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Darts-WM in London
Schindler will noch ein zweites Mal nach London fliegen

Der deutsche Darts-Profi Martin Schindler will heute bei der WM in London jubeln.
Der deutsche Darts-Profi Martin Schindler will heute bei der WM in London jubeln. FOTO: Lawrence Lustig / dpa
London. Der 21-Jährige ist der deutsche Hoffnungsträger bei der Darts-Weltmeisterschaft in England. Heute Abend tritt er erstmals im Alexandra Palace auf.

Die Stars, die er als kleiner Junge einst vor dem Fernseher bewunderte, sind für Martin Schindler inzwischen ganz normale Gegner. Mit 21 Jahren hat er es in die Elite der Darts-Spieler geschafft und sich mit der ersten Teilnahme an der Weltmeisterschaft in London, dem größten Event des Jahres, für seine konstanten Leistungen belohnt.



„Auf dem Papier ist Martin krasser Außenseiter, aber jeder weiß, dass er nichts zu verlieren hat“, teilte das Management des Brandenburgers vor dessen Auftaktspiel gegen den Australier Simon Whitlock mit. Schindler selbst wollte sich so kurz vor seinem Debüt im legendären Alexandra Palace heute Abend (20 Uhr/Sport1) nicht mehr äußern.

Schindler ist beim Saisonhöhepunkt nun das, was jahrelang sein gleichaltriger Landsmann Max Hopp war: der deutsche Hoffnungsträger auf den ersten größeren Erfolg bei einer WM. Hopp, der diesmal die Qualifikation verpasst hat, und Schindler sind befreundet und verbringen beim Training und bei Turnieren viel Zeit gemeinsam. „Da freut sich einer für den anderen über die erreichten Erfolge“, sagt Schindler.

Der an Position zehn gesetzte Australier Whitlock ist gegen Debütant Schindler natürlich klar favorisiert, doch der junge Brandenburger wittert seine Chance gegen den Veteran – auch weil es in der ersten Runde im Alexandra Palace bislang schon einige Überraschungen gegeben hat. Unter anderem sind die gesetzten Stars James Wade, Dave Chisnall, Benito van de Pas oder Jelle Klaasen ausgeschieden. Läuft es gut, könnte auf Schindler in den folgenden Runden auch der schottische Ranglistenzweite Peter Wright (im Viertelfinale) warten. Auf sein Idol, den Schotten Gary Anderson, könnte er in der Vorschlussrunde treffen. „Er ist mein Lieblingsspieler, durch den ich angefangen habe, richtig zu trainieren“, sagt Schindler.

Seine immer besseren Leistungen an der Scheibe haben auch ihren Tribut gefordert. Schindler brach Anfang des Jahres sein Studium in Berlin ab, um dem Darts-Sport noch mehr Zeit widmen zu können. Wer auf der Tour spielt und zu den Turnieren quer durch Europa reist, ist beinahe das ganze Jahr unterwegs, um Punkte für die Order of Merit, die Weltrangliste, zu sammeln. Für Schindler war beides irgendwann nicht mehr vereinbar.



Hopp traut dem Debütanten einiges zu. „Er hat in seinem ersten Jahr einen guten Lauf hingelegt. Das spielerische Potenzial hat er auf jeden Fall“, sagte der Hesse. Bei der Team-WM in Frankfurt spielten die beiden Youngster gemeinsam für Deutschland und scheiterten nach starken Leistungen im Viertelfinale am späteren Weltmeister Niederlande mit Darts-Primus Michael van Gerwen. Schindler selbst hat für seine Premiere im „Olymp des Darts-Sports“, wie er den Alexandra Palace selbst nennt, einen klaren Plan. Nach London reisen, Whitlock besiegen, nach Hause fliegen und dort Weihnachten feiern. Nach dem Fest soll es für die zweite Runde zurück gehen. Den Flug hat Schindler schon gebucht.

Kevin Münch (Bochum) schlug gestern Abend in seinem Auftaktspiel den Russen Alexander Oreschkin klar mit 2:0 und traf danach auf Ex-Weltmeister Adrian Lewis aus England (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet).