Guter Moment, Weichen zu stellen

Der Anfang ist gemacht. Der vorgezogene Abschied des Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz beim 1. FC Kaiserslautern und die damit verbundenen ersten Neubesetzungen kommen zum richtigen Zeitpunkt. Nicht nur, weil die Meinungen des neuen Aufsichtsrats beim Fußball-Zweitligisten und des Vereinsbosses zu weit auseinandergingen, sondern auch, weil genau jetzt der Moment ist, die finanziellen und personellen Weichen für die neue Saison zu stellen.

Eine Saison, in der Kuntz ohnehin nicht mehr an Bord gewesen wäre.

Nach der achtjährigen Achterbahnfahrt mit seinem Herzensverein fällt es Kuntz sicher nicht leicht, die Verantwortung mitten in der sportlichen Krise in andere Hände zu übergeben.

Doch es ist trotz der Verdienste, die man bei aller Kritik an seiner Personalpolitik sowie den verpassten Aufstiegen nicht vergessen darf, der richtige Weg für den FCK - und Stefan Kuntz . Dem Kampf gegen den Untergang in der Drittklassigkeit müssen sich neben der Elf auf dem Platz nun auch der neue Vorstand um den Marketing-Experten Thomas Gries und Finanzvorstand Michael Klatt stellen. Sie sind aber nur zwei Puzzleteile. Ein wichtiges fehlt noch: Denn die Schlüsselposition des Sportchefs ist weiterhin vakant. Platzhalter bis Ende Mai ist Mathias Abel . Kommissarisch hat der Ex-Profi die Aufgabe übernommen, in Zusammenarbeit mit Chefcoach Konrad Fünfstück und Scouting-Leiter Boris Notzon den Kader für die neue Saison zusammenzustellen, mit Spielern zu sprechen. Allen voran mit Markus Karl und Ruben Jenssen, deren Verträge auslaufen. Chris Löwe und nun auch Eigengewächs Jean Zimmer haben bereits ihren Abschied verkündet.

Wenn Verhandlungen in der aktuellen sportlichen Situation mit dem drohenden Abrutschen in die 3. Liga auch schwer sein dürften, sollte der FCK nun wirklich schnell eine feste Lösung für den Sportchef-Posten finden. Ruhe kommt nämlich auch auf lange Sicht nur dann wieder auf den Betzenberg, wenn der neue Mann an den Kaderplanungen beteiligt ist, bei einem möglichen Misserfolg die Schuld nicht auf den Vorgänger abwälzen kann. Der sportliche Befreiungsschlag mit dem 2:0-Sieg gegen Sandhausen nach zuvor fünf Niederlagen in Folge könnte die Entscheidung möglicher Kandidaten erleichtern. Da die beiden erfolgreichen Geschäftsmänner Gries und Klatt, die als gute Lösungen erscheinen, im Fußball beide ein unbeschriebenes Blatt sind, ist es umso wichtiger, dass ein sportlich kompetenter Mann das Führungstrio komplettiert. Das professionell und transparent den Verein wieder in ruhigere Bahnen führen kann.

Bislang ist allerdings erst ein kleiner Schritt auf dem langen Weg des Neuanfangs gemacht. Ob es unter der neuen Führung dann wirklich gelingt, den Traditionsclub auf lange Sicht wieder in der 1. Bundesliga zu etablieren, steht auf einem ganz anderen Blatt.