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Die SZ am 19./20. Juli 1969: Mondlandung in Merzig-Wadern

Die SZ am 19./20. Juli 1969 : Mondlandung in Merzig-Wadern

Es gibt Tage, die Geschichte schrieben – sei es, weil an ihnen erstmals Menschen auf dem Mond landeten, sei es, weil Deutschland völlig unerwartet erstmals Fußballweltmeister wurde, weil der Eiserne Vorhang fiel oder sei es wegen schlimmer Naturkatastrophen oder Terrorattentaten. Doch was hat sich an diesen geschichtsträchtigen Tagen bei uns in der Region getan? Womit hat sich unsere Zeitung an diesen historischen Terminen beschäftigt? Wir haben im Archiv geblättert und nehmen Sie mit auf eine kleine Zeitungs-Reise in die Vergangenheit.

„Der Mensch ist dabei den Mond zu betreten, aber er schafft es nicht, mit den Nachbarn in Frieden zu leben.“ Diese Worte Franz Schneiders sind in der Wochenendausgabe des „Anzeigers für Merzig-Wadern“ am 19. und 20. Juli 1969 nachzulesen. Der damalige Landtagsabgeordnete der CDU aus Brotdorf erinnerte zum 20-jährigen Jubiläum des VdK an die Ursprünge des Sozialverbands. Dieser war 1949 als „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“ gegründet worden. Schneider nahm wohl Bezug auf den Konflikt mit der Sowjetunion, als er ausführte, dass eine solche Feierstunde in Erinnerung rufe, wie kostbar der Frieden ist. Die Aussage zeugt jedoch ebenso davon, dass die Mission der drei amerikanischen Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins in Merzig-Wadern in aller Munde war.

Auch der Rektor der Volksschule in Beckingen, Walter Schneider, bezog sich bei seiner Rede zur Schulentlassungsfeier auf die Reise zum Erdtrabanten. Diese sei ein Wagnis, genau wie der weitere Lebensweg der Kinder. „Das Leben ist ohne Fortschritt nicht denkbar, doch zum Fortschritt gehört das Wagnis“, betonte der der Schuldirektor.

Doch die damalige Lokalausgabe der Saarbrücker Zeitung beschäftigte sich natürlich auch mit den Vorgängen im Landkreis – teilweise ähneln diese der aktuellen Situation. Wie heute stellte der Waderner Amtsrat damals heraus, dass die Stadt neben St. Wendel und Merzig ein wichtiges Mittelzentrum des nördlichen und westlichen Saarlandes sei. Nur ging es im Juli 1969 nicht um die Nordsaarlandstraße oder –Klinik, sondern um den Bau eines Hallenbades. Der Amtsrat schlug vor, dieses Ziel gemeinsam mit den umliegenden Ortschaften und Gemeinden in einem Zweckverband zu verfolgen. 1,6 bis 1,8 Millionen DM sollte das Gebäude kosten, das nach Meinung der Waderner zu den unabdingbaren öffentlichen Einrichtungen eines Mittelzentrums gehörte. Der Plan sollte Erfolg haben. Ende 1973 begannen die Bauarbeiten, und ab 1975 konnten Besucher in der damals schlicht „Hallenbad Wadern“ heißenden Wassersportstätte ihre Bahnen ziehen. Heute ist sie als Dora-Rau-Bad bekannt.

Am 21. Juli 1969 wiederum sollte nicht nur Neil Armstrong seinen Fuß auf die Mondoberfläche setzen, sondern auch Herbert Wehner den seinen in der Landkreis Merzig-Wadern. Der Sozialdemokrat und damalige „Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen“ hatte einen Besuch bei Villeroy & Boch in Mettlach sowie bei Saar-Gummi in Büschfeld angekündigt.

Anzeiger für Merzig-Wadern am 19./20. Juli 1969 Foto: Jakob Kulick
Anzeiger für Merzig-Wadern am 19./20. Juli 1969 Foto: Jakob Kulick

Eine Besichtigung von Schloss Bübingen war damals hingegen nicht geplant – und auch nicht möglich. Wie der „Anzeiger für Merzig-Wadern“ berichtete, fasste der Nenniger Gemeinderat damals ins Auge, die Ruine mithilfe von Landesmitteln wieder aufzubauen. Die Geschichte des Schlosses reicht bis 1340 zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten immer wieder die Besitzer der Festungsanlage, mehrmals wurde sie zerstört und im jeweils aktuellen Stil ausgebessert oder neu errichtet. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte sie erneut in Trümmern gelegen und 1969 wollte die Gemeinde Nennig den Wiederaufbau. „Hoffen wir, dass sie Glück damit hat“, schloss der Artikel der SZ. Diese Hoffnung war jedoch vergebens, das Nenniger Vorhaben scheiterte. Bis heute fristet das Schloss nahe der luxemburgischen Grenze sein Dasein als Ruine. Zur Zeit befindet es sich in Privatbesitz und ist nicht öffentlich zugänglich. Damals wie heute waren die mittelalterbegeisterten Menschen im Grünen Kreis in Mettlach besser aufgehoben. Entsprechend plante der Reiterverein „Saargau Merzig“ für den 20. Juli einen Ausritt zur Burg Montclair. Die Tour lief unter einem auch für diese Artikel-Serie passenden Motto: „Auf den Spuren der Vergangenheit.“