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Für den 1. FC Kaiserslautern und die Stadt wird die WM-Arena von 2006 zum Problem

Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern : Der Klotz am Bein der Stadt und des Vereins

Für den 1. FC Kaiserslautern und die Stadt in der Pfalz wird die WM-Arena von 2006 zu einem immer größeren Problem.

Wie ein Koloss thront das altehrwürdige Fritz-Walter-Stadion über den Dächern von Kaiserslautern. Doch Bundesliga-Fußball wird dort schon einige Jahre nicht mehr geboten – und genau hier liegt das Problem. Der viermalige deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern ist abgestürzt bis in die Drittklassigkeit und kann die Pacht für die zur Weltmeisterschaft 2006 ausgebaute Arena schon lange nicht mehr in vollem Umfang begleichen.

Regelmäßig berät die Politik über Lösungsansätze. Kaiserslauterns Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) brachte nun einen Wertausgleich in Form von Aktien an der Kapitalgesellschaft des FCK ins Spiel. Über die Vertragsmodalitäten nach Ablauf dieser Saison wird in einer Stadtratssitzung an diesem Montag (16 Uhr) beraten.

Die WM 2006 war für die 100 000-Einwohner-Stadt Kaiserslautern ein einzigartiges Ereignis mit rund einer Million Besuchern. Doch die Kehrseite der Medaille wird seit Jahren immer deutlicher. Der Ausbau für die WM verschlang statt der geplanten 48 Millionen über 70 Millionen Euro. Der Verein, damals ohnehin in einer finanziellen Schieflage, war 2003 zum Verkauf an die Stadt gezwungen, um die drohende Insolvenz abzuwenden. Der dafür nötige Kredit über 66 Millionen Euro läuft noch bis ins Jahr 2036. Tilgungen sind nicht vorgesehen, und nur 14 Millionen Euro sind als Kapitalrücklage gebildet. Bis heute hofft man vergebens auf einen Investor, der sich dem Stadion und dem bebaubaren Areal im Umfeld annimmt.

Ohne diesen Investor wird es schwierig. Denn das große Problem ist: Allein die Zinskosten betragen jährlich fast drei Millionen Euro. Aufgrund des sportlichen Niedergangs des Fritz-Walter-Klubs zahlt dieser seit Jahren jedoch weniger als die ursprünglich vereinbarte Pacht von jährlich 3,2 Millionen Euro. Aktuell beträgt die Miete in der 3. Liga 425 000 Euro, die Differenz von 2,8 Millionen Euro gleicht bisher die Stadt aus. Doch die hoch verschuldete Kommune sieht sich dazu nicht mehr in der Lage.

Der Verein ist nicht der Alleinschuldige. Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sowie Bernhard Deubig (CDU), einst Kaiserslauterns Oberbürgermeister, waren treibende Kräfte bei der WM-Bewerbung, die laut Beck ein „Riesenimpuls“ für die strukturschwache Region war und die Infrastruktur massiv verbesserte. Beide wohlwissend, dass die Arena nur mit einem Bundesligaklub rentabel ist. Nun ist es ein Teufelskreis. Der FCK kann nicht ohne sein Stadion, die Stadt jedoch nicht ohne den FCK. Ohne den Fußball ist der Betonkoloss nahezu wertlos.

Auf den jüngsten Vorschlag von Stadtoberhaupt Weichel, weitere Pachtsenkungen mit der Übertragung von Aktien des Klubs an die Stadt zu kompensieren, reagierten die Vereinsverantwortlichen um Markus Merk „irritiert“. Denn der Verkauf von Vereinsanteilen in Form von Aktien ist die wohl einzig realistische Möglichkeit für den FCK, sich wirtschaftlich zu erholen und die langfristig anvisierte Rückkehr in die Bundesliga zu realisieren. Gelingt dies nicht, sind auch die Aktien nichts wert.

Die Zweckehe steht nun also auf dem Prüfstand. In einer Sitzung des Stadtrats am 3. Februar soll voraussichtlich darüber entschieden werden, zu welchen Konditionen der Vertrag über die laufende Spielzeit hinaus verlängert wird.