Die Kommunen im Hochwald wollen enger zusammenrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Räte von Wadern und Weiskirchen tagen gemeinsam : Nordsaarlandklinik soll nach Wadern

Mit einer Resolution wollen die Räte von Wadern und Weiskirchen erreichen, dass das neue Krankenhaus im Stadtgebiet gebaut wird.

Den Standort für die Nordsaarlandklinik haben die Waderner und Weiskirchen für sich längst ausgemacht: Im Stadtgebiet von Wadern soll das Krankenhaus hochgezogen werden. Seit Dienstagabend haben sie diesen Wunsch sogar schwarz auf weiß festgehalten: in einer Resolution, die der Gemeinderat von Weiskirchen und der Stadtrat von Wadern verabschiedet haben. „Der Rat der Stadt Wadern und der Rat der Gemeinde Weiskirchen mit ihren Bürgerinnen und Bürgern appellieren an alle Beteiligten, mit ihrem Engagement und ihrer Hilfe zur Errichtung einer Nordsaarlandklinik beizutragen“, heißt es in dem Papier, das im Haus des Gastes einstimmig verabschiedet worden ist. Für beide Kommunen ist eine zentrale Klinik von existentieller Bedeutung, ein Standort in der Stadt Wadern unabdingbar, heißt es in dem Beschluss weiter, den Weiskirchens Bürgermeister Wolfgang Hübschen und Waderns Verwaltungschef Jochen Kuttler abwechselnd vorlasen.

Durch die Einrichtung eines Krankenhauses werde man zum einen dem Anspruch der wohnortnahen Versorgung der Menschen im nördlichen Saarland gerecht, lautet ein Argument zur Begründung. Ein weiteres: „Zum anderen wird eine Nordsaarlandklinik mit einem Standort in der Stadt Wadern dazu beitragen, die Funktion der Stadt Wadern als Mittelzentrum und den Gesundheitstourismus als zentralen Wirtschaftsfaktor der Gemeinde Weiskirchen zu stärken.“

Zudem stelle ein Krankenhaus in der Stadt Wadern die Versorgung des Raumes zwischen Merzig und St. Wendel sicher, ohne die dortigen Krankenhäuser in Gefahr zu bringen. Denn die Stadt Wadern bilde den geographischen Mittelpunkt ab. Zudem werden die Vorteile aufgelistet, die Stadt Wadern mit ihrem Stadtzentrum besitzt: günstig an die A 1 gelegen, an die die Nordsaarlandstraße und B 268 angebunden sowie Endpunkt von zahlreichen Buslinien. Die vielfältigen Möglichkeiten, eine in Stadtnähe angesiedelte Klinik per Bus statt mit dem Auto zu erreichen, würden laut Verfasser des Papiers auch zum Umweltschutz beitragen.

Ein weiteres Ziel: „Die Nordsaarlandklinik soll Ankerpunkt für die Stadt Wadern und die Gemeinde Weiskirchen für die Ansiedlung von Betrieben und jungen Familien sein und eine dauerhafte Stärkung der Wirtschaftskraft und Attraktivität für die Region bringen.“ Die Initiative der Landesregierung für eine Nordsaarlandklinik, die gelobt wird, hat nach Darstellung der Verfasser bei den Menschen im gesamten Einzugsgebiet des früheren Waderner Krankenhauses große Hoffnungen geweckt. „Sie alle und insbesondere die rund 700 Mitglieder der Bürgerinitiative sollten nicht das Gefühl haben müssen, man nehme ihnen zum zweiten Mal ihr Krankenhaus weg, indem das von ihnen ersehnte und erkämpfte Projekt an eine andere Kommune vergeben wird.“

Auch entspricht die Resolution nach Ansicht ihrer Verfasser in besonderer Weise dem Grundgedanken der seit September 2018 auf Bundesebene tagenden Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“. Gleichwertige Lebensverhältnisse seien eine nationale Zukunftsaufgabe für ein modernes und erfolgreiches Deutschland. „Hierzu gehört die Gesundheitsversorgung allgemein – aber insbesondere auch im ländlichen Raum.“ Lebenserwartung und Lebensqualität der Menschen hängen laut des Beschlusses in besonderer Weise auch von der raschen Erreichbarkeit eines Krankenhauses mit Notfallversorgung ab. „Es wäre nicht zu verantworten, diese Chancen den Menschen im Nordsaarland vorzuenthalten“, ist weiter in dem Papier zu lesen, das jetzt die Unterschrift der beiden Rathauschefs trägt. Beifall brandete auf, als die Räte nacheinander ihr Ja zu dem Papier kundtaten und die beiden Bürgermeister ihren Namenszug unter die Resolution setzten.

„Wichtige Ziele bedürfen oftmals außergewöhnlicher Maßnahmen“, sagte Gastgeber Wolfgang Hübschen über die erste und seiner Erachtens nach richtungsweisende Sitzung. Dieses Ziel: die Sicherstellung der notwendigen medizinischen Versorgung der Bürger im gesamten Nordsaarland. Nach der Schließung der Elisabeth-Klinik am 31. Dezember 2017 ist seiner Meinung nach die Notwendigkeit der Errichtung eines Akut-Krankenhauses unbedingt gegeben. Eine Klinik in der Stadt Wadern garantiert laut Hübschen nicht nur rund 6400 Bürger aus der Gemeinde Weiskirchen eine wohnortnahe Notfallversorgung, sondern auch zirka 400 Patienten der Hochwald-Kliniken „mit ihren Fachabteilungen für Innere Medizin, Orthopädie, Onkologie und demnächst zusätzlich der aus Illingen zurückverlegten Neurologie“.

Auch für die Hochwald-Kliniken mit ihren gut 250 Beschäftigten, dem größten Arbeitgeber der Gemeinde, wie auch den Beschäftigten in den Gewerbegebieten in Weiskirchen und Rappweiler sei eine möglichst nahe Krankenhausversorgung sehr wichtig. Nach den Worten von Hübschen geht es auch um das Ziel der Daseinsvorsorge und der gleichwertigen Lebensverhältnisse für alle Bürger – „auch bei uns im Hochwald, auf dem flachen Land und nicht nur in den Ballungsgebieten“.

Zwischenzeitlich kommt es laut Hübschen in den Hochwaldkommunen Losheim am See, Nonnweiler, Wadern und Weiskirchen mit deren Bürgermeistern zu einem regen Erfahrungsaustausch, der zu immer stärkerer Zusammenarbeit mit gemeinsamen Projekten mündet. „Diese Gemeinsamkeiten müssen meines Erachtens noch intensiviert werden, um die stetig steigenden Herausforderungen, vor denen eine kleine Gemeinde wie Weiskirchen – aber auch die Stadt Wadern – stehen, gemeinsam bewältigen zu können.“ Er dankte Waderns Bürgermeister Kuttler und seiner Verwaltung für die Idee einer gemeinsamen Resolution und der Vorarbeit.

In der Resolution geht es laut Kuttler in erster Linie darum, „klar zu machen, dass wir für den Standort einer Nordsaarlandklinik, wie immer diese am Ende aussehen mag, die Stadt Wadern vorschlagen und dieser auch Gehör findet“. Er dankte Hübschen, dass er den Faden aufgenommen hat und die Räte das Ansinnen unterstützen. „Einmal ganz losgelöst von den Fragen der medizinischen Versorgung haben die Stadt Wadern und auch die Gemeinde Weiskirchen mit der Schließung der St.-Elisabeth-Klinik wirtschaftlich einen schweren Schaden davontragen.“

Das Mittelzentrum lebt nach seiner Darstellung von der Infrastruktur und dass Wadern Versorgungszentrum für die umliegenden Gemeinden ist. „Wenn man hier einen wichtigen Baustein wegnimmt, dann halten wir es nur für legitim, diesen Baustein zurück haben zu wollen, respektive einen adäquaten Ersatz zu wollen. Und zwar am gleichen Standort, der ja weit über den Kernort Wadern hinaus ein Versorgungszentrum für die ganze Region darstellt.“

In dem Bestreben, die Region zu stärken, wisse er auch die Bürgermeister der übrigen umliegenden Gemeinden an seiner Seite. Das Verhältnis der Hochwaldkommunen untereinander nannte er in diesem Zusammenhang hervorragend. „Wir teilen allesamt die Erkenntnis, dass wir alleine zu wenig Gehör finden, wenn es darum geht, gleichwertige Lebensverhältnisse, aber in wirklich allen Landesteilen einzufordern.“