Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 00:00 Uhr

Oft ist die Kultur Chefsache

Den größten Zuschuss von der Stadt für eine kulturelle Veranstaltung – rund 330 000 Euro – erhält der Max-Ophüls-Preis. Während des Festivals erstrahlt das Rathaus in blauem Licht, wie hier im Januar 2014. Archivfoto: Marisa Villareale/LHS
Den größten Zuschuss von der Stadt für eine kulturelle Veranstaltung – rund 330 000 Euro – erhält der Max-Ophüls-Preis. Während des Festivals erstrahlt das Rathaus in blauem Licht, wie hier im Januar 2014. Archivfoto: Marisa Villareale/LHS
Saarbrücken. Saarbrücken wird voraussichtlich bald ohne Kulturdezernat sein. Die SZ hat nachgefragt, wie es in anderen saarländischen Städten aussieht, und wer in vergleichbaren Städten außerhalb des Saarlandes für die kulturellen Angelegenheiten zuständig ist. Hélène Maillasson

Ein eigenes Dezernat, nur für die Kultur. Das ist in deutschen Städten die Ausnahme. Von 1992 bis 1997 verfügte Kassel (197 092 Einwohner) darüber. Zeitweise war die Kultur dort auch beim Schuldezernenten angesiedelt, mittlerweile ist Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD ) selbst zugleich Kulturdezernent. Das Budget (ohne Investitionen) des Kulturamtes der Stadt für 2015 sind rund 29,17 Millionen Euro . Am kulturellen Höhepunkt des Jahres, dem 60. Geburtstag der documenta, engagieren sich aber auch andere Institutionen wie zum Beispiel das Land Hessen, das mit 50 Prozent an der documenta und an der Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH beteiligt ist.

Ähnlich wie zurzeit noch in Saarbrücken gehören in Potsdam Kultur und Bildung einem gemeinsamen Dezernat an. Allerdings kommt in der brandenburgischen Stadt noch der Sport dazu. Dennoch ist der Potsdamer Etat für den Fachbereich "Kultur und Museum" mit 20,5 Millionen Euro doppelt so hoch wie derjenige der saarländischen Landeshauptstadt (9,35 Millionen Euro ). Dieses Verhältnis lässt sich auch bei einzelnen kulturellen Posten erkennen, die in beiden Städten an anderer Stelle verbucht werden, wie die Musikschule. In Saarbrücken ist sie im Schulamt angesiedelt und erhält von der Stadt rund 900 000 Euro . In Potsdam wird sie in einem eigenen "Fachbereich Musikschule" geführt und bekommt 2,7 Millionen Euro .

Näher am Saarland, im rheinland-pfälzischen Mainz , spielt sich ein Szenario ab, das für Saarbrücken von der CDU-Stadtratsfraktion in Erwägung gezogen wurde. Dort ist die Kultur Teil des Baudezernates, wo auch die Denkmalpflege angesiedelt ist. Der Gesamtetat für die Kultur in Mainz beträgt rund 22,87 Mio. Euro , den Löwenanteil davon bildet der Zuschuss von 11,8 Millionen für das Staatstheater. In anderen Bereichen wie zum Beispiel fürs Stadtarchiv liegen die Ausgaben in Mainz (733 908 Euro ) in der gleichen Größenordnung wie in Saarbrücken (983 103 Euro ).

Wenn man über die Grenze nach Frankreich zur lothringischen Hauptstadt Metz (122 149 Einwohner) schaut, stellt man fest: Dort steigt das Budget für die Kultur diesem Jahr um 1,21 Prozent im Vergleich zu 2014 auf 10 Millionen Euro . Auch in Saarbrücken steigt der Kulturetat 2015, aber nur um knapp 0,5 Prozent von 9 309 145 auf 9 352 470 Euro .

Als Landeshauptstadt mit 178 629 Einwohnern verfügt Saarbrücken logischerweise über den höchsten Kulturetat im Saarland. Die Finanzierung der Kultur ist bei der Stadtverwaltung zentralisiert. Die meisten Zuschüsse werden durch das bisherige Dezernat für Bildung, Kultur und Wissenschaft vergeben. Dennoch investieren auch andere Stadtämter Geld in kulturelle Angelegenheiten wie zum Beispiel das Schulamt und das Amt für Stadtmarketing. Diese Summen werden nicht im 9,35-Millionen-Kulturhaushalt aufgeführt.

Auch in der zweitgrößten Stadt des Saarlandes, in Neunkirchen , kommt das Geld für die Kultur aus unterschiedlichen Töpfen. Einzelne Events wie die Verleihung des Günter-Rohrbach-Preises werden im Rathaus von der Stabsstelle für Stadtmarketing organisiert, die Bürgermeister Jürgen Fried (SPD ) untergeordnet ist.

Die meisten Veranstaltungen im kulturellen Bereich laufen allerdings über die gemeinnützige Neunkircher Kulturgesellschaft gGmbH, deren alleiniger Gesellschafter die Stadt Neunkirchen selbst ist.

Auch Homburg hat sich mit der Gründung der Homburger Kultur gGmbH für dieses Modell entschieden. Im Rathaus ist ein Kulturdezernent für das angeschlossene Amt für Kultur und Tourismus zuständig. Dieser Dezernent arbeitet allerdings ehrenamtlich. Dennoch steht er ganz normal in der Verwaltungshierarchie und ist der dritte Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Mit dem Kulturetat von rund einer Million Euro werden unter anderem musikalische Höhepunkte wie die Meisterkonzerte und der Homburger Musiksommer finanziert.

In Saarlouis ist das Amt für Kultur mit einem Etat von rund 1,42 Millionen Euro Chefsache. Es ist im ersten Dezernat für Allgemeine Verwaltung angesiedelt, das vom Oberbürgermeister Roland Henz (SPD ) geführt wird

Das kulturelle Leben in Merzig wird vom Amt für Wirtschaft, Tourismus und Kultur aus organisiert. Dieses Amt gehört zum Dezernat von Bürgermeister Marcus Hoffeld (CDU ). Der Kulturetat beträgt dort 350 000 Euro . In Zeiten von striktem Sparkurs setzen viele Städte auf Sponsoring durch Dritte und versuchen, neue Wege der Finanzierung zu finden.

So auch in Merzig. Dort werden Veranstaltungen des städtischen Kulturprogramms seit Jahren in Kooperation mit privaten Partnern wie der Villa Fuchs und der "Musik & Theater Saar" organisiert. Das Musical im Zeltpalast, das in Zusammenarbeit mit letzterem Partner stattfindet, hat sich mittlerweile als ein Höhepunkt in Merzig etabliert.

Über die Zukunft der Kultur in Saarbrücken diskutieren die SPD-Stadtratsfraktion (Donnerstag, 5. März, 19 Uhr) und die Saarländische Gesellschaft für Kulturpolitik (Mittwoch, 18. März, 19 Uhr), beide im Rathausfestsaal St. Johann.