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Skandal beim LSVS
Von halben Wahrheiten und falschen Fragen

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Der Skandal beim Landessportverband für das Saarland wird uns auch weit über die gestrige Sitzung des Ausschusses für Inneres und Sport beschäftigen. Viele Fragen bleiben vorerst unbeantwortet. Von Kai Klankert
Kai Klankert

Man darf seine Zweifel haben, ob sich die Bürger im Land mit den Ergebnissen des Ausschusses für Inneres und Sport zufrieden geben. Mangelnde Transparenz kann man Klaus Meiser, dem Präsidenten des Landessportverbandes für das Saarland, nicht vorwerfen, er hat gestern alle Fragen ordnungsgemäß beantwortet. Aber sind auch die richtigen gestellt worden?


Die Sitzung gestern hat mehr denn je gezeigt, dass dem LSVS ein Kontrollorgan fehlt. Das Innenministerium (Minister Klaus Bouillon war nicht zugegen) beruft sich auf seine Aufgabe als Rechtsaufsicht. Die Sinnhaftigkeit des Handelns, also auch fragwürdiger Ausgaben, wird nicht geprüft. Und die Mitglieder des Sportausschusses haben beinahe ausnahmslos keine Kenntnis über Interna des LSVS und sind als Aufklärer wenig geeignet. Dass trotzdem etwa die Personalentscheidungen Meisers Lebensgefährtin betreffend nicht thematisiert wurden, gibt ein schwaches Bild ab.

Immerhin hat Dennis Lander von den Linken Auskunft zur Personalie Christof Zeyer gefordert. Dieser habe in seiner Freizeit ehrenamtlich und unentgeltlich an einer Vorstandssitzung des LSVS teilgenommen, aber es sei „natürlich nicht seine Aufgabe, sich als Landtagsdirektor um den LSVS zu kümmern“, erklärte Meiser. Das aber ist nur die halbe Wahrheit. Zeyer war nach SZ-Informationen auch bei der Personalversammlung des LSVS dabei. Ebenso bei einem Gespräch zum Thema LSVS in der SZ-Sportredaktion – inklusive Redeanteil. An Freizeit scheint es Zeyer also nicht zu mangeln.



Maximal halbe Wahrheiten finden sich auch in anderen Bereichen. Sollte der freigestellte Hauptgeschäftsführer Paul Hans den von Meiser beschriebenen Fehler über Jahre gemacht haben, stellen sich zwei Fragen, die nicht gestellt worden sind. Hat Hans dieses System, eventuell aus Unkenntnis, von seinem Vorgänger übernommen? Und wenn nicht – warum ist der erstmalige Fehler, die erstmalige Doppel-Verbuchung, nicht aufgefallen? Dieser Unterschied zum Vorjahres-Haushalt hätte auffallen müssen.

Da Klaus Meiser und das gesamte Präsidium, ebenso Meisers Vorgänger Gerd Meyer, größtmögliche Transparenz versprechen, ist es höchste Zeit, nicht nur Erklärungen abzugeben, sondern die Bilanzen vorzulegen. Inklusive der letzten unter Hans’ Vorgänger, dem seinerzeit verstorbenen Bernhard Gill. Die SZ hat die Herausgabe mehrfach angefragt, passiert ist bis heute nichts. Warum nicht?

Erschreckend ist auch, und diese Erkenntnis reift mit jedem Tag seit Bekanntwerden des LSVS-Skandals, dass sich sämtliche Präsidiumsmitglieder, auch zu Gerd Meyers Zeiten, mit dem Haushalt gar nicht intensiv auseinandergesetzt haben. Den „Neben-Haushalt“ zur Hermann-Neuberger-Sportschule und zur Mensa habe man nicht gesehen, nur die groben Zahlen, die im Gesamthaushalt enthalten sind, bestätigte Meiser gestern sogar. So gesehen verwundert es nicht, dass sich im Nachhinein keiner aus dem Präsidium kritisch äußert. Denn Fragen gibt es reichlich. Und da ist die fragwürdige Schaffung von Beschäftigungsverhältnissen für eine Lebensgefährtin, Parteifreunde oder Personen aus Meiser nahestehenden Fußballvereinen noch die offensichtlichste.