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Die leise Wehmut nach vergangenen D-Mark-Zeiten

Die leise Wehmut nach vergangenen D-Mark-Zeiten

Saarbrücken. Der richtige Tastendruck auf der Registrierkasse - und Doris Kettenbaum geht auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie führt die Textilverkäuferin in Zeiten, als das "Euro-ist-Teuro"-Wortspiel noch gar nicht erfunden war. Niemand verlor damals einen Gedanken an Finanzsorgen der Griechen - oder gar einen Cent, pardon, Pfennig, in deren Kassen

Saarbrücken. Der richtige Tastendruck auf der Registrierkasse - und Doris Kettenbaum geht auf eine Reise in die Vergangenheit. Sie führt die Textilverkäuferin in Zeiten, als das "Euro-ist-Teuro"-Wortspiel noch gar nicht erfunden war. Niemand verlor damals einen Gedanken an Finanzsorgen der Griechen - oder gar einen Cent, pardon, Pfennig, in deren Kassen. Es sind die seit 2002 vergangenen Jahre der D-Mark, in die sich die Angestellten der Modehaus-Kette "C&A" per Knopfdruck für einen kleinen Moment katapultieren können. Ganz unpathetisch und wenig nostalgisch ist die Mark dort in allen Kassen als "Fremdwährung" eingespeichert. Drückt Verkäuferin Kettenbaum drauf, rechnet die Kasse um: Mark in Euro.

Seit Ende 2004 können Kunden in allen Filialen der Textil-Kette wieder mit Mark zahlen. Nur das Wechselgeld geben die Kassierer in Euro raus. Pro Monat nahm der Konzern 2009 nach eigenen Angaben noch Summen zwischen 150 000 und 200 000 Mark ein. In der Saarbrücker Filiale, in der auch Doris Kettenbaum arbeitet, sind es monatlich laut Filialleitung noch rund 500 Mark. "Die Kunden kommen nicht mehr so häufig mit Mark wie früher", so die Verkäuferin.

Unverändert allerdings sei die Melancholie, mit der ihr die Kunden Scheine der alten Währung entgegenstreckten. "Es ist Wehmut dabei und ein bisschen Freude", versucht Kettenbaum die Gefühlswelt der Kundschaft zu ergründen. "Die gute alte D-Mark - ach wäre sie noch da", zitiert ihre Kollegin Sarah Schreiber ein typisches Kundengespräch. Gerade in diesen Wochen, in denen der Euro in der Krise steckt, kämen solche Worte häufiger vor.

"Hier kann man noch mit Mark zahlen?", fragt unterdessen eine Kundin. "Die war ja schon sicherer, irgendwie", habe sie das Gefühl, auch wenn sie sich "mit dieser Griechenland-Sache" nicht so gut auskenne. Nur ausgeben kann die Dame nicht mehr viel vom alten Zahlungsmittel: "Ein bisschen Kleingeld habe ich noch, aber keine Scheine mehr." Das scheint in vielen deutschen Haushalten noch anders zu sein. Laut Bundesbank sind immer noch rund 13,5 Milliarden Mark im Umlauf. Wo das ganze Geld geblieben ist, ist unklar: Es sei zu vermuten, dass eine nicht unerhebliche Summe im Ausland "vor allem im ehemaligen Jugoslawien und in Osteuropa noch umläuft", sagt Bundesbank-Sprecherin Susanne Mehlhorn. Auch als Andenken diene das Geld.

Eine ganz besondere Rolle spielt das Aufheben von Münzen für Herbert Uhl. Der Pfälzer ist seit über 15 Jahren passionierter Münz-Sammler. Als der Euro kam, stellte er direkt von D-Mark auf die neue Währung um, sammelt fortan europäisch, Euro-Krise hin oder her. Gerade erst habe er sich sogar einen neuen griechischen Münzsatz zugelegt. Der 17. schon. Wegen der Griechenland-Krise darauf zu verzichten, das kam ihn nicht in den Sinn: "Soweit habe ich gar nicht gedacht", sagt Uhl, überlegt kurz und fügt an: "Die Sammelstücke werden ja ihren Wert behalten."