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| 20:36 Uhr

Finanzskandal im Saarsport
Jetzt steht der Wirtschaftsprüfer am Pranger

Am Montagabend fand eine Krisensitzung mit den 48 Sportfachverbänden im Landessportverband statt. LSVS-Präsident Klaus Meiser musste sich kaum Kritik anhören.
Am Montagabend fand eine Krisensitzung mit den 48 Sportfachverbänden im Landessportverband statt. LSVS-Präsident Klaus Meiser musste sich kaum Kritik anhören. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Im LSVS-Skandal geht Verbandspräsident Klaus Meiser erstmals ins Detail. Rücklagen sollen in den Haushalt geflossen sein. Von Tobias Fuchs und Kai Klankert

Großes entsteht immer im Kleinen. Über Jahre überwies der Landessportverband für das Saarland (LSVS) zu wenig Geld für Strom und Wasser an der Hermann-Neuberger-Sportschule. Die Rückstände summierten sich irgendwann auf eine halbe Million Euro. Das berichtete LSVS-Präsident Klaus Meiser gestern der SZ. Und so dürfte die Stromrechnung seines Verbandes in die Geschichte des Saarsports eingehen. Denn: Eine Anweisung von Meiser, diese alltäglichen Ausgaben zu überprüfen, markierte wohl den Anfang des Finanzskandals beim LSVS.

Fünf Millionen Euro dürfte der Schaden bei der Dachorganisation des Saarsports insgesamt betragen (wir berichteten). Der vom LSVS freigestellte Hauptgeschäftsführer soll über einen längeren Zeitraum ein jährliches Defizit in Höhe von 700 000 Euro verschwiegen haben. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat Vorermittlungen gegen den langjährigen Angestellten eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue. H. bestreitet die Vorwürfe vehement. Seine Anwältin Caroline Gebhardt betonte gestern, H. habe nicht ohne Kenntnis, Weisung und Rücksprache mit dem Präsidium gehandelt.

Außer H. gerät auch der bisherige Wirtschaftsprüfer des LSVS in den Fokus. Er hatte die Bilanzen für die Jahre 2009 bis 2014 nicht beanstandet. Das belegen Protokolle früherer Mitgliederversammlungen. Auch die Verbandsführung erfuhr laut Meiser nichts von roten Zahlen. Die LSVS-Satzung sieht vor, dass das Präsidium die „Vorprüfung des Jahresabschlusses“ vornimmt. Danach leitet das Gremium die Bilanz an den Finanzexperten weiter. „Der Wirtschaftsprüfer hat das Präsidium nicht ordnungsgemäß auf ein strukturelles Defizit hingewiesen“, sagte der LSVS-Präsident. Daher behält man sich rechtliche Schritte vor. Auf Anfrage unserer Zeitung verwies der Prüfer gestern erneut auf seine Schweigepflicht.

Wie H. die Haushaltslöcher stopfte, erläuterte Meiser bei einer Krisensitzung am Montagabend den Vertretern der 48 Sportfachverbände im LSVS. H. soll nicht nur bei Strom und Wasser gespart haben. Angeblich ließ er auch zwei Milllionen Euro in den Haushalt einfließen, die eigentlich als Rücklagen vorgesehen waren. Die Gelder stammten aus einem Immobilienverkauf an der Sportschule.

LSVS-Präsident Meiser plante, mit dem Erlös die Schwankungen beim Sportachtel auszugleichen. Zur Erklärung: Gut 90 Prozent der Einnahmen des LSVS stammen von Saartoto. Die staatliche Lotteriegesellschaft fördert den Sport jährlich mit 12,5 Prozent ihrer Spieleinsätze. Da die Umsätze variieren, kann der LSVS bei der Haushaltsplanung nie mit fixen Beträgen kalkulieren. So dürfte das Achtel in diesem Jahr etwa eine Million niedriger ausfallen als 2016. Damals kamen 13,6 Millionen Euro von Saartoto. „Weil das Sportachtel eine atmende Größe ist, brauchen wir eine Rücklage“, erklärte Meiser: „Das macht mir jetzt Sorgen.“ Denn der Puffer ist weg.

Sein Millionendefizit will der LSVS über einen Kredit ausgleichen. Das größere Problem: Wenn die Ausgaben seit Jahren um 700 000 Euro zu hoch sind, muss Meiser den Rotstift ansetzen. „Dieses Problem darf nicht auf die Qualität des organisierten Sports im Saarland durchschlagen“, sagte der CDU-Politiker und Landtagspräsident. Deshalb werden die Zuwendungen an die Fachverbände laut Meiser nicht gekürzt. 2017 beliefen sich diese auf 3,4 Millionen Euro. Mit dieser Nachricht beruhigte Meiser bei der Krisensitzung am Montag auch die Basis. Aus den Verbänden soll es nur vereinzelt Kritik gegeben haben. Nach SZ-Informationen warten einzelne Verbände jedoch auf Zuschüsse.

Wo spart der LSVS? „Strukturelle Maßnahmen können erst ab 2019 wirken“, stellte Meiser klar. Deshalb wird ein Teil des aufzunehmenden Kredits in den Haushalt für das kommende Jahr fließen. Darüber hinaus streicht der Verband „freiwillige Ausgaben“. Konkret: Das „Fest des Saarsports“, ein Dankeschön für Ehrenamtliche und Sponsoren, findet 2018 nicht statt. Mehr als drei Millionen Euro erhält das Personal. Diese Kosten will Meiser mittelfristig um zehn Prozent senken – ohne Mitarbeiter zu entlassen. Das teilte er gestern Vormittag der Belegschaft in einer außerordentlichen Versammlung mit. Teilnehmer berichteten der SZ, Meiser habe die Suspendierung des bisherigen Geschäftsführers H. als freundlichen Akt dargestellt. Anstelle einer Kündigung. Außerdem schwor der LSVS-Chef die Angestellten darauf ein zu retten, was zu retten sei. Der Stellenplan des Verbandes umfasst 93 Positionen. Angeblich soll H. über Sachmittel noch mehr Leute beschäftigt haben. In Zukunft dürften Stellen nicht neu besetzt werden.

Bauprojekte leiden laut LSVS nicht unter dem Skandal. 22,75 Prozent der Millionen von Saartoto gehen zur Verteilung an die Sportplanungskommission. An der Sportschule, wo der LSVS in zwei Jahrzehnten etwa 65 Millionen Euro investierte, haben vor allem die Turner dringenden Bedarf. Sie warten seit Jahren auf die Sanierung und eine Erweiterung ihrer denkmalgeschützten Halle aus den Fünfzigern.

Normalerweise stellt der LSVS im Oktober seinen Haushalt für das kommende Jahr auf, spätestens im Dezember verabschiedet die Führung das Zahlenwerk. Das Sportministerium, geführt von Klaus Bouillon (CDU), genehmigt das Budget als Rechtsaufsicht. Geschäftsführer H. hatte für 2018 schon ein Papier erarbeitet – alles Makulatur. Erst im Januar dürfte der Verband seine Finanzplanung fixieren können.

Was in der Zwischenzeit geschieht, erklärte das Ministerium auf SZ-Anfrage: Der LSVS operiert mit einem vorläufigen Haushalt, um seinen wichtigsten Verpflichtungen nachzukommen. Die Lichter an der Sportschule gehen also nicht aus. Seine Stromrechnung kann der Verband wohl bezahlen.

Klaus Meiser eilte gestern zur Personalversammlung an der Hermann-Neuberger-Sportschule. Die Presse hatte keinen Zutritt.
Klaus Meiser eilte gestern zur Personalversammlung an der Hermann-Neuberger-Sportschule. Die Presse hatte keinen Zutritt. FOTO: Andreas Schlichter