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Krippenausstellung in Schaufenstern in Zweibrücken

Serie: Zweibrücker Krippenweg : Bunt und böhmisch

Zum Abschluss der Serie über (teils derzeit noch) in Zweibrücker Schaufenstern ausgestellte Krippen: die Krönung im Stadtmuseums-Café.

Das historischste Kleinod der Zweibrücker Krippenausstellung erfreut, wie könnte es anders anders sein, am Eingang des Cafés an der Rückseite des Stadtmuseums. Hier beginnt oder endet hier der Zweibrücker Krippenweg.

Diese wunderschöne Krippe aus dem Böhmen krönt und beschließt auch die Krippenserie im Pfälzischen Merkur. Die Krippe stammt aus der umfangreichen Sammlung des Mannheimer Ehepaars Monika und Bernd Hartlieb, enge Freunde von Museumsleiterin Charlotte Glück und Ehemann Gunter Kürbele. Die beiden Krippenliebhaber sind ganz begeistert, dass es den Zweibrückern gelungen ist, eine solche Krippenausstellung in den Geschäften und Leerständen zu realisieren. War doch in Mannheim-Ludwigshafen ein ähnliches Projektvorhaben im Sande verlaufen.

Die Hartliebs sammeln schon seit Jahrzehnten Krippen und verfügen über einen vielfältigen Fundus vor allem ausländischer Krippen. Viele Stammen über das Geburtsland von Monika Hartlieb, Polen, aus weiteren Ländern Osteuropas, doch etliche aus der ganzen Welt. Bei ihrer Arbeit mit Flüchlingsfamilien war der kirchlich engagierten Berufsschullehrerin immer daran gelegen, für sie die passenden Krippen aus ihrem Heimatland zu finden.

Zu den besonderen Lieblingen von Monika und Bernd Hartlieb gehört diese historische Krippe aus dem 19. Jahrhundert. Historikerin Glück schätzt sie auf etwa 1895. Im Gegensatz zu Polen durfte sie aus Böhmen exportiert werden.

Über einen befreundeten Krippensammlern, der gleich nach der Wende oft Tschechien bereist und dort überall nach Krippen gesucht hatte, kam sie in die Hartliebsche Sammlung.

Sie stammt aus der Gegend des Klosters Maria in Oberschlesien, welches Monika Hartlieb persönlich besucht hat, nachdem es nach der Wende aus seinem Ruinenschlaf wieder aufgebaut und zu neuem Leben erweckt wurde. In der armen Gegend beteiligte sich die ganze Familie an der Krippenschnitzerei: Die Männer griffen zum Schnitzmesser, Frauen und Kinder bemalten die Figuren mit feiner Genauigkeit. Holz gab es vor Ort, so dass die Familien mit wenigen Mitteln etwas herstellen konnten, um auch im Winter Einkommen zu generieren und zu überleben.

Die Museumskrippe mit ihren fast 40 Figuren (Menschen und Tiere) stammt aus einer Hand. Das lässt sich an der Gestaltung der Gesichter ablesen. Hartliebs haben sie für Zweibrücken ausgewählt vor allem für die Kinder, weil sie eine so bunte Vielfalt an Figuren zeigen. In dieser Version ist das Jesuskind schon groß und sitzt auf dem Schoß von Mutter Maria. Viele Krippen sind mit zwei Marien und zwei Jesuskindern in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen ausgestattet. Monika Hartlieb weiß: „Zu Heilige Dreikönige werden die Figuren häufig ausgetauscht“.

Merkwürdig anmuten mag die Kulisse. Jedoch existieren verschiedene Theorien über den Platz, an dem Jesus geboren wurde. Gestalten manche Krippenbauer eine Höhle oder einen einfachen Viehstall, hat sich der böhmische Kunsthandwerker für eine Ruine entschieden. Da Josef bekanntlich auf dem Hause Davids stammt, stellt diese ein Relikt vom Davids-Palast dar.

Auffällig ist die Gestaltung der Heiligen Drei Könige in der Krippe, denn sie sind sichtlich unterschiedlich alt. Bernd Hartlieb erklärt: „Es heißt, sie stammen aus den verschiedenen Kontinenten, der Junge aus Afrika, daher der große Elefant. Der Mittelalte kommt aus Asien, symbolisiert durch die Kamele. Der Alte aus Europa bringt seinen weißen Schimmel mit.“ Eine Vielzahl weiterer Gabenbringer stammen aus dem eigenen Volk. Sie tragen eine schwer beladene Kiepe, bringen dem König der Welt böhmische Striezel, frische Früchte, ein Huhn. Der Müller trägt einen Getreide-Sack auf Rücken, ein anderer schleppt einen Krug mit Bier oder Honig, im Schubkarren kommen Kartoffeln oder Kohlen. Vielfältig sind auch die Musikanten wie Fiedler oder Schalmeibläser, die den segnenden Gloria-Engel begleiten. Der böhmische Dudelsackspieler beweist, dass es das Instrument keineswegs nur in Schottland oder Irland gibt.