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Bye, bye Provinz – Regionen ächzen unter Landflucht

Koblenz. „Zu vermieten“-Schilder und verrammelte Fenster – das sind die Anzeichen für Bevölkerungsschwund. Der trifft einige ländliche Regionen von Rheinland-Pfalz jetzt besonders hart und stellt sie vor existenzielle Probleme. Agentur

Leere Läden, verlassene Häuser, fehlende Ärzte - in Teilen von Rheinland-Pfalz sterben Dörfer regelrecht aus. Die Bevölkerung geht insgesamt zurück, der demografische Wandel lässt grüßen. Vor allem Junge kehren dem Land den Rücken, siedeln in der Stadt. Abgelegene Gegenden in Eifel, Hunsrück oder Südwestpfalz bluten regelrecht aus. Die Gründe sind Sozialwissenschaftlern zufolge vielfältig, die Instrumente zum Gegensteuern begrenzt.

Eine deutschlandweite Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit dem Titel "Die Zukunft der Dörfer" kommt zu dem Schluss, dass der Bevölkerungsrückgang überwiegend entlegene Gebiete treffen wird. Im Westen Deutschlands seien besonders Rheinland-Pfalz, Südostniedersachsen, das nördliche Hessen sowie Nordbayern betroffen.

Doch was hat das für Folgen? Der Landärztemangel ist in aller Munde, zu befürchten ist auch ein Einbruch der Mitgliederzahlen bei den Feuerwehren. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft spricht von Herausforderungen im Umgang mit Leerständen. Entsprechend sorgt sich die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz um Denkmäler. Von den rund 45 000 im Land befänden sich etwa 30 000 in Privatbesitz, 90 Prozent seien bewohnt - noch.

Weniger Menschen heißt auch: weniger Geld. Steuereinnahmen sinken, öffentliche Zuwendungen, die sich an der Bevölkerung der Orte bemessen, schrumpfen. Laut Berlin-Institut lässt sich mancherorts Infrastruktur kaum mehr bezahlen. Das Fazit dieser Studie: "Die ländlichen Gebiete stehen damit vor der Wahl, sich ihrem Schicksal zu ergeben und sich irgendwann zu entvölkern, oder aber mit innovativen Ideen zu Pionieren des demografischen Wandels zu werden."

Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes sank die Einwohnerzahl in Rheinland-Pfalz zwischen 2000 und 2010 am meisten in den ans Saarland grenzenden Kreisen Birkenfeld (-7,8 Prozent), Kusel (-7,7) und Südwestpfalz (-6,2). Und bis 2030 soll sie im zweistelligen Prozentbereich schrumpfen, am heftigsten mit minus 20 Prozent in Pirmasens. Dort wirke der Zusammenbruch der Schuhindustrie noch nach, wie Oberbürgermeister Bernhard Matheis (CDU ) erklärt. Seit Mitte der 1960er Jahre seien rund 20 000 Einwohner verloren gegangen, nun leben dort 40 000.