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Der Polit-Thriller „Streik“ von Stéphane Brizé mit Vincent London kommt ins Kino

Kino-Tipp : Und morgen tragen diese Abgehängten gelbe Westen

✮✮✮✮ „Streik“ von Stéphane Brizé: Packende Kinogeschichte zwischen Polithriller und Dokumentation.

Gelbe Westen sieht man in diesem Film nicht. Aber dennoch legt Stéphane Brizé „Streik“ seine Hand ganz dicht an den Puls der Zeit und zeigt anhand eines fiktiven Arbeitskampfes im südfranzösischen Agen die Erfahrungen von Mitarbeitern eines Autoteilezulieferers, deren Werk geschlossen werden soll.

1.100 Arbeitsplätze sind in Gefahr und damit droht die strukturschwache Region gänzlich abgehängt zu werden. Dabei produziert der Standort solide Gewinne, die dem deutschen Mutterkonzern und seinen Aktionären jedoch nicht hoch genug ausfallen. Vor zwei Jahren hatten sich die Arbeiter mit der Geschäftsführung geeinigt, fünf Wochenstunden mehr ohne Lohnausgleich zu arbeiten und auf alle Prämien zu verzichten mit dem Versprechen, dass der Standort erhalten bleibe. Nun verschanzt sich die Geschäftsführung hinter Worthülsen des Bedauerns und klagt über die Härten des Marktes.

Zu den unnachgiebigsten Kämpfern im Streik zählt der Gewerkschaftler Laurent Amédéo (Vincent Lindon). Er lässt nicht locker und verweist auf die gebrochenen Versprechungen der Geschäftsleitung. Aber nicht alle teilen seine unnachgiebige Position und einige fangen an, über mögliche Abfindungen zu verhandeln. Nach zähem Ringen begibt sich endlich der deutsche Unternehmenschef an den Tisch.

Brizé legt „Streik“ als halbdokumentarischen Politthriller an und zeigt auf packende Weise die sich steigernde Ausweglosigkeit in der Konfrontation zwischen Arbeitern und einem nach kalten Profitinteressen agierenden Konzern. Ähnlich wie sein Vorgängerwerk „Der Wert des Menschen“ bewegt sich „Streik“ auf der Nahtstelle zwischen Individuum und Globalisierung, deren Wirkungsmechanismen von den Entscheidungsträgern als unvermeidlich beschrieben werden, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Jenseits bloßer Agitprop-Klischees zeigt Brizét eindringlich, wie der Prozess des „Abgehängtwerdens“ vonstatten geht und die empfundene Demütigung in Wut und Gewalt umschlägt. Von hier zu einer aufständischen, nicht kanalisierbaren Protestbewegung wie den Gelbwesten ist es nur noch ein kleiner Schritt.

F 2018, 114 Min., Filmhaus (Sb); Regie: Stéphane Brizé; Buch: Brizé, Olivier Gorce; Kamera: Eric Doumont; Musik: Bertrand Blessing; Besetzung: Vincent London, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey.