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Handball-EM in Kroatien
„Eine deutsche Mannschaft muss immer liefern“

DHB-Vizepräsident Bob Hanning freut sich auf die Handball-Europameisterschaft.
DHB-Vizepräsident Bob Hanning freut sich auf die Handball-Europameisterschaft. FOTO: Marijan Murat / dpa
Zagreb. Der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes sieht keinen besonderen Druck vor dem EM-Start. Von seinem Bundestrainer ist er begeistert.

Unmittelbar vor Beginn der Handball-EM in Kroatien spricht Bob Hanning, der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), über die Arbeit von Bundestrainer Christian Prokop, die Mission Titelverteidigung und seine Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft.



Herr Hanning, in welcher Verfassung befindet sich Titelverteidiger Deutschland kurz vor dem Start?

BOB HANNING Ich glaube, wir tun gut daran, die Testspiel-Ergebnisse gegen Island (36:29, 30:21) nicht überzubewerten. Ich habe selten so eine schlechte isländische Mannschaft gesehen wie in den beiden Spielen. Auf der anderen Seite hat die deutsche Mannschaft ihre Möglichkeiten gut und konsequent genutzt. Das lässt mich zuversichtlich auf die EM in Kroatien blicken.

Für viel Aufsehen und Kritik sorgte die Kadernominierung. Bundestrainer Christian Prokop hat gleich drei Europameister aus dem Aufgebot gestrichen. Wie stehen Sie dazu?

HANNING Mit den Entscheidungen haben wir keine Entscheidung gegen Finn Lemke, Rune Dahmke oder Fabian Wiede, sondern eine Entscheidung für 16 Spieler getroffen. Das Thema ist offen. Wer weiß, ob Finn Lemke im Halbfinale wieder mit dabei ist. Ich finde, wir tun gut daran, dem Bundestrainer zu vertrauen und uns auf eine erfolgreiche Europameisterschaft zu freuen.



Experten äußerten Kritik an Prokop, der als Ex-Trainer des Bundesligisten SC DHfK Leipzig seine früheren Spieler Bastian Roscheck und Maximilian Janke nominierte. Verständlich für Sie?

HANNING Es wurde mit Dagur Sigurdsson damals ein junger Trainer angeblich mit Vetternwirtschaft aus Berlin geholt. Dann wurden die Berliner Paul Drux und Fabian Wiede zu Nationalspielern gemacht, auch das wurde kritisiert. Wie auch die Tatsache, Prokop zum Bundestrainer zu machen. Das ist man ja gewöhnt. Von daher lege ich auf die Expertenmeinungen keinen Wert.

Wie bewerten Sie Prokops Arbeit so kurz vor der ersten großen Herausforderung?

HANNING Ähnlich wie bei Dagur Sigurdsson habe ich genau das gleiche Gefühl, an einer richtigen Entscheidung beteiligt gewesen zu sein. Weil er genau die Themen unabhängig von seiner Person angeht und versucht, das Beste für den deutschen Handball zu entwickeln. Von daher habe ich einen sehr guten Eindruck.

Einige Spieler reden bereits vom EM-Titel. Wie ist Ihre Zielsetzung für das Turnier?

HANNING Ich bin ein Freund davon, die Spieler reden zu lassen und sich von innen heraus Ziele zu erarbeiten. Ich glaube, dass wir bei der Weltmeisterschaft nicht alles in den Topf eingezahlt haben. Wenn wir daraus lernen und daraus unsere Schlüsse ziehen, ist Deutschland immer in der Lage, jede Mannschaft zu schlagen. Aber wir haben jetzt erst einmal eine Vorrundengruppe zu spielen. Drei Mal gegen Ex-Jugoslawien. Das sind drei echte Auswärtsspiele. Vielleicht ist das auch ganz gut, weil du von Anfang an liefern musst und nicht diese Gummi-Spiele wie gegen Saudi-Arabien oder Chile bei einer Weltmeisterschaft hast.

Im vergangenen Jahr sind sowohl die Männer als auch die Frauen bei der WM im Achtelfinale gescheitert. Erhöht das den Druck auf das Team bei der EM?

HANNING Eine deutsche Mannschaft muss immer liefern. Das muss immer der Anspruch sein. Wer nicht bereit ist zu liefern, wer den Druck nicht als Rückenwind verstehen kann, der gehört nicht in eine deutsche Nationalmannschaft. Wir müssen das als Rückenwind nutzen, um wie ein Hurrikan über unsere Gegner zu fegen. Und diese Bereitschaft, diesen Biss, diese Leidenschaft an den Tag zu legen. Aber Leidenschaft bedeutet eben auch Leiden. Und dazu müssen wir jetzt absolut bereit sein.