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DFB-Pokal
Zu eindimensional für beste Clubs der Welt

Pierre-Emerick Aubameyang braucht Platz, um seine Schnelligkeit auszuspielen. Das ist bekannt. Hat er diesen Platz nicht, tut er sich schwer.
Pierre-Emerick Aubameyang braucht Platz, um seine Schnelligkeit auszuspielen. Das ist bekannt. Hat er diesen Platz nicht, tut er sich schwer. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Dortmund. Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2021 verlängert. Eine Alternative hatte er nicht. Daniel Theweleit

Ein Hauch von Bitterkeit klingt hinter den kurzen Sätzen hervor, die Pierre-Emerick Aubameyang per Twitter in die Welt sendete, um seine Vertragsverlängerung zu bestätigen. „Es ist schon etwas her, seitdem ich meinen Vertrag verlängert habe“, schrieb der Stürmer von Borussia Dortmund kurz vor dem großen DFB-Pokal-Achtelfinale beim FC Bayern München, mit dem am heutigen Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) ein ereignisreiches Jahr für den 28-Jährigen zu Ende geht, und eine Bitte schickte er gleich mit: „Lasst mich Musik hören! Besser als Zeitungen lesen.“


Aubameyang, der am Montag wegen muskulärer Probleme im Training fehlte, in München aber spielen kann, hat seinen ursprünglich bis 2020 befristeten Vertrag um eine weitere Saison ausgeweitet, mutmaßlich gegen eine stattliche Gehaltsaufbesserung, für die die Verantwortlichen in der Dortmunder Chefetage sich im Gegenzug nicht nur viele Tore, sondern endlich auch Ruhe erhoffen. Besonders stolz scheint der Stürmer aber nicht auf den neuen Kontrakt zu sein, sonst hätte er die Information sicher früher gepostet, statt sie erst nach einer Bemerkung von Sportdirektor Michael Zorc zu bestätigen.

Natürlich ist Aubameyang nicht wirklich glücklich mit dem Verlauf der Dinge, denn die Entscheidung für den BVB heißt auch: Der Traum vom Wechsel zu einem der zwei, drei allergrößten Clubs des Planeten, mit dem Aubameyang in fast jedem Transferfenster kokettiert, wird ein Traum bleiben. Zu bekannt sind jenseits der weiterhin imposanten Torquote die Schwächen in seinem Spiel. Zu deutlich konnte die Welt in den vergangenen Wochen sehen, was aufmerksame Beobachter in Dortmund sich schon länger zuraunen: Aubameyang ist zwar ein unfassbar guter Strafraumspieler, 19 Pflichtspieltreffer sind ihm auch in der laufenden Saison schon gelungen. In der Beherrschung der meisten anderen Stürmerfertigkeiten gehört er dagegen nicht zur Weltklasse. Nie war das so klar wie in den Monaten mit dem vor knapp zwei Wochen entlassenen Trainer Peter Bosz.



Am Wochenende nach dem knappen Sieg gegen 1899 Hoffenheim, zu dem Aubameyang einen Elfmetertreffer beisteuerte, sagte der BVB-Kollege Sokratis: „Dadurch, dass wir jetzt ein bisschen defensiver stehen, wird es für Auba leichter, seine Schnelligkeit auszuspielen.“ Das ermüdende Pressingspiel unter Bosz, in dessen Folge dem rasend schnellen Angreifer dann nicht nur der Raum, sondern auch die Kraft für seine langen Tempoläufe fehlte, behagte ihm gar nicht. Besonders auffällig waren die Defizite in den beiden jüngsten Partien gegen Real Madrid. Aubameyang ist ein Sprinter und kein Dribbler. Wenn er kein Tempo hat, wirkt er geradezu hilflos, hüftsteif. Aus dem Stand spielt er kaum einmal einen guten Pass, setzt sich selten im Eins-gegen-Eins durch und verliert sehr oft den Ball.

Spektakulär ist eine Statistik, die beispielhaft zeigt, wie eindimensional dieser Fußballer ist. Von seinen mittlerweile 98 Bundesliga-Treffern hat er 97 innerhalb des Strafraums erzielt, die einzige Ausnahme war ein Freistoß vor fast fünf Jahren. Andererseits war er in der vorigen Saison der erste Spieler seit Gerd Müller 1972, der mehr als 30 Treffer in einer Bundesliga-Saison erzielte – und als kongenialer Partner für Vorlagenlieferanten wie Marco Reus, Maximilian Philipp oder den nach Barcelona gewechselten Ousmane Dembélé ist er eine Sensation.

Aubameyang ist ein Mann der Extreme, und das lebt er auch. Immer wieder haben die Dortmunder Verantwortlichen den „professionellen Lebensstil“ gelobt, er trinkt nicht, es gibt auch keine Geschichten über wilde Partynächte, nur ein paar unerlaubte Shoppingtouren nach Mailand und Paris im Privatjet hat er sich gegönnt, was der Leistung genauso wenig abträglich ist wie die regelmäßigen Verspätungen beim Training. „Er ist extravagant und ein bunter Vogel, das tut einer Stadt wie Dortmund auch mal ganz gut“, sagte Zorc jüngst, aber: „Wir haben ein Problem, das ist Pünktlichkeit.“

Zwei Mal war Aubameyang wegen seiner kleinen Eskapaden schon suspendiert, doch härtere Maßnahmen sind kaum möglich. Entsprechende Schlagzeilen würden das Gesamtklima belasten, den Transferwert mindern, die Wechselbereitschaft steigern – und natürlich braucht der BVB seinen besten Stürmer. Aber den Kollegen kann er auch ganz schön auf die Nerven gehen. Als seine Laune im zurückliegenden Krisenherbst immer schlechter wurde, als er 507 Minuten lang nicht traf und während des legendären 4:4 gegen Schalke (nach 4:0-Führung zur Halbzeit) nach einem dummen Foul vom Platz flog, schimpfte Ersatztorhüter Roman Weidenfeller über eine „schwachsinnige Aktion“. Mannschaftsintern kamen vermutlich noch ganz andere Kraftausdrücke zur Anwendung.

Auch deshalb hob Zorc bei der Vorstellung von Peter Stöger hervor, dass der neue Trainer „empathisch“ sei, dass er „Risse“ im Team kitten könne. Mit feinem Gespür hat der Österreicher schon den ähnlich speziellen Stürmer Anthony Modeste auf den Gipfel seiner Karriere geführt. Den Dortmundern würde es im Moment schon reichen, wenn Aubameyang entscheidend zu einem Sieg beim FC Bayern im DFB-Pokal beiträgt.