„Am Kulturetat wird nicht gespart“

Die Stelle von Dezernent Schrader wird gestrichen, das Umweltdezernat hat die Koalition Ende 2012 wiederbesetzt, kritisiert die FDP-Fraktion. Damals sei die Haushaltslage aber auch schon dramatisch gewesen.

SPD und Linke haben am Freitag die Entscheidung verteidigt, die Stelle des Dezernenten für Kultur, Bildung und Wissenschaft, Erik Schrader (FDP ), zu streichen. "Die Kulturpolitik in Saarbrücken wird keinen Schaden erleiden. Es wird weiterhin einen Dezernenten geben, der für Kultur verantwortlich ist", erklärt die SPD-Fraktion . Die Arbeit an der Verwaltungsspitze müsse nun neu organisiert werden. Die SPD versichert: "Die freie Kulturszene und Initiativen werden weiter von der Stadt in gewohnter Weise unterstützt." Künstler hatten in der SZ bedauert, dass das Dezernat aufgelöst wird und Schraders Arbeit gelobt.

Auch die Linksfraktion im Stadtrat wies darauf hin, dass die Kulturlandschaft jetzt nicht zusammenbrechen werde. "Es wird nicht am Kulturetat gespart und auch keine Stelle in den Ämtern gestrichen", sagte Fraktionschefin Claudia Kohde-Kilsch. Die Kultur habe weiter einen hohen Stellenwert in der Stadt. "Wir haben in den letzten Jahren erreicht, dass das Filmhaus nicht privatisiert wurde. Gleichzeitig hat die freie Kulturszene mit dem Alten Feuerdrachen neuen Raum erhalten", erklärte Kohde-Kilsch. Die FDP-Stadtratsfraktion kritisierte dagegen die rot-rot-grüne Koalition und deren Begründung, ein wichtiges Zeichen zur Haushaltssanierung setzen zu wollen. Diese Einsicht komme spät. "Die desolate Haushaltslage war bereits im Dezember 2012 bestens bekannt. Dennoch wurde zu diesem Zeitpunkt das Dezernat für Umwelt durch Thomas Brück, Mitglied der Grünen, neu besetzt. Auch stellt sich die Frage, warum SPD , Linke und Grüne weiterhin die Notwendigkeit eines Fahrradbeauftragten für die Landeshauptstadt derart verteidigen, wenn wir doch durch eine schlanke Verwaltung den Schuldenabbau vorantreiben wollen", erklärt die FDP-Fraktion .

Die Liberalen kritisieren besonders die Aussage von SPD-Fraktionschef Peter Bauer, die politische Mehrheit im Stadtrat solle sich auch auf der Dezernatsebene wiederfinden. "Das zeigt wieder einmal, wie hier gedacht und gehandelt wird, Qualitäten wie Sachverstand und Fachwissen sind zweitrangig, es kommt scheinbar nur auf das Parteibuch an."

Das freie Familienforum Saar ist entsetzt über die Abschaffung des Dezernats. Schrader sei auch für die Krippen und Kindergärten sowie die Grundschulen zuständig. Dem Dezernenten sei es gelungen, den Krippenausbau vorbildlich und unaufgeregt voranzutreiben. Die Koalition konterkariere nun die Entscheidung des Landes, mehr für Familien zu tun. Martina Rausch: Saarbrücken wird weiterhin Kindergärten und Grundschulen für Kinder bereitstellen. Irgendein anderes Dezernat wird das halt zusätzlich mitmachen. Da derjenige Dezernent, der den Bereich jetzt zusätzlich bekommt, nicht auf einmal mehr Zeit hat, wird also weniger Zeit für Kindergärten und Schulen zur Verfügung stehen (und für die anderen Aufgaben dann auch).

Peter Alt-Bartross: Dadurch wird sich für Bildung und Kultur nur recht wenig ändern. Die Verwaltung bleibt träge, langsam und bürokratisch wie zuvor.

Silke Theobald: Es gibt doch genug andere Stellen und Planungen, an denen eingespart werden kann. Ich sag nur Stadtmitte am Fluss oder Tunnel.

Darcy Housecat: Eine sehr traurige Entwicklung für Saarbrücken . Andere Städte haben längst erkannt, dass die Kunstszene einen enormen Anteil an der Entwicklung einer Stadt hat. Gerade die Kreativität der Künstler macht eine Stadt lebenswert. Kombiniert mit der Betonflächenwut von Frau Wandel-Hoefer wird eine zu Tode gesparte Stadt übrig bleiben, die nur noch arm und gar nicht sexy ist. (…) Es geht um den Stellenwert, den Kultur haben sollte. Sie sollte eben nicht so nebenbei von einem anderen Dezernat mitgemacht werden. Es würde niemandem einfallen, die Baudezernentin zu feuern und das Bauamt dem Kulturdezernat zuzuordnen.

Felix Koch: Unfassbar! Das zeigt auch das Bildungsniveau der für diese Entscheidung verantwortlichen Politiker/innen. Mein herzliches Beileid für alle Kolleginnen und Kollegen, die sich in Saarbrücken für Kultur engagieren. Das ist für alle ein Schlag ins Gesicht. Und man kann nur reagieren, indem man zur Abwahl dieser Entscheidungsträger aufruft!

facebook.com/

saarbrueckerzeitung.sb