1. Saarland

Explosion in Mühle in Geislautern

Explosion in Mühle in Geislautern

Geislautern. Drei Mitarbeiter sind am frühen Donnerstagmorgen bei einem Brand in einer Großmühle im Völklinger Stadtteil Geislautern schwer verletzt worden. Zwei von ihnen mussten laut Polizeisprecher Stephan Laßotta sogar in eine Spezialklinik für Brandverletzungen nach Ludwigshafen geflogen werden

Geislautern. Drei Mitarbeiter sind am frühen Donnerstagmorgen bei einem Brand in einer Großmühle im Völklinger Stadtteil Geislautern schwer verletzt worden. Zwei von ihnen mussten laut Polizeisprecher Stephan Laßotta sogar in eine Spezialklinik für Brandverletzungen nach Ludwigshafen geflogen werden. Bei den drei Betroffenen handelt es sich laut Polizei um einen 29-jährigen Lebacher und zwei Völklinger, 49 und 56 Jahre alt.Nach jetzigen Erkenntnissen entstand das Feuer mit noch ungeklärtem Hergang nach einer Explosion im Bereich einer mit Öl betriebenen Anlage, in der das Mehl getrocknet wird. Die Ermittler gehen von einer technischen Ursache aus. Zunächst war eine Mehlstaubexplosion angenommen worden, wie sie in Mühlen denkbar ist.

Die Mühle liegt in der Schlossstraße inmitten der Wohnbebauung im Geislauterner Ortskern. Kurz nach sieben Uhr ging gestern Morgen der Alarm bei der Polizei ein. Als wenig später die Einsatzkräfte eintrafen, schlugen bereits Flammen aus dem Dach. Dichter Qualm stieg auf, und Anliegern wurde per Rundfunkdurchsage empfohlen, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Anwohner wurden kurzzeitig evakuiert und mussten auf der Hauptstraße die weitere Entwicklung abwarten. Ein Betroffener, der Wand an Wand mit der Mühle wohnt, hörte zunächst einen Knall. Anfangs, sagt er, habe er noch angenommen, dass ein Auto "in die Garage unten im Haus hineingedonnert" sei. Wie die Polizei weiter berichtet, wurden Kinder einer benachbarten Grundschule vorsichtshalber in vom Brandherd abgewandte Räume geschickt und dort unterrichtet.

"Gerade weil es erst vor kurzem diese schreckliche Explosion auf dem Heidstock gegeben hat, waren die Eltern sehr besorgt", berichtete Schulleiterin Petra Pitillo. Sie erlebte einen äußerst stressigen Vormittag, weil immer wieder besorgte Eltern anriefen. Die Jungs und Mädchen sollten von dem ganzen Unglück so wenig wie möglich mitbekommen: "Wir haben versucht, das alles ruhig und sachlich anzugehen", berichtet die Schulleiterin. Die Kinder kamen in Ausweichräume. "Wir haben ja Möglichkeiten genug, wir haben Klassen zum Beispiel in der Turnhalle und im Foyer unterrichtet." Die Pausen auf dem Schulhof abzuhalten, sei problemlos möglich gewesen. Das Jugendzentrum im Untergeschoss des Schulhauses habe der Mühlenbelegschaft zeitweise als Not-Aufenthaltsraum gedient.

Über 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Probleme bereitete der Feuerwehr nach dem eigentlichen Brand noch so genanntes Thermoöl, das in einem Behälter zu überhitzen drohte und gekühlt werden musste. "Das wird wohl noch bis in die Abendstunden dauern", meinte Wehrführer Heiko Schlang. Karl Ludwig Schäfer, Geschäftsführer der Mühle, erklärte, was es mit dem Spezialöl auf sich hat: "Es befindet sich in einem geschlossenen Umlaufsystem, wird beheizt und treibt so den Fördermechanismus für das Mehl an." Thermoöl wird in der Industrie vielerorts an Stelle von Wasser als Wärmeträger verwendet, weil sein Siedepunkt bei über 300 Grad Celsius und damit deutlich höher als der von Wasser liegt.

 Eine schwarze Rauchwolke stieg gestern Morgen aus dem Dach der Mühle, die mitten in der Wohnbebauung in Geislautern liegt. Anwohner wurden kurzzeitig evakuiert. Foto: Becker & Bredel
Eine schwarze Rauchwolke stieg gestern Morgen aus dem Dach der Mühle, die mitten in der Wohnbebauung in Geislautern liegt. Anwohner wurden kurzzeitig evakuiert. Foto: Becker & Bredel

Die Schadenshöhe konnten die Ermittler gestern noch nicht beziffern. Der Mühlenbetrieb in Geislautern, gegründet 1892, ist inzwischen international mit Niederlassungen vertreten. Er stellt Back-Vormischungen für Bäckereibetriebe her.