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Investitionen stehen für neuen Optimismus

Investitionen stehen für neuen Optimismus

Der Jahresstart 2009 war auch in der Südwestpfalz geprägt von Ängsten um die Zukunft, die Arbeitsplätze und um das wirtschaftliche Überleben

Der Jahresstart 2009 war auch in der Südwestpfalz geprägt von Ängsten um die Zukunft, die Arbeitsplätze und um das wirtschaftliche Überleben. Hat es Sie überrascht, dass der Abwärtstrend sich nicht in dem befürchteten Ausmaß eingestellt hat?Duppré: Als zu Beginn des Jahres 2009 das Ausmaß der Bankenkrise und die dadurch verursachte globale Weltwirtschaftskrise deutlich wurden, waren natürlich auch bei mir die Befürchtungen für die wirtschaftliche Entwicklung und den Arbeitsmarkt in unserem Landkreis groß. Es ist auch nicht zu bestreiten, dass manches, was wir zu Beginn dieses Jahres hoffnungsvoll angehen wollten, sich nicht realisieren ließ. Der wirtschaftliche Abschwung, der auch bei uns eingetreten ist und sich etwa in abstürzenden Gewerbesteuereinnahmen darstellt, hat aber nicht zu einem wirtschaftlichen Stillstand und zu einem radikalen Einbruch am Arbeitsmarkt geführt - insofern bin ich wirklich überrascht.2009 mussten Sie nach vielen Jahren des Schuldenabbaus wieder eine Neuverschuldung eingehen, um für die Kreisbürger investieren zu können. Konnten alle Investitionen verwirklicht werden?Duppré: In der Tat ist für mich die Notwendigkeit, in diesem Jahr Schulden aufnehmen zu müssen, eine der schmerzlichsten Entscheidungen gewesen, nachdem ich jahrzehntelang das Gegenteil praktiziert habe. Allerdings ließ uns die augenblickliche Situation keine andere Wahl um das, was notwendig ist, zu finanzieren. Wir haben nur durch unsere bisherige Sparsamkeit die geplanten Investitionen tätigen können. Wenn etwas nicht zustande kam, lag dies meist an rechtlichen Hürden, die wir nicht überwinden konnten.Auch 2010 investiert der Landkreis wieder in die Infrastruktur, auch wenn er sich um weitere zehn Millionen Euro verschulden muss. Warum sind die Investitionen wichtig für den Landkreis?Duppré: Im Blick auf die dramatisch zurückgehende Bevölkerung wird es zu einem scharfen Standortwettbewerb kommen. Unternehmen und Familien werden sich nur für Orte entscheiden, in denen auch künftig eine intakte Infrastruktur gesichert ist. Vor welchen Herausforderungen steht der Landkreis 2010?Duppré: Wir werden sorgfältig beobachten müssen, wie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung weiter geht. Darauf müssen wir unsere sozialen und investiven Maßnahmen einstellen. Darüber hinaus müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, um die Investitionen, die wir uns vorgenommen haben, zügig umzusetzen, damit wir einen Beitrag leisten können zur Stützung unserer regionalen Wirtschaft - und sei er noch so bescheiden. In den vergangenen Wochen hat sich die Schulpolitik in den Fokus der Kreispolitik geschoben - auch mit ihren finanziellen Auswirkungen, namentlich der Erhöhung der Kreisumlage. Treibt die Neuordnung der Schulstruktur einen Keil zwischen Landkreis und Ortsgemeinden?Duppré: Wir haben uns nach der vom Land beschlossenen Schulstrukturreform umgehend mit den Konsequenzen daraus für unseren Landkreis auseinander gesetzt. Es gab schwierige, zum Teil sehr strittige Diskussionen über Schulstandorte, neue Schularten, Schulzusammenlegungen mit Eltern, Lehrern und kommunalen Gremien. Wir haben es aber geschafft, uns auf die neue Struktur einzustellen, damit Planungssicherheit eintritt. Schließlich ist es wichtig, dass sich Schulen auf ihren pädagogischen Auftrag konzentrieren können und nicht um Strukturfragen streiten. Ich bin auch froh darüber, dass in diesen wichtigen Fragen bei aller unterschiedlichen Interessenlage wiederum zwischen unseren acht Verbandsgemeinden und dem Landkreis letztendlich ein einvernehmliches Vorgehen möglich war. Die Schulstruktur bedingt erhebliche Investitionen. Die Erhöhung der Kreisumlage ist allerdings ausschließlich bedingt durch die Übernahme aller weiterführenden Schulen von den Verbandsgemeinden auf den Landkreis. Nicht ein einziger Euro an Investitionen wird dadurch abgedeckt - im Gegenteil, dafür müssen wir eben Schulden aufnehmen. 2010 scheint das Jahr der Schulen im Landkreis zu werden. Welche anderen Aufgaben und Projekte dürfen nicht vergessen werden?Duppré: Wir werden uns intensiv kümmern um den Wirtschaftsstandort Südwestpfalz. Es geht darum, Wirtschaftsförderung und Tourismus in einer Art und Weise zusammenzuführen, die deutlich macht, dass beides für die wirtschaftliche Zukunft des Landkreises von entscheidender Bedeutung ist. Wir werden investieren in den Ausbau der Bahnhöfe und Haltepunkte an der Schienenstrecke zwischen Landau und Zweibrücken, weil wir den öffentlichen Personennahverkehr auf der Schiene stärken wollen. Wir hoffen auch, einen guten Schritt für den Hochwasserschutz in Hornbach und Althornbach voranzukommen und natürlich wird der Landkreis wieder stark an den Aktivitäten der Zweckverbände Entwicklungsgebiet Flugplatz Zweibrücken und Gräfensteiner Park Münchweiler beteiligt sein. "Wir haben nur durch unsere bisherige Sparsamkeit die geplanten Investitionen tätigen können."Hans Jörg Duppré