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Der Grüne Kreis am Tag als Juri Gagarin der erste Mensch im All wurde

Die SZ am 12. April 1961 : Besorgte Winzer und teurere Besamung

Es gibt Tage, die Geschichte schrieben – sei es, weil an ihnen erstmals Menschen auf dem Mond landeten, sei es, weil Deutschland völlig unerwartet erstmals Fußballweltmeister wurde, weil der Eiserne Vorhang fiel oder sei es wegen schlimmer Naturkatastrophen oder Terrorattentate. Doch was hat sich an diesen geschichtsträchtigen Tagen bei uns in der Region getan? Womit hat sich unsere Zeitung an diesen historischen Terminen beschäftigt? Wir haben im Archiv geblättert und nehmen Sie mit auf eine kleine Zeitungs-Reise in die Vergangenheit.

Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin (1934-1968) schrieb am 12. April 1961 Geschichte, als er der erste Mensch im All wurde (siehe Info). Derweil beschäftigte sich der Gemeinderat von Wellingen mit irdischen Dingen. Der Artikel „Beschlüsse des Wellinger Gemeinderates“ berichtete über die – zum damaligen Zeitpunkt – jüngste Sitzung des Gremiums. Darin ging es zum Beispiel um die Höhe der Stierdeckumlage. Der Leser erfährt, dass diese „pro deckfähiges Stück Rindvieh auf 19 DM, für künstliche Besamung auf 23 DM neu festgesetzt“ wurde. Der Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) freute sich laut Bericht über einen Zuschuss. Jedoch hob der nicht namentlich bekannte Verfasser einschränkend hervor, dass dieser „allerdings nur 30 DM beträgt“.

Beim Kauf von neuen Bänken für die Volksschule Wellingen griff indes die damalige Landesregierung der Gemeinde unter den Arm und übernahm die Hälfte der anfallenden Kosten. Bei einem Gesamtpreis in Höhe von 3360 DM belief sich der Eigenanteil der Gemeinde also auf 1680 DM. Letztendlich ergaben sich für das Rechnungsjahr 1960 keine Beanstandungen und der Gemeinderat entlastete den Bürgermeister.

Der Weinanbau spielt für die Wirtschaft des Landkreises Merzig-Wadern bis heute eine wichtige Rolle. Dem Artikel „Bekämpfung der Spätfröste im Wein- und Obstbau“ ist zu entnehmen, dass sich die Winzer aus der Region im April 1961 große Sorgen machten. So habe die Spätfröste „vielfach von Ende April bis in die zweite Hälfte des Monats Mai an den jungen Trieben der Reben und an der Obstblüte erhebliche Schäden“ angerichtet. Insbesondere die Eisheiligen waren bei den Weinbauern und Obstzüchtern gefürchtet. Heinz Aichele (1921-1975), der im Bericht als „Experte auf dem Gebiet des Frostschutzes für den Wein- und Obstbau“ vorgestellt wurde, riet den Winzern und Obstzüchtern dazu, Frostschutzgemeinschaften zu bilden. Als solche könnten sie „gleichzeitige und gemeinschaftliche Frostschutzmaßnahmen“ durchführen. Aichele betonte weiterhin, wie wichtig es sei, schon bei der Anbauplanung den Frostschutz zu beachten. So sollten Winzer beispielsweise Tal- und Muldenanlagen meiden.

Lebensmittelpreise sind interessante Zeitzeugen für das alltägliche Leben in früheren Jahrzehnten. Dem „Merziger Marktbericht . . . vom 11. April 1961“ kann der Leser zum Beispiel entnehmen, dass das Kilo Äpfel vor 58 Jahren zwischen 80 Pfennig und 1,50 DM kostete. Für Birnen bezahlten die Verbraucher pro Kilogramm zwischen 1,80 und 2,40 DM. Richtig teuer war das Kilo Ananas. Für die Südfrucht mussten die Konsumenten fünf DM hinblättern. Günstiger war da die Banane. Sie kostete nur 1,50 DM pro Kilogramm.

Der „Anzeiger für  Merzig und Wadern“ – so der seinerzeitige Name der SZ-Lokalausgabe – richtete auch den Blick auf den Nachbarn. So erfährt der Leser in der „Umschau im Lothringer Land“, dass vier Jugendliche aus Metz einen Lastwagen klauten und eine Spritztour mit dem gestohlenen Gefährt unternahmen. Der Ausflug der „Burschen“ (O-Ton SZ) endete im Fluss Seille. Die Diebe trugen zwar keine schweren Verletzungen davon, aber auf sie wartete laut Artikel „ein peinliches Nachspiel“.

Die Handballer vom HSV Merzig-Hilbringen gehören heute zur Spitzengruppe der Saarlandliga der Männer. Der Artikel „Merziger Handballer besiegten Lisdorf“ zeigt auf, dass schon im Jahr 1961 in der Kreisstadt erfolgreich Handball gespielt wurde. Dabei musste das Team aus Merzig laut Spielbericht „einige Stammspieler ersetzen“. Das 17:8 gegen den SC Saargold Lisdorf – heute als HG Saarlouis bekannt – wurde als „ein sehr schöner Erfolg“ beschrieben. Zudem brachte der Auswärtssieg die Tabellenführung ein. Über den Verlauf der Begegnung hieß es im Spielbericht: „Die Merziger waren in Lisdorf von vornherein im Vorteil und sahen sich nur eine Zeitlang (sic) in der zweiten Halbzeit einem starken Druck der Platzherren ausgesetzt.“ Jedoch wartete schon in der folgenden Woche die nächste Herausforderung auf die Handballer aus der Kreisstadt. Der gestürzte Tabellenführer DJK Roden reiste nämlich nach Merzig. Der „Anzeiger für Merzig und Wadern“ stimmte seine Leser auf ein „sicherlich sehr spannendes Spiel“ ein.

Alle Teile der Serie „Zurückgeblättert“ finden sich im Internet.

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