WM-Silber für Völklingerin Lisa Klein im Mixed-Zeitfahren bei Straßen-WM

Straßenrad-WM in England : Deutsche Frauen reißen es raus

WM-Silber für die Völklingerin Lisa Klein und ihre fünf Mitstreiter im Mixed-Zeitfahren zum Auftakt der Straßenrad-WM.

Tony Martin redete gar nicht lange um den heißen Brei herum. „Wir haben die Medaille ganz klar den Frauen zu verdanken, so selbstkritisch müssen wir sein. Wir haben uns schon bei den Frauen entschuldigt“, sagte der frühere Zeitfahr-Weltmeister nach der Silbermedaille zum Straßen-WM-Auftakt. Bei der Premiere des Mixed-Teamzeitfahrens überzeugten vor allem Lisa Brennauer und die Völklingerin Lisa Klein, sie machten einen großen Rückstand wett und brachten die deutsche Mannschaft noch aufs Podium.

Noch gezeichnet von seinem schweren Sturz bei der Spanien-Rundfahrt musste Martin auf den letzten Kilometern der Männer-Runde sogar Nils Politt und Jasha Sütterlin ziehen lassen – ein ungewohntes Bild bei der eigentlichen Lokomotive. „Ich bin noch nicht 100 Prozent da, wo ich sein will. Ich habe noch relativ große Schmerzen im Brustkorb“, räumte Martin ein, der einen Verzicht auf das Einzelzeitfahren am Mittwoch allerdings ausschloss. Das Abreißen, so sagte er, sei deshalb mehr oder weniger geplant gewesen. „Ich habe mich nicht so schlecht gefühlt, ich mache positive Schritte“, sagte Martin und bemängelte vielmehr die Harmonie im Männer-Trio: „Wir haben uns einfach nicht gefunden, wir waren nicht homogen genug.“

Trotz des großen Einsatzes der herausragenden Brennauer und Klein erfüllten sich zwar die Goldträume nicht, der zweite Rang hinter den Niederlanden war aber ein wertvoller Trost. „Ich denke, wir können alle zufrieden sein. Wir hatten eine gute Taktik, es ist schön, wenn so ein Ergebnis dabei rauskommt“, sagte die Saarländerin Klein.

Die deutsche Mannschaft (38:50,35 Minuten) lag im britischen Harrogate bei durchgängig nassen Straßenverhältnissen nach insgesamt 28 Kilometern verteilt auf zwei Runden 22,75 Sekunden hinter dem Top-Favoriten, auf Rang drei folgte Gastgeber Großbritannien. Die drei deutschen Frauen (Brennauer, Klein und Mieke Kröger) ließen sich dabei auch nicht von einer Hypothek von mehr als 33 Sekunden Rückstand irritieren und waren auf ihrem Abschnitt sogar schneller als das spätere Siegerteam.

Schon im August hatten die Deutschen gegen die Niederlande bei der EM den Kürzeren gezogen – allerdings damals ohne Martin und Politt. Mit den beiden Top-Profis erhoffte sich der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) eine Menge. Fraglich war jedoch, wie Martin die Sturzfolgen nach seinem Unfall bei der Vuelta noch zusetzten. Der heftige Cut über dem rechten Auge, den der 34-Jährige erlitten hatte, war deutlich zu erkennen, auch die Schwellung noch nicht abgeklungen.

Die gemischte Zeitfahrstaffel stand erstmals im WM-Programm und löste als Auftaktwettbewerb der Titelkämpfe das Zeitfahren der Profiteams ab, das zwischen 2012 und 2018 ausgetragen worden war. Die Einführung des neuen Wettbewerbs war auf ein geteiltes Echo gestoßen, aus dem Profilager kam vom Belgier Patrick Lefevere (Teamchef Deceuninck-Quick Step) besonders harsche Ablehnung.

Der Radsport-Weltverband UCI will mit dem Rennen ein Zeichen für die Gleichstellung von Männern und Frauen setzen. Bis auf wenige Ausnahmen fehlten in den Teams aber die großen Namen, zudem stand keine nicht-europäische Mannschaft an der Startlinie. „Der Wettbewerb an sich hat Spaß gemacht, das Feeling für die Nation zu kämpfen“, sagte Martin, ergänzte jedoch: „Es ist wie bei vielen neuen Sachen, man muss sich rantasten, und viele haben erst mal eine Abwehrhaltung.“