Glosse : Tier auf Tinder

Wenn die Katze scheinbar zufällig mit der Pfote übers Smartphone wischt, denken viele Menschen: „Ach, wie niedlich!“ Doch sie sind womöglich nur ahnungslos.

Denn die Dating-App Tinder gibt es jetzt auch für Haustiere. Eigentlich will das Tierheim München auf diese Weise seine Insassen mit potenziellen neuen Besitzern verkuppeln. Aber jeder moderne Mensch weiß, dass Online-Dating die Büchse der Pandora ist.

Und ebenso wie Verheiratete sich dort als Singles ausgeben, täuscht vielleicht auch eine bestens versorgte und bekuschelte Katze anderen Menschen vor: „Bitte nimm mich, ich bin ein armes Heimtier!“ Nur der Abwechslung halber oder in der Hoffnung auf größere Fressnäpfe.

Auch jeder Seitenblick von Hund, Hamster oder Schildkröte aufs Smartphone sollte unbedingt Misstrauen beim Besitzer erzeugen. Denn auch diese könnten den Eindruck gewinnen, dass sie im Internet noch attraktivere Herrchen oder Frauchen finden. Schließlich zeigten Menschen dort animalische Instinkte und werden gerüchteweise manchmal sogar zum Tier.