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Pfandexperiment in Frankreich
Flaschen und Shampoo-Dosen: Pfandsystem à la française

Der Pfandautomat beim Supermarkt in Oeting bei Forbach kommt bei der Kunden gut an.
Der Pfandautomat beim Supermarkt in Oeting bei Forbach kommt bei der Kunden gut an. FOTO: Hélène Maillasson
Oeting. Im grenznahen Oeting können Kunden ein Teil ihres Supermarkteinkaufs mit dem Erlös aus leeren Plastikflaschen bezahlen. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Sie gehören zu den Lieblingsprodukten, die saarländische Kunden auf der anderen Seite der Grenze einkaufen: Getränke in Plastikflaschen. An einem Qualitätsunterschied zwischen dem Wasser oder den Säften, die in Deutschland und in Frankreich verkauft werden, wird es kaum liegen. Viel mehr geht’s um Geld, genauer gesagt um das Pfand.


Doch wie lange werden die Plastikflaschen bei unseren Nachbarn noch pfandfrei bleiben? Anfang des Jahres kündigte das Umweltministerium in Paris an, an mehreren neuen Ansätzen zu arbeiten, um die Recyclingquoten zu erhöhen. Einer davon ist die Einführung von Pfand für Plastikflaschen. Doch bevor sich der Staat der Problematik annimmt, haben schon Akteure der Privatwirtschaft erste Experimente in dieser Richtung gewagt. Unter anderem in Oeting bei Forbach. Hier hat Luc Gissinger, Leiter des örtlichen Supermarkts Super U, im September 2016 einen Container auf dem Parkplatz seines Geschäfts aufstellen lassen. „In den ersten zwölf Monaten wurden so 80 Tonnen Plastik eingesammelt“, erklärt Gissinger. Dabei sind es nicht nur Getränkeflaschen, sondern zum Beispiel auch leere Shampooverpackungen.

Der Pfandautomat wurde von der Firma Suez auf den Parkplatz aufgestellt und wird von ihr gewartet. Ebenso beteiligt sie sich zur Hälfte an den Wertgutscheinen, welche die Menschen bekommen, die ihre Plastikpackungen dort entsorgen. Diese Gutscheine können dann im Oetinger Supermarkt eingelöst werden, um einen Teil des Einkaufs zu bezahlen. Die Beträge sind viel niedriger als beim deutschen Pfandsystem: zwei Cents für eine Flasche ab einem Liter und ein Cent für eine kleine Flasche. Doch es kommt bei den Kunden an. Denn anders als in Deutschland handelt es sich nicht um eine Summe, die sie beim Kauf der Flaschen schon vorausbezahlt haben, sondern um einen Bonus. Im vergangenen Jahr wurden Gutscheine für insgesamt 44 000 Euro ausgestellt. „Die Gutscheine sind nur bei uns einlösbar, doch die Flaschen können überall gekauft worden sein. Sie müssen nur aus Plastik sein“, erläutert Gissinger die Bedingungen. Warum ist es also für seinen Betrieb interessant, sich an diesem Experiment zu beteiligen und die Hälfte der Kosten für die Gutscheine zu tragen? „Weil wir dadurch neue Kunden bekommen. Und außerdem hoffe ich, dass wir mit dieser kleinen Geste zu einer Veränderung in den Mentalitäten beitragen können, zu mehr Umweltbewusstsein.“ Auch in St. Avold und bei Saargemünd haben sich zwei Supermärkte diesem Pfandsystem angeschlossen, doch im Forbacher Raum ist der Oetinger Supermarkt der Einzige.

Auch das Unternehmen Suez betont die umweltfreundliche Ausrichtung des Projekts. Und hat dabei natürlich auch ein wirtschaftliches Interesse. Denn für viele seiner Aktivitäten braucht der Konzern Plastik als Rohstoff und den bekommt er durch die Recycling-Kioske vom Verbraucher in größeren Mengen zur Verfügung gestellt. Frankreichweit hat das Unternehmen bisher hundert Pfandautomaten aufgestellt. Weitere könnten in den nächsten Jahren noch dazu kommen.