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„Es war Liebe auf den ersten Blick“

„Es war Liebe auf den ersten Blick“

Der Hengst Le Noir ebnete Dressurreiterin Uta Gräf den Weg auf viele Treppchen. Jetzt soll Le Noir die Vielfalt seine außergewöhnlich positiven Eigenschaften an möglichst viele Nachkommen weitergeben.

Le Noir ist aufgeregt. Kaum im Landgestüt Zweibrücken angekommen, steigen dem schwarzen Hengst mit den vier weißen Beinen und dem herzförmigen Stern auf der Stirn Düfte von rossigen Stuten in die Nüstern und erinnern ihn an seine Männlichkeit. Hier war er doch schon mal? "Wir waren schon mal zum Absahnen hier auf der EU-Besamungsstation", erinnert sich Besitzer Hans Herzog.

Willig lässt sich der attraktive Pferdemann in seine vorbereitete Box führen. Er dreht eine Runde, um sein Zuhause auf Zeit zu erkunden, wiehert kurz auf und beschäftigt sich dann mit dem duftenden Heuberg, der schon auf ihn wartet. Auch die Möhren, die es als Willkommensgruß gibt, malmt er genüsslich. "Wir passen gut auf ihn auf", beruhigen Sigrid Broscheid und Dr. Therese Willmen, die Leiterin der Besamungsstation. Während der gesamten Decksaison wird der international hoch erfolgreiche Dressurhengst jetzt im Landgestüt bleiben. Zum ersten Mal seit 2008 sind der hochkarätige Rappe und seine blonde Reiterin voneinander getrennt. Sonst steht Le Noir auf dem Rothenkircher Hof in Kirchheimbolanden bei Uta Gräf und ihrem Lebensgefährten Stefan Schneider. Von dort aus reiste das Traumpaar im pfälzischen Dressursport auf große, internationale Turniere. 2013 standen sie sogar auf der Longlist für die Olympischen Spiele in London, nahmen an den Vorbereitungen teil und blieben dann doch Zuhause. "Es war eine tolle Zeit", möchte Uta Gräf diese Erfahrungen nicht missen. 2008 hatte sie sich für Le Noirs gekörten Sohn Le Docteur interessiert. Aus der Bekanntschaft mit Herzog entwickelte sich eine innige Freundschaft und statt des Sohnes hielt der Vater, damals gerade achtjährig, Einzug auf dem Rothenkircher Hof. Am pfälzischen Dressurhimmel ging ein neuer Stern auf. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich Uta Gräf. Le Noir war das Pferd, das ihr den Weg auf die internationale Ebene und regelmäßig auf das Treppchen ebnete. Und sie ihm. Ihr allererstes Turnier bestritten die beiden Anfang März damals in Zweibrücken . "Eine M-Dressur. Wir wurden auf Anhieb Vierte bei starker Konkurrenz", weiß Herzog, der Pferd und Reiterin auf fast jedes Turnier begleitete. Zwei Jahre später war das Paar an der Deutschen Spitze angekommen. "Damals waren wir in Hagen bei der Qualifikation zum Deutschen Medienpreis Zweite hinter Olympiasiegerin Kristina Sprehe und Desperados", erinnert sie sich an einen ihrer schönsten Erfolge. Und den Sieg in der Kür vor dem Wiesbadener Schloss in ganz großer Kulisse und internationaler Konkurrenz.

Jetzt soll Le Noir die Vielfalt seine außergewöhnlich positiven Eigenschaften an möglichst viele Nachkommen weitergeben. "Er ist einfach lieb", strahlt Uta Gräf. Dabei dennoch sehr maskulin sowie unendlich leistungswillig und leistungsfähig. "Ein Pferd mit einem solchen Charakter, gepaart mit dieser Ausstrahlung und so guten Grundgangarten muss man erst einmal finden", sagt sein Besitzer stolz. Gleich heute, nachdem er sich an der Longe ausgiebig die Beine vertreten und seine überschüssigen Energien ausgetobt hat, darf der Hengst auf dem Phantom seinen Samen spenden - für den nächsten kleinen "Le Noir".