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Zweibrücker Chor Cantamus spendet Spiel- und Lernstube Webenheimstraße

Chor Cantamus unterstützt Spiel- und Lernstube Webenheimstraße : Wenn nicht singen, dann halt spenden

Begeistert von dem Engagement der Spiel- und Lernstube Webenheimstraße, sammelte der Chor Cantamus selbst ohne Chorweihnacht in diesem Jahr und spendete privat 540 Euro für den guten Zweck.

Eigentlich. So beginnen in diesem ungewöhnlichen Jahr viele außergewöhnliche Geschichten. So auch diese. Eigentlich hatten der Zweibrücker Chor Cantamus nach dem riesigen Debüt-Erfolg im Vorjahr gemeinsam mit „Cantabile“ und dem „Himmelsbergchörchen“ erneut eine „Zweibrücker Chorweihnacht“ geplant. Auch diesmal hätte die ersungene Spende – im Vorjahr aufgerundet auf 2222 Euro – wieder einem sozialen Zweck in Zweibrücken zu Gute kommen sollen. Doch als die Auflagen stiegen, war schnell klar: Die „Zweite Zweibrücker Chorweihnacht“ fällt wohl ins Corona-Wasser.

„Uns hat der Lockdown im März getroffen wie Rennpferde vor dem Start“, beschreibt der Vorsitzende, Klaus Fuhrmann. Nur wenige Tage nach dem endgültigen „No Go“ hätte der Chor unter Leitung von Bernd Jost bei einem befreundeten Chor in Lambsborn singen wollen. „Wir waren perfekt eingeprobt, voller Vorfreude und standen in den Startlöchern, wollten so gerne loslegen“, erinnert sich der Vorsitzende an die große Enttäuschung.

Da allerdings dachten noch alle, dass lediglich sechs bis acht Wochen zu überbrücken seien, der ganze Spuk danach vorüber sein und der reguläre Probenalltag wieder beginnen würde. Weit gefehlt. Klaus Fuhrmann bestätigt: „Wir haben seitdem nicht ein einziges Mal zusammen gesungen.“

Neben der Freude an der Musik, steht für die rund 25 Sängerinnen und Sänger vor allem die Gemeinschaft im Mittelpunkt, und zwar von Angesicht zu Angesicht. „Mit sechs Metern Abstand singen oder uns gar über das Internet zum Singen treffen, kam für uns alle nicht in Frage“, betont der Vorstand. Gewünscht sei das „wahre Chorerlebnis“.

Was den Chor durch die ersten Wochen trug, war das zuletzt geprobte Lied „Hinter’m Horizont geht’s weiter“ von Udo Lindenberg, das quasi zum „Cantamus-Überlebensmotto“ wurde.

Wer den Chor außerdem durch die Durststrecke trug, war Billie Jean Paulus. Die Leiterin der Spiel- und Lernstube Webenheimstraße hatte sich für die großzügige Spende von 1111 Euro (hälftig geteilt mit der Spiel- und Lernstube Brückenstraße) mit aufbauenenden Texten und Geschichten aus ihrem privaten „Briefkasten für die Seele“ (wir berichteten) bedankt.

Außerdem hielten sie und Klaus Fuhrmann das ganze Jahr über Kontakt. So erfuhr auch die Chormitglieder, welche Freuden sie den Kindern von dem ersungenen Geld bereitet hatten.

Billie Jean Paulus berichtet: „Als erstes waren wir im Februar davon im Musical Pinoccio in der Festhalle.“ Ein großartiges Erlebnis für Kinder aus oft schwierigen sozialen Verhältnissen. „Die Kinder haben noch wochenlang die Lieder nachgesungen“, weiß Klaus Fuhrmann aus ihren Erzählungen. Die Begeisterung, mit der die Leiterin der sozialen Einrichtung immer wieder von der Freude und der Dankbarkeit der Kinder berichtete, sich diese selbst beim Chor bedankten, rührte die Chorgemeinschaft. Schnell beschloss Cantamus: „Wir spenden auch in diesem Jahr.“ 540 Euro sammelten die Sängerinnen und Sänger zusammen.

Und wieder einmal gelang es Billie Jean Paulus, die Großzügigkeit mit einer grandiosen Idee zu vergelten. Da das Geld von einem Chor stammt, will sie es in Musikprojekte für die Kinder investieren. „So billig kommt ihr mir diesmal nicht davon“, hatte sie Cantamus scherzhaft wissen lassen. Sobald es möglich ist, wollen die 13 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren den Chor besuchen.

Da in der Adventszeit auffiel, mit welcher Hingabe und mit was für schönen Stimmen sie selbst die alten Weihnachtslieder wie „Es ist ein Ros’ entsprungen“, sangen, ist für die „Zweibrücker Chorweihnacht 2021“ mindestens ein Lied gemeinsam mit den Kindern von der Webenheimstraße geplant. Weitere Ideen, das Spendengeld von Cantamus zu investieren, sind Musikinstrumente oder ein Musikkurs, wie etwa ein Trommelkurs.

„Das ist einfach der Wahnsinn, was diese Frau alles mit dem Geld auf die Beine stellt. Sie hat uns mit ihrem Herzblut und ihrem Engagement motiviert und gut über dieses Jahr geholfen“, anerkennt Klaus Fuhrmann.

Auch die Chormitglieder untereinander sorgten per Whats-App-Gruppe oder E-Mail-Verteiler mit ermutigenden Botschaften dafür, den Gemeinschaftsgeist zu erhalten. Denn alle wissen: „Man muss sich gegenseitig mit sehr viel Fantasie und Enthusiasmus einbringen, damit nichts verloren geht. Und damit die Tür zueinander offen bleibt.“