, einem „riesigen Wassereinzugsgebiet“, wie Christ sagte. „Durch die intensive Landwirtschaft dort hat sich die Situation noch verschärft“, sagt der Bürgermeister. Auf weiten Flächen der Wahlener Platte stehe kein Grashalm mehr, dort fließe Niederschlagswasser nahezu ungehindert ab. Die Wasserläufe, landläufig Gräte genannt, die vom Berg herunterkommen, gebe es schon seit Jahrhunderten, doch im Zuge der zunehmenden Bebauung und damit Versiegelung gebe es immer weniger Flächen, die das Niederschlagswasser aufnehmen könnten. Ähnliche Probleme gebe es auch in anderen Ortschaften rund um die Wahlener Platte wie Wahlen, Bachem oder Rimlingen. „Wir haben im Bereich Rissenthal schon einiges unternommen, um den Problemen zu begegnen“, erklärte Christ. Aber gerade bei Extremwetterlagen zeige sich, dass es absoluten Schutz nicht gebe.

Dieses Auffanggitter am Ortsrand hielt nur große Astteile und Geröllbrocken zurück. Wasser und Schlamm liefen ins Dorf. Foto: Werner Krewer
Mit Besen, Schaufeln, aber auch schwerem Gerät beseitigten die Helfer die Spuren der bösen Überschwemmungen in Rissenthal. Foto: Werner Krewer

Als Konsequenz aus den jüngsten Verwüstungen werde er dem zuständigen Ausschuss bei der Gemeinde vorschlagen, einen  Fachgutachter einzuschalten, erklärte Christ. „Wir müssen darüber nachdenken, welche Möglichkeiten einer besseren Wasser-Entflechtung es gibt“, sagte der Verwaltungschef. Und spendete den Helfern von der Feuerwehr bei allen Einsätzen der letzten Tage großes Lob: „Wir sind sehr froh, dass unsere Löschbezirke so gut funkitonieren. Das ist gerade bei Naturkatastrophen wie jetzt immens wichtig.“

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