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Kolumne AchWas?! Sport und Ernährung

Kolumne AchWas?! : „Eine anständige Fleischportion“

Der Ball soll am Wochenende wieder rollen. Zumindest in Deutschland. Zumindest in der 1. und 2. Bundesliga. Wenn das Virus mitspielt. Unsere Nachbarn schauen auf uns, wie das mit dem Kicken in Corona-Zeiten funktioniert.

Erfolg jedenfalls geht auch beim Fußball inzwischen durch den Magen. Das wird uns intensivst gepredigt. Kein Top-Verein, der nicht seinen Ernährungsexperten auf der Gehaltsliste hat.

Der oder die klärt Profis über leistungssteigerndes Zuführen oder Weglassen von Kohlehydraten, Fetten und Zucker sowie Vitaminen und Mineralstoffen aller Art auf (und die Ehefrauen und Freundinnen ebenfalls). Und Fleisch wohl dosiert. Der FC Liverpool holte für diese Aufgabe mit Mona Nemmer eine Deutsche an die Anfield Road. Trainer Jürgen Klopp nannte sie im Fernsehen mal „unseren einzigen wirklichen Weltklassespieler“ und sagte: „Das richtige Essen im richtigen Moment kann einen kleinen Unterschied machen und hat eine wahnsinnig große Wirkung.“

Okay. Das mit dem Essen als Erfolgsrezept sah man nicht immer so absolut. 1998 hat der Deutsche Fußball-Bund ein Kochbuch unterstützt. Titel: „Die große Fußball-Fitness-Küche, 150 Power-Rezepte für die gesunde Sporternährung“.

Drei Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft erinnern sich im Vorwort. Fritz Walter etwa. Er sei ein leidenschaftlicher Suppenesser gewesen, bekennt der „Rote Teufel“. Und die Soße habe gar nicht „lang“ genug sein können. „Wenn ich manchmal nachts um 24 Uhr heimkam, dann habe ich mir aus dem Kühlschrank den Topf mit der Soße geholt und sie warm gemacht.“ Bei der Weltmeisterschaft 1954 war Walter 33 und musste schon etwas mehr für seine Fitness tun. „Morgens nahm ich ein bis zwei Orangen, eine halbe Zitrone, die zu einem Obstsaft natur ausgepresst wurden. Dazu Tee mit Bienenhonig und viel Quark. Das Mittagessen bestand aus einer anständigen Fleischportion, aus Salaten und Gemüse. Das Abendessen nahm ich sehr früh ein. Zwischen 21 und 22 Uhr erlaubte ich mir höchstens noch etwas Obstsalat, einen Apfel oder eine Birne.“

Uwe „Uns Uwe“ Seeler erzählt aus seiner Zeit: „Damals wurde gegessen, was schmeckte. In meinem persönlichen Fall waren dies vorwiegend Fleischgerichte und Salat. Bei der Dosierung habe ich mich immer auf mein eigenes Gefühl verlassen.“ Franz Beckenbauer, dem „Kaiser“, fällt die Weltmeisterschaft 1990 in Italien ein. Da war er Trainer. Ein Disput sei entbrannt, als die Spieler im Bus Richtung Quartier Butterbrote bekamen, „die entweder zu dick oder zu dünn belegt waren – ich weiß es selbst nicht mehr so genau“.

Ob Jogis Jungs im Bus auch Butterbrote bekommen?