Wie eine Betriebssportgruppe auf Maiwanderung

Wie eine Betriebssportgruppe auf Maiwanderung

Der 1. FC Saarbrücken hat im Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern eine desolate Leistung gezeigt. Der Trainer ist stinksauer.

"Ich habe heute ein Gesicht meiner Mannschaft gesehen, das ich so nicht kannte", sagte Dirk Lottner, Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, nach der 1:4 (0:2)-Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern II am Samstagnachmittag: "Jetzt wird die Mannschaft auch mein anderes Gesicht kennenlernen." Die nach einem Sieg eingeplanten zwei freien Tage wurden gestrichen. Am Sonntag gab es stattdessen 75 Minuten lang Tempoläufe mit und ohne Medizinball, gestern musste sich die Truppe ihren jämmerlichen Auftritt noch mal auf Video anschauen.

Vielleicht wäre alles gut geworden, wenn Kevin Behrens nach sieben Minuten freistehend nicht FCK-Torwart Jan-Ole Sievers angeschossen, sondern den Ball im Tor versenkt hätte. Doch danach wirkten die ersatzgeschwächten Saarländer gegen die ebenfalls von Personalproblemen gebeutelten Pfälzer wie eine Betriebssportgruppe auf Maiwanderung. Lautern genügten zwei Diagonalpässe und ein desolates Abwehrverhalten von Daniel Döringer - und so brachte Christian Kiesewetter die kleinen roten Teufel mit 1:0 in Führung (17. Minute). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte ging es wieder viel zu schnell für die FCS-Defensive: Das 2:0 des eingewechselten Tino Schmidt war bereits die Entscheidung.

Lottner ließ seine Mannschaft nicht in die Kabine - stauchte sie noch auf dem Platz öffentlichkeitswirksam zusammen. "Ich wollte, dass sie einen Blick zu den Fans werfen und sehen, dass da 400 Leute nur für den 1. FC Saarbrücken und seine Spieler gekommen sind", erklärte Lottner die ungewöhnliche Maßnahme. Ein scharfes Schwert, das nach einmaligem Gebrauch allerdings schnell stumpf wird. Das weiß auch Lottner: "Dass man das mit dieser Mannschaft so nie mehr machen kann, ist mir auch klar."

Und die Wirkung war überschaubar. Dass Kapitän Manuel Zeitz einen Eckball von Sven Sökler zum 1:2 einköpfte (52.), war kein Signal zur Wende. Innenverteidiger Dominik Rau geleitete Johannes Hofmann auf dem Weg zum 3:1 (65.). Beim 4:1 (75.) sezierten Florian Pick und Schmidt förmlich einen toten FCS.

"Das war blutleer. Wir haben richtig auf die Fresse bekommen", gestand Kapitän Zeitz ein: "Das ganze Spiel war Kacke. Einfach enttäuschend. Egal, wer da auf dem Platz steht - es sollte unser Anspruch sein, immer eine Mannschaft zu haben, die Lautern II schlagen kann. Es war Schrott."

Stürmer Patrick Schmidt musste die Sonntagseinheit wegen Knieproblemen abbrechen, Markus Mendler fehlte wegen einer Schulterverletzung. Er muss heute zur Untersuchung. "Es war das erste Mal, dass ich der Mannschaft den Willen absprechen musste", sagte Lottner: "Aber wir müssen das jetzt auch abhaken." Eine Reaktion der Mannschaft muss kommenden Samstag her, auch weil sich der FC Homburg mit Ex-FCS-Trainer Jürgen Luginger im Aufwind befindet.

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