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Vortrag über das französische Bildungssystem
„Paris bleibt das intellektuelle Zentrum“

Rolf Wittenbrock erläutert das französische Schulsystem.
Rolf Wittenbrock erläutert das französische Schulsystem. FOTO: Rolf Wittenbrock / Michel Brumat Photographe
Saarbrücken. In einem Vortrag nimmt Rolf Wittenbrock morgen das französische Bildungssystem unter die Lupe. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

() 2017 lag die Erfolgsquote der französischen Schüler beim Abitur und Fachabitur bei 87,9 Prozent. Das entspricht 78,9 Prozent einer Generation. Im Gegenteil fehlen in unserem Nachbarland immer mehr Handwerker, Lehre und Ausbildung werden im französischen Bildungssystem stiefmütterlich behandelt. Das will Präsident Emmanuel Macron ändern und kündigte kurz nach seiner Wahl eine entsprechende Reform an. Doch er wird es schwer haben, vermutet Rolf Wittenbrock, Ex-Oberstudiendirektor und Leiter des Deutsch-Französischen Gymnasiums in Saarbrücken, der morgen über das französische Bildungssystem referiert. „Immer noch genießen die junge Menschen, die zur Uni gehen, größeres Sozialprestige als diejenigen, die sich für eine Lehre entscheiden“, beschreibt der Experte.


Doch auch nur die wenigsten französischen Universitäten zählen zu den Kaderschmieden der Republik. Viel mehr wird die zukünftige Führungselite der Nation in den sogenannten „Grandes Ecoles“ ausgebildet (deutsch: Hohe Schulen). Zwei Jahre lang bereiten sich Abiturienten in der Regel auf den sehr anspruchsvollen Aufnahmetest dieser spezialisierten Eliteschulen vor. Die allermeisten dieser Bildungseinrichtungen befinden sich in Paris – Zentralismus verpflichtet. „Paris bleibt das intellektuelle Zentrum“, sagt Wittenbrock. Auch wenn Macron und sein Bildungsminister Jean-Michel Blanquer äußere Anzeichen gäben, dieses elitäre System öffnen zu wollen, müsste man konkrete Schritte abwarten. Immerhin stammten beide Politiker selbst aus diesem System. Einige Initiativen, den Zugang zu den „Grandes Ecoles“ zu demokratisieren, gibt es bereits, zum Beispiel Mentoren-Partnerschaften zwischen diesen Einrichtungen und Schulen aus Problemvierteln, damit deren beste Schüler auch die Chance haben, den Aufnahmetest zu bestehen. „Trotz positiver Beispiele sollte dies nicht darüber weg täuschen, dass solche Schüler oft nicht mit dem gleichen kulturellen Kapital, dem gleichen Netzwerk und einer vergleichbaren finanziellen Unterstützung in ihre akademische Laufbahn starten als ihre Kommilitonen“, warnt Wittenbrock.

Der Vortrag „Das französische Bildungssystem – Der alltägliche Spagat zwischen egalitärem Anspruch und elitärer Auslese“ von Rolf Wittenbrock, Oberstudiendirektor a. D., findet morgen, 21. Juni, um 18 Uhr im Saarbrücker Stadtarchiv statt.