Kampf um die Erststimmen

Kampf um die Erststimmen

Bei der Bundestagswahl 2009 gewann die CDU in allen Wahlkreisen das Direktmandat. Wer hat diesmal die besseren Karten? SZ-Redakteur Daniel Kirch stellt die saarländischen Wahlkreise und die aussichtsreichsten Kandidaten kurz vor.

Bei der Bundestagswahl 2009 war der Grüne Hans-Christian Ströbele bundesweit der einzige Kandidat einer kleinen Partei, dem es gelang, ein Direktmandat zu ergattern. Ströbele holte im Berliner Kiez-Wahlkreis "Friedrichshain - Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost" 46,7 Prozent. Alle übrigen 298 Wahlkreise gewannen Kandidaten von CDU, CSU, SPD und (im Osten) Linken.

Im Saarland holte letztmalig 1957 ein Kandidat, der weder für CDU noch SPD angehörte, einen Wahlkreis direkt: Heinrich Schneider, FDP, gewann den Wahlkreis Saarbrücken. Allerdings war die FDP als Nachfolgepartei der DPS und damit der "pro-deutschen" Speerspitze im Abstimmungskampf von 1955 quasi eine Volkspartei.

Die kleinen Parteien wollen mit Direktkandidaten vor allem Flagge zeigen. "Es gibt keinen Grund, nicht mit Direktkandidaten anzutreten", sagt FDP-Landeschef Oliver Luksic. "Auch wenn die FDP gezielt um Zweitstimmen wirbt, treten wir als eigenständige Kraft natürlich auch in den Wahlkreisen an, um den Wählern eine liberale Alternative zu bieten." Der Grünen-Landesvorsitzende Hubert Ulrich sagte, mithilfe der Direktkandidaten könne die Partei zeigen, dass sie kompetentes Personal habe. Sie hülfen dabei, den Wählern Inhalte zu vermitteln. Linken-Sprecher Martin Sommer ergänzte, es sei wichtig, "dass die Saarländer auch bei der Wahl des Direktkandidaten eine wirkliche Auswahlmöglichkeit haben".

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HintergrundJeder Wähler hat bei der Bundestagswahl zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählt er in einem der bundesweit 299 Wahlkreise einen Direktkandidaten, mit der Zweitstimme die Landesliste einer Partei. Entscheidend für das Kräfteverhältnis im Bundestag ist die Zweitstimme.Im Saarland gibt es vier Wahlkreise. Bis 2002 waren es sogar fünf, doch der Wahlkreis "Saarbrücken II" - bestehend aus mehreren Kommunen des heutigen Regionalverbandes und des Landkreises Saarlouis - wurde aufgelöst und auf die übrigen Wahlkreise verteilt. Bei den Bundestagswahlen von 1990 bis 2005 hatte die SPD im Saarland stets alle Wahlkreise gewonnen. 2009 holte die CDU alle Direktmandate. Ein Grund war auch, dass die SPD viele Wähler an die Linke verlor. kir

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