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Kolumne: Die Sache mit der Drei vor der Null

Kolumne : Die Sache mit der Drei vor der Null

Der weibliche Teil der Menschheit tut sich schwer mit dem 30. Wiegenfest. Es steht gemeinhin für das Ende der Jugend. Das zumindest will uns die Gesellschaft weismachen. Aber es gibt gute Gründe, die Schwelle zum vierten Lebensjahrzehnt frohen Mutes zu überschreiten. Höchste Zeit, sie mal aufzulisten.

Die Zahl Drei ist unheilvoll. 333 bei Issos Keilerei. Der 30-Jährige Krieg. Jesus Christus starb mit 33. „Drei ist einer zu viel.“ Die Drei kündet auch vom Ende der Jugend. Das will uns die Gesellschaft weismachen. Besonders gilt das für Frauen. Wer es bis 30 nicht geschafft hat, Kinder in die Welt zu setzen und keinen festen Partner aufweisen kann, ist biologische Ausschussware. Das belegt eine Studie zum Online-Dating, nach der besonders gebildete Frauen ab 30 und sozial schwache Männer am häufigsten leer ausgehen. Schon am 29. Geburtstag werden Frauen darauf hingewiesen, dass das Ende naht. Obwohl man noch ein ganzes Jahr voll süßer Endzwanziger-Lebenserwartung hat,  fragen aufdringliche Zeitgenossen, was man denn am 30. plane. Hier wird natürlich Großes erwartet, schließlich muss man das Ende der Jugend noch einmal gebührend feiern. Noch einmal so richtig die Sau rauslassen, bevor alles den Bach runter geht. Hat man die Tiraden: „Man wird nur einmal 30. Wie viele lädst du ein? Was, weniger als 100 Leute?!“ über sich ergehen lassen, spürt man neben der Leere, die vom Beginn einer Depression kündet, Panik aufsteigen. Und so merkst, du, dass du 30 wirst:

–  Du kannst endlich Anti-Aging-Produkte benutzen, für die „reife Haut ab 30“.

– Du wirst von Studenten gesiezt.

– Kinder und Jugendliche nennen dich Tante.

– Dein Ausnüchterungsprozess von Freitag dauert bis zum nächsten Wochenende.

– Dein Dealer denkt, du bist ein V-Mann.

– Deine Spitzen-Zeiten sind vorbei, fortan gibt es nur noch 100-Prozent-Baumwollschlüpfer vom Grabbeltisch.

– Du hast neben einer Lebensversicherung und einem Bausparvertrag nun auch eine Sterbeversicherung, und das gibt dir ein beruhigendes Gefühl  und erfüllt dich mit tiefem Frieden.

– Du hast dir schon ein lauschiges Plätzchen unter einer Linde für deine Urnenbestattung ausgesucht.

– Gäste finden bei dir keine Sitzgelegenheit, weil alles voller Katzen ist.  Die Vorstellung, sie könnten dich nach deinem Tod anfressen, stört dich nicht im Mindesten.

Nun ist das alles kein Grund zu verzagen. Die 40 hat ja einen sehr viel besseren Ruf!