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Fußballstar hört auf
Der Letzte vor Messi und Ronaldo tritt ab

Im Trikot des AC Mailand erlebte der Brasilianer Kaka seine beste Zeit. 2007 führte der Offensivspieler sein Team zum Triumph in der Champions League. Jetzt hat er seine Karriere beendet.
Im Trikot des AC Mailand erlebte der Brasilianer Kaka seine beste Zeit. 2007 führte der Offensivspieler sein Team zum Triumph in der Champions League. Jetzt hat er seine Karriere beendet. FOTO: ANSA / A1809 epa ansa Paolo Magni
Brasilia. Der Brasilianer Kaka, Weltfußballer 2007, hat seine Karriere beendet. Zuletzt spielte er in den USA bei Orlando City.

Preisfrage: Wer war vor der Ära Cristiano Ronaldo und Lionel Messi der letzte Weltfußballer des Jahres? Die Antwort, die nicht gerade auf der Zunge liegt: Ricardo Izecson dos Santos Leite. Vor exakt zehn Jahren, am 17. Dezember 2007, krönte ein brasilianischer Fußball-Genius namens Kaka seine Karriere mit der wichtigsten Einzeltrophäe im Mannschaftssport, verwies das heute dominierende Duo auf die Plätze. Am vergangenen Sonntag verkündete der 35-Jährige nun seinen Abschied vom aktiven Fußball.


„Ich bin nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gekommen, meine Karriere als Profi zu beenden. Ich werde mich ab sofort darauf vorbereiten, in einer anderen Funktion im Fußball weiterzumachen“, sagte der Weltmeister von 2002 am Ende eines beim heimischen TV-Giganten Globo ausgestrahlten und im Morumbi-Stadion aufgezeichneten Exklusiv-Interviews.

In der Arena des FC Sao Paulo hatte der 18-jährige „Caca“ im Februar 2001 sein erstes Tor als Profi erzielt. Knapp 17 Monate später wartete er da schon mit dem „K“ im Namen in den Schlusssekunden des WM-Finales gegen Deutschland (2:0) vergeblich auf seine Einwechslung, bestritt als jüngster Spieler im Seleção-Kader immerhin 18 Minuten im Vorrundenspiel gegen Costa Rica (5:2).



Die Endrunden in Deutschland (2006) und Südafrika (2010) wurden aber zur Enttäuschung, endeten gegen Frankreich und die Niederlande jeweils im Viertelfinale. „Die Niederlage gegen die Franzosen war schmerzhaft. Nach 1982 war es die beste Auswahl, die Brasilien hatte“, sagte Kaka rückblickend auf ein Superhelden-Team mit Ronaldo, Adriano, Ronaldinho, Cafu und Roberto Carlos. Beim deutschen Sommermärchen erzielte er im Gruppenauftakt gegen Kroatien (1:0) seinen einzigen Treffer bei einem WM-Turnier.

Dabei war Kaka ein torgefährlicher Offensivspieler, was seine mehr als 200 Treffer in über 600 Pflichtspielen für Sao Paulo, AC Mailand, Real Madrid und zuletzt Orlando City (USA) dokumentieren. Ein filigraner Techniker mit dem tödlichen Pass, aber noch unwiderstehlicher beim Zug zum Tor. Mit zehn Treffern führte „Il Bambino d’Oro“, der Goldjunge, Milan 2007 zum siebten und bislang letzten Triumph in der europäischen Königsklasse. Mit 30 Toren ist er immer noch bester Brasilianer in der ewigen Torschützenliste der Champions League.

Bei den Rossoneri war er ein Idol, wurde 2004 italienischer Meister, gewann 2007 auch die Club-WM, war wenige Tage zuvor als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet worden. Im Sommer 2009 ging es für 65 Millionen Euro zu Real Madrid, damals der zweitteuerste Transfer nach Zinedine Zidane. Doch bei den Königlichen, mit denen er 2012 spanischer Meister wurde, ging dem Sonnyboy, Prototyp des perfekten Schwiegersohns, auch wegen einer hartnäckigen Schambein-Entzündung der Glanz verloren.

Tiefpunkt war sein verschossener Elfmeter im Champions-League-Halbfinale 2012 gegen Bayern München. „An einem Tag war ich noch der weltbeste Fußballer, am nächsten einer der schlechtesten Einkäufe überhaupt“, erinnerte sich Kaka an den anschließenden Sturm der Entrüstung von Medien und Fans. Von der Reservebank der Madrilenen aus und nach einem erfolglosen Comeback bei Milan landete der zweifache Vater dann im März 2015 in der nordamerikanischen Profiliga (Major League Soccer), dem Auffangbecken in die Jahre gekommener Stars.

Für die neue Generation bleibt Kaka jedoch ein Maßstab. „Ich bin stolz, Teil deiner Karriere zu sein. Du bist ein großes Vorbild für mich“, schrieb Neymar als Widmung bei Instagram. Nicht nur, weil der Superstar von Paris St. Germain immer ernsthafter auf den Titel des weltbesten Fußballers schielt.