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Ein Becher Wein - das lass ich sein!

Ein Becher Wein - das lass ich sein!

Zweibrücken. Das drohende Glasverbot auf dem Zweibrücker Stadtfest 2013 entsetzt Freunde edler Weintropfen. Der Winzerhof Balz aus Flonheim hat für den Fall jetzt sein Abschied vom Fest erklärt. Steffi Balz: "Ausschreitungen und Verletzungen in Ehren, aber ein Glasverbot für Wein geht gar nicht. Keiner trinkt Wein aus Plastik." Seit vier Jahren sei der Hof in Zweibrücken präsent

Zweibrücken. Das drohende Glasverbot auf dem Zweibrücker Stadtfest 2013 entsetzt Freunde edler Weintropfen. Der Winzerhof Balz aus Flonheim hat für den Fall jetzt sein Abschied vom Fest erklärt. Steffi Balz: "Ausschreitungen und Verletzungen in Ehren, aber ein Glasverbot für Wein geht gar nicht. Keiner trinkt Wein aus Plastik." Seit vier Jahren sei der Hof in Zweibrücken präsent. "Wir stehen immer bis zum Schluss am Stand, da gab es noch nie Zwischenfälle. Dass sich an den Rockbühnen, wo es Bierhumpen gibt, Leute um die 20 prügeln, das hats immer gegeben. Aber das ist ja nicht das Weinpublikum", ergänzt sie. Gäbe es keine Gläser, würden Prügelwillige eben mit "Fahrrädern, Blumenkübeln oder Schlagstöcken" aufeinander losgehen. "Man kann ein Fest mit einem solchen Reglement ganz schnell kaputtmachen", glaubt Balz, deren Meinung nach nur "viel Präsenz von Polizei, Ordnungsamt oder Security" das Prügel-Problem beheben könne. Balz verweist auch auf die Kosten, die für Plastikbecher entstünden. Derzeit benutze man Gläser im Wert von 3000 Euro - in Zweibrücken und bei neun anderen Festen. "Wir würden mit Sicherheit nicht nur für ein Fest 500 Euro ausgeben, um auf Plastik umzusteigen."Skeptisch auf die Kombination Wein und Plastik reagiert auch Harald Wosnitza von den Vereinigten Bewegungsspielern Zweibrücken. Auch die VBZ schenkt Wein aus, in Verbindung mit Flammkuchen. Wosnitza: "Es ist eine Frage der Zielsetzung: Will ich mich mit Wein betrinken, kann ich das auch aus Plastikbechern. Aber trinke ich aus Genussgründen, kann ich mir das nicht vorstellen." Er befürchtet, dass sich der Rebensaft dann auch kaum mehr an den Mann bringen lasse. Horst Köckritz von der SG Zweibrücken will es trotz aller Skepsis auf einen Versuch ankommen lassen. Mit seinem Verein ist er seit 25 Jahren dabei, verkauft auch Wein und Weinschorle: "Bei der Schorle kann ich mir Plastikbecher noch vorstellen, aber bei purem Wein kommt dann der Genuss nicht so rüber." Er kann sich vorstellen, dass der Verein auch 2013 sein Angebot aufrecht erhält, die Kunden entscheiden lässt und dann 2014 umzurüstet.

Bedauerlich findet das Glasverbot Jens Nowak von den Straußbuben Rimschweiler. Am Stand werden seit mindestens 20 Jahren Cocktails in sogeannnten Erlenmeyerkolben ausgeschenkt. "Es wäre sehr schade, wenn die wegfallen müssten." Man wolle aber erstmal abwarten, ob das Glasverbot wirklich kommt, ehe man sich nach Alternativen umschaue. Kulturamtschef Thilo Huble kommentiert den möglichen Abgang von Weinanbietern - die er zu den herausragenden gastronomischen Angeboten rechnet - so: "Der Oberbürgermeister hat die Zielorientierung vorgegeben. Wir werden uns nach dem diesjährigen Stadtfest mit den Beteiligten zusammensetzen und Auswirkungen diskutieren." Dabei werde auf der Tagesordnung stehen, was sich künftig ändere, welche Angebote wegfallen, wer nicht mehr teilnehme. Ob die Ausnahme möglich sei, dass etwa Weinanbieter weiter in Gläsern ausschenken dürfen, wollte er nicht kommentieren.