Moment mal

Moment mal Schöne Bescherung oder: GoldeneTipps, wie Weihnachten ein Fest wird Liebe Leserinnen, Liebe Leser, wiederholt habe ich Sie in den letzten Wochen an dieser Stelle in bester Franz-Beckenbauer-Manier mit der Frage überrascht, ob denn heut' scho' Weihnachten sei

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Schöne Bescherung oder: GoldeneTipps, wie Weihnachten ein Fest wird

Liebe Leserinnen, Liebe Leser, wiederholt habe ich Sie in den letzten Wochen an dieser Stelle in bester Franz-Beckenbauer-Manier mit der Frage überrascht, ob denn heut' scho' Weihnachten sei. Ein so genannter "running gag", ein sich wiederholender Spaß quasi, den ich mir deshalb ein letztes Mal als Einstieg genehmige, steht doch das Fest der Feste unmittelbar bevor. Noch zweimal schlafen, dann ist er da, der heilige Abend. Die "Sti-hi-lle Nacht", das nicht immer besinnliche "Lasst uns fro-ho uh-und mun-ter sein!" Weihnachten pur, Fest der Emotionen. Das zu feiern wir offensichtlich schon verlernt haben. Oder wie sonst würden Sie den Umstand deuten, dass es mittlerweile sogar schon eine verkappte Gebrauchsanweisung für das Fest der Liebe gibt? Zehn "goldene Regeln", damit Weihnachten gelingt. Ausgedacht von einem findigen Unternehmensberater namens Hannes Sieber, der mit Nachdruck dafür wirbt, dass man diese Regeln doch kommunizieren und beherzigen solle.Wer sich die Mühe macht, die in modernem Design aufbereitete Powerpoint-Präsentation durchzuklicken, der wird vieles entdecken, was selbstverständlich sein sollte. Doch weil gerade das Selbstverständliche in unserer heutigen modernen Zeit nicht mehr selbstverständlich ist, ist es schön, das Alte aufs Neue zu entdecken. In zehn goldenen Regeln, die zu beherzigen in der Tat angeraten scheint.Beispielsweise der Tipp, wonach man Weihnachten mit den Menschen feiern sollte, mit denen man auch feiern will, denn gerade an Weihnachten gibt es sehr viele Erwartungen und Ansprüche. Nicht immer sind es die Menschen, mit denen Sie feiern wollen. Laden Sie also nur die Menschen ein, mit denen Sie wirklich feiern wollen. Oder feiern Sie Weihnachten dieses Jahr ganz anders, denn die sich Jahr für Jahr wiederholende Zeremonie, die immer gleiche Dekoration, das immer gleiche Essen, die immer gleichen Leute, das wird langweilig. Deshalb: Nehmen Sie (kleine) Veränderungen vor. Gestalten Sie Ihre Wohnung anders als sonst. Machen Sie an den Feiertagen etwas anderes als bisher. Seien Sie kreativ mit einem anderen Menü, finden Sie andere Geschenke als jedes Jahr. Erleben Sie Ihre neue Flexibilität, denn genaue, oft geradezu perfektionistische Vorstellungen davon, wie Weihnachten laufen soll, machen Sorgen und Stress. Also gerade vor und an Weihnachten flexibel bleiben, und entspannt: So wie es ist, ist es gut. Wie wäre es damit, Ihre eigenen Bedürfnisse zu beachten? Ist nicht die Weihnachtszeit für viele Menschen mit hohen Erwartungen an gegenseitigem Entgegenkommen besetzt? Wie oft bleiben Sie und Ihre Bedürfnisse auf der Strecke, im Wahn anderen Gutes zu tun. Also achten Sie auf das, was Sie wollen und brauchen. Gestalten Sie Weihnachten so, dass es Ihnen gut tut! Nehmen Sie sich auch mal Zeit, denn allzu vieles scheint in diesen Tagen dem Diktat der Zeit unterworfen. Wäre es nicht schöner, wenn wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchen? Eingedenk der Tatsache, dass nicht alles machbar sein wird. Oder auch im Wissen darum, dass es nächstes Jahr wieder ein Weihnachtsfest geben wird. Vielleicht hilft es uns ja, wenn wir realistisch bleiben, wo doch alles um Weihnachten so toll ist, so großartig, so super, so grandios. Fakt ist, dass uns Jahr für Jahr ein umwerfendes Fest mit nie geahnten Höhen, mit nie gelebten Gefühlen, mit nie verströmter Harmonie und der nie erfahrenen vollen Portion Freude pur erwartet. Aber: Eigentlich ist Weihnachten auch irgendwie normal. Und da hilft es manchmal, sich dazu zu zwingen, "auf dem Teppich zu bleiben".Leicht ließe sich die Aufzählung erweitern, aus zehn Tipps würden 20, aus 20 würden 100. Dabei gibt es kein Patentrezept. Nicht für Weihnachten und auch nicht dafür, positiv zu denken. Na ja, mit Abstrichen vielleicht eines, der Wunsch und die Aufforderung zum Beispiel, sich zu freuen. Denn Weihnachten ist das Fest der Freude. Seit Wochen wird uns gezeigt, worüber wir uns freuen sollen: Über neue Handytarife, Fertigsuppen, Winterreifen, Computerzubehör, Softdrinks, Bastelarbeiten, Spendenaufrufe und, und, und. Vor lauter offizieller Freude kommen wir kaum noch dazu, uns zu freuen. Machen Sie es anders: Freuen Sie sich - einfach mal über freie Tage, einen klaren Wintertag, die tief stehende Sonne, vielleicht ein paar Schneeflocken. Über ein wenig Zeit für sich und alles andere. Michael Klein Chefredakteur